Pflegekräfte und Angehörige

Tipps zum Umgang mit inkontinenten Pflegebedüftigen

Tipps zum Umgang mit inkontinenten Pflegebedueftigen-108592240.jpg
Richtige Pflege kann die Lebensqualität der Pflegebedürftigen erhöhen.
Getty Images/iStockphoto

Ob beim Essen, beim Kleiden oder auf der Toilette: Bei körperlich oder geistig eingeschränkten Menschen können die Pflegenden viel tun, um die Kontinenz zu fördern. Das erhöht die Lebensqualität aller Beteiligten.

Trinken

Pflegebedürftige Menschen mit einer Blasenschwäche sollten mindestens 1,5-2 Liter Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen – außer medizinische Gründe sprechen dagegen. Oft versuchen die Betroffenen, dem unkontrollierten Harnverlust vorzubeugen, indem sie weniger trinken. Das fördert aber Harnwegsinfektionen und Verstopfungen. Bei der Wahl der Getränke sollten Sie beachten, dass Kaffee, manche Teesorten, Säfte aus Zitrusfrüchten und Kohlensäurehaltiges harntreibend wirken können. Um nachts Harndrang und Einnässen zu reduzieren, sollte der Pflegebedürftige tagsüber viel und nach 18 Uhr weniger trinken.

Essen

Die Ernährung sollte ausgewogen sein, viel Obst und Gemüse sowie ausreichend Ballaststoffe enthalten. Das beugt Verstopfungen und Übergewicht vor. Beides kann eine Harninkontinenz fördern, indem der entstehende Druck den Beckenboden schwächt. Bei Verstopfung geschieht dies durch die starke Anstrengung beim Entleeren des Darms. Außerdem kann ein voller Darm auf die Blase drücken und z.B. das Fassungsvermögen der Blase beinträchtigen. Vor allem übergewichtige Frauen mit Belastungsinkontinenz profitieren vom Abnehmen. Studien haben gezeigt, dass sich die Blasenschwäche dadurch besserte.

Bewegen

Bewegung fördert die Kontinenz. Sie sollten den Pflegebedürftigen darin unterstützen, auf die Toilette zu gehen. Üben Sie mit ihm den Gang aufs WC. Um die Motivation zu fördern, können Sie zum Beispiel einen kleinen Spaziergang daraus machen. Da die Balancefähigkeit im Alter nachlässt, ist es gut, sie regelmäßig zu trainieren. So gewinnen Betroffene Selbstvertrauen für ihren Weg aufs Örtchen. Aufsteh- und Gehhilfen können gebrechliche Menschen dabei unterstützen, in Bewegung zu bleiben. Um die Fingerfertigkeit zu erhalten, die Betroffene brauchen, um ohne Hilfe Reißverschlüsse und Knöpfe auf der Toilette öffnen zu können, helfen z.B. Hand- oder Bastelarbeiten oder das Schälen von Obst und Gemüse.

Kleiden

Inkontinente Menschen sollten sich warm anziehen - besonders an den Füßen und am Unterleib. Die Unterwäsche sollte Luft durchlassen, damit Feuchtigkeit sich nicht staut und womöglich eine Blaseninfektion provoziert. Falls der Pflegebedürftige Vorlagen oder Windeln trägt, sollte die Kleidung so weit sein, dass die Hilfsmittel sich nicht abzeichnen und ihren Träger dadurch in Verlegenheit bringen. Große Muster können kaschieren helfen. Damit die Kleidung auf der Toilette rasch zu öffnen ist, sind leichtgängige Reißverschlüsse und Klettstreifen erste Wahl. Hosen mit Gummizug sind ebenfalls empfehlenswert.

Wohnen

Menschen mit Demenz oder einer Orientierungsstörung finden den Weg zum WC oft nicht rechtzeitig und nässen deshalb ein. Hier kann es helfen, Hinweisschilder anzubringen. Da Betroffene sich häufig an frühere Zeiten erinnern, sollten Sie vertraute Motive und Begriffe verwenden – beispielsweise kennzeichnete früher ein Herz an der Holztür den Abort. Empfehlenswert ist auch, den Toilettensitz in einer auffälligen Farbe zu wählen. Denn Demenzkranken fällt es schwer, ein weißes Klosett vor einem weißen Hintergrund zu erkennen. Außerdem fühlen Demente sich von Farbimpulsen angezogen und wissen dann oft intuitiv, wo es lang geht. Achten sie darauf, dass der Weg zur Toilette immer frei geräumt und gut beleuchtet ist. Schwellen am besten abflachen, Teppichkanten am Boden fixieren und Kabel festkleben, damit Pflegebedürftige den Weg zum Klosett nicht aus Angst vor Stürzen scheuen. Auf der Toilette können erhöhte WC-Sitze, Halterungen oder Aufstehhilfen das selbstständige Wasserlassen erleichtern.

Pflegen

Die Haut von inkontinenten Menschen braucht besondere Pflege, weil die Feuchtigkeit die Haut aufquellt und durchlässiger macht und der Urin zusätzlich den Säureschutzmantel der Haut angreift. Falls häufiges Waschen nötig ist, am besten nur klares Wasser verwenden. Ansonsten sind leicht saure Syndets mit einem ph-Wert von 5,5-6 zu empfehlen. Nach dem Reinigen sollten Sie eine Wasser-in-Öl-Lotion auftragen, um das Rückfetten der Haut zu unterstützen. Salben, Pasten und reines Fett, wie Vaseline oder Melkfett, dichten die Hautporen zu stark ab, stören so den Wärmeaustausch mit der Umwelt und können die Haut aufquellen lassen. Zudem beeinträchtigen sie die Aufnahmefähigkeit von Vorlagen und Windeln. Sie sollten daher nicht zur täglichen Pflege, sondern nur auf ärztlichen Rat zum Einsatz kommen. Wenn die Haut am After besonders sensibel oder schon geschädigt ist, können Langzeit-Hautschutzfilme in Sprayform sinnvoll sein. Um die Haut zu schützen, sollten Sie bei aufsaugenden Hilfsmitteln auf gute Qualität und einen Rücknässeschutz achten.

Autor: Martina Janning
Letzte Aktualisierung: 29. März 2010
Quellen: Mit Informationen der Urologin Prof. Dr. Daniela Schutz-Lampel, der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft und von Daniela Hayder u.a., Kontinenz- Inkontinenz – Kontinenzförderung. Praxishandbuch für Pflegende, Huber-Verlag 2008

Expertenrat Harninkontinenz

Im Expertenrat Harninkontinenz können Sie Fragen an einen Spezialisten stellen - kostenlos und anonym.

zum Expertenrat
Fragen zu Inkontinenz
Forum Harninkontinenz

Zum Seitenanfang