Was die Pflege erleichtert

Inkontinenzprodukte und Toilettentraining für Pflegebedürftige

Heute gibt es viele Inkontinenzprodukte, die das Zusammenleben mit pflegebedürftigen Angehörigen erleichtern. Doch dürfen diese Hilfsmittel nicht zur Bequemlichkeit verleiten. Schließlich darf die Pflege nicht die Selbstständigkeit beschneiden. Solange der Pflegebedürftige laufen kann, sollte er deshalb regelmäßig die Toilette benutzen und nicht nur auf Vorlagen zurückgreifen.

Tochter und Vater
Inkontinenzprodukte erleichtern die Pflege von inkontinenten Angehörigen.
(c) George Doyle

Die üblichsten Hilfsmittel für Männer und Frauen mit Inkontinenz sind Einlagen (Vorlagen). Sie sind geruchsbindend und werden in verschiedenen Stärken für leichte bis schwere Inkontinenz hergestellt. Seit kurzem sind auch Einlagen mit integrierter Unterhose (Pants) auf dem Markt. Sie sind leicht zu handhaben, weshalb sie sich besonders für unterwegs eignen. Allerdings sind solche Modelle oft recht teuer. Bei der Pflege von inkontinenten Angehörigen eignen sich andere Hilfsmittel jedoch oft besser.

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Urinalsystem: Noch geruchssicherer als Vorlagen

Für Männer gibt es zu den Vorlagen noch eine Alternative: das Kondomurinal. Es handelt sich um ein Kondom aus vergleichsweise dickem Gummi, das am unteren Ende geöffnet ist und in einen etwa sechs Zentimeter langen Schlauch ausläuft. An dieses System, das täglich gewechselt werden muss, wird ein Urinbeutel angebracht. Das Kondomurinalsystem schont die Haut, da der oft sehr konzentrierte Urin nicht mit Gesäß und Hoden in Berührung kommt. Auch dringt noch weniger Geruch nach draußen als bei den Einlagen. Manchem Patienten bereitet allerdings die Befestigung des Urinals Probleme.

Dauerkatheter führt zu Harnwegsinfekten

Eine bequeme Lösung scheint auf den ersten Blick ein Dauerkatheter: Er leitet den Urin direkt aus der Blase in einen Beutel und muss nur einmal in der Woche gewechselt werden. Doch das Risiko einer Infektion der Harnwege oder der Blase ist extrem hoch. Außerdem wird der Schließmuskel der Blase überhaupt nicht mehr trainiert, was die Inkontinenz noch weiter verschlechtert. Experten raten deshalb nur in Ausnahmesituationen zu einem Dauerkatheter. Was sich in jedem Fall empfiehlt, ist ein mit Frottee beschichteter Matratzenschoner, um üble Geruchsentwicklungen zu vermeiden. Im Wohnzimmer kann eine mit Kunststoff beschichtete Fließunterlage die Polster vor Urinflecken schützen.

Durch das feuchte Milieu entstehen leicht Druckgeschwüre

Zur Pflege von inkontinenten Angehörigen gehört allerdings mehr als die Wahl der richtigen Hygieneprodukte: Auch die Haut braucht besondere Aufmerksamkeit. Sie verliert im Alter an Elastizität und wird somit empfindlicher. Kommen auch noch feuchte Wärme und die ätzenden Eigenschaften des konzentrierten Urins hinzu, entsteht leicht ein Druckgeschwür (Dekubitus). In der Altenpflege sind Dekubiti sehr gefürchtet, weil sie nur schwer heilen und im fortgeschrittenen Stadium sogar Sehnen, Muskeln und Knochen betroffen sein können. Zur Vorbeugung empfiehlt sich:

  • die Vorlagen häufig – tagsüber mindestens alle vier Stunden – wechseln

  • die Haut bei jedem Vorlage-Wechsel mit einer milden Seife waschen und fetten

  • kleine Rötungen sanft massieren

  • Bettlägerige alle zwei bis vier Stunden in eine andere Liegeposition bringen, so dass nicht immer dieselben Körperstellen dem Druck ausgesetzt sind

Toilettentraining und Beckenbodenübungen nicht vernachlässigen

In vielen Fällen ist ein Toilettentraining sinnvoll. Dabei notiert der Pflegebedürftige jedes Mal, zu welchem Zeitpunkt er Wasser gelassen hat. Nach einigen Tagen lässt sich anhand des Protokolls festlegen, zu welchen Zeiten ein Toilettengang empfehlenswert ist. Mit der Zeit können die Abstände zwischen den einzelnen Toilettengängen vergrößert werden. Ein Protokoll für das Toilettentraining gibt es bei der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe unter www.gih.de zum Herunterladen.

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Einfache Beckenbodenübungen sind bei älteren Inkontinenz-Patienten ebenfalls ein Versuch wert, meint die Pflegepädagogin Ingeborg Barden im Caritas-Magazin Sozial: aufrecht sitzen auf einem ziemlich harten Stuhl, sachte auf den Sitzknochen vor- und zurückschaukeln, mit geradem Rücken und so, dass sich nur das Becken bewegt. Wer seinen Beckenboden nicht recht spürt, kann sich bei dieser Übung ein Kirschkernkissen unters Gesäß legen. Damit Toiletten- und Blasentraining auch Erfolg zeigen, empfiehlt Ingeborg Barden:

  • Hindernisse auf dem Weg zur Toilette – wie Möbel und Teppiche – entfernen

  • bei Verwirrtheit oder Orientierungsproblemen die Toilettentür auffällig beschriften

  • zur Sicherheit Haltegriffe neben dem WC anbringen

  • das Zimmer des Pflegebedürftigen in Nähe der Toilette wählen

  • Kleidung, die sich leicht öffnen und schließen lässt, also: Klettverschlüsse statt Knöpfe und Gummizug statt Gürtel

  • Steckbecken (auch einfach "Topf" genannt), Urinflasche oder Toilettenstuhl für brenzlige Situationen anschaffen; auch bei Bettlägerigkeit können diese Hilfsmittel Selbstständigkeit bewahren

Betagte Inkontinenz-Patienten glauben oft, durch einen Verzicht auf Getränke ihre Blasenschwäche in den Griff zu bekommen. Doch von dieser Überzeugung muss die Familie sie unbedingt abbringen, rät Pflegewissenschaftlerin Elke Müller. Ein Flüssigkeitsdefizit fördert die Harninkontinenz möglicherweise sogar: So nimmt die Blutvolumen im Körper ab, was Verwirrtheitszustände erzeugt oder verstärkt. Der Toilettengang wird darum leicht einmal vergessen. Außerdem begünstigt Flüssigkeitsmangel Harnwegs- und Blaseninfektionen, die es wiederum erschweren, den Urin zu halten.

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Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2016
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