Urlaub & Sport
Tennis & Co. sind bei Blasenschwäche tabu
"Eine sportliche Frau wird nicht inkontinent", glauben vielen und - irren. Viele Leistungssportlerinnen leiden an unkontrolliertem Harnabgang, zeigt eine Studie. Frauen mit Blasenschwäche sollten auf bestimmte Sportarten ganz verzichten. Aerobic, Squash oder Joggen begünstigen nämlich Inkontinenz. Mit Radfahren oder Nordic Walking hingegen ist alles in trockenen Tüchern.
Sport hält fit und gesund: Er trainiert Herz und Kreislauf, baut Stresshormone ab und hebt die Laune. Auch die Kontinenz kann durch regelmäßige körperliche Bewegung erhalten werden, stellt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. fest. Für viele Aktive ist es daher ein Schock, wenn sie plötzlich beim Sport unfreiwillig Urin verlieren. Das ist allerdings keine Seltenheit. Im Gegenteil. Sportliche Aktivität kann Inkontinenz sogar fördern. Das belegt eine dänische Untersuchung, in der Wissenschaftler der Kopenhagener Universität 291 Leistungssportlerinnen zu dem Thema befragten. Sie kommen zu dem Schluss, dass Inkontinenz bei Athletinnen und Tänzerinnen ein verbreitetes Phänomen ist. Es zeigte sich nämlich, dass 51,9% der Befragten von Blasenschwäche geplagt wurden. 43% verloren beim Sport unkontrolliert Urin, 42% auch sonst. Doch während nur 0,8% der Frauen im Alltag regelmäßig einnässten, waren es beim Sport immerhin 9,6%. Besonders betroffen waren Turnerinnen (56%), gefolgt von Balletttänzerinnen (43%) und Aerobic-Treibenden (40%). Die Studie entlarvt überdies eine weitere gängige Ansicht als falsch. Inkontinenz ist keine Frage des Alters, wie viele meinen. Die befragten Sportlerinnen waren im Schnitt erst 22,8 Jahre alt.
Springen kann eine Blasenschwäche verschärfen
"Es ist ein Vorurteil, dass eine trainierte Frau nicht inkontinent wird", sagt Professorin Daniela Schultz-Lampel. Es gebe Bewegungen, die eine Blasenschwäche begünstigen und verschlimmern. "Frauen sollten daher alle Sportarten mit Hüpfen, Springen und schnellen Drehungen meiden." Ungünstig sind also z.B. Tennis, Squash, Aerobic und Karate. Auch vom Joggen raten Inkontinenz-Experten ab. Stattdessen empfehlen sie Walking oder das flotte Gehen mit zwei Stöcken, Nordic Walking genannt. Zur Vorbeugung von Blasenschwäche eignen sich grundsätzlich alle Sportarten, die den Beckenboden entlasten oder sogar stärken. Dazu zählen Radfahren, Schwimmen, Gymnastik sowie Yoga. "Auch Bauch-Beine-Po-Trainings in Fitness-Studios sind gut geeignet", stellt die Leiterin des Kontinenzzentrums Südwest am Klinikum Villingen-Schwenningen fest.
Ein kräftigen Beckenboden bessert Inkontinenz
Zudem kann Beckenbodentraining viel gegen Blasenschwäche ausrichten. Spezielle Übungen kräftigen dieses Muskelgeflecht. Das hat sich besonders bei Männern nach Entfernung der Prostata und bei Belastungsinkontinenz bewährt. Letztere trifft häufig Frauen, deren Beckenboden durch Schwangerschaften erschlafft ist. Viele Volkshochschulen und Sportvereine bieten spezielle Beckenbodenkurse an. Sie haben den Vorteil, dass die Teilnehmer lernen, die Übungen auch wirklich richtig ausführen. Doch auch für das Üben zu Hause gibt es inzwischen gut illustrierte Ratgeber. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Training regelmäßig absolviert wird - am besten 15 Minuten täglich.


