
Urotherapie
Mit Verhaltenstraining gegen Blasenschwäche
Um Inkontinenz zu bessern, geht es nicht ohne Kontrolle der Trinkgewohnheiten und Toilettengänge. Sie ist wichtiger Bestandteil einer modernen Urotherapie.
Urotherapie gewinnt an Bedeutung
Hinter dem Begriff Urotherapie verbergen sich verschiedene verhaltenstherapeutische Schritte zur Behandlung von Blasen- und Darmschwäche. Diese kommen in der Therapie von Inkontinenz oft zu kurz, berichtet Frau Professor Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenz-Zentrums Villingen-Schwenningen. Denn Verhalten zu ändern braucht Ausdauer und Willenskraft. Vielen Betroffenen mangelt es an dem einen oder beidem und Ärzten fehlt oft die Zeit, ihre Patienten ausreichend zum Durchhalten zu motivieren. Deshalb bildet das Klinikum Bremen links der Weser seit kurzem Pflegekräfte, Arzthelfer, aber auch Physiotherapeuten und Hebammen zu Urotherapeuten aus. In den skandinavischen Ländern und Großbritannien hat diese Fortbildung eine jahrzehntelange Tradition und die Erfahrungen mit der Urotherapie sind dort sehr gut.
Mehr Körperbewusstsein entwickeln
Urotherapie hat den Sinn, die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Signale zu schulen. Auf diese Weise soll der Patient lernen, seine Blase bewusst und kontrolliert zu entleeren. Um das zu erreichen, umfasst die Urotherapie die Diagnostik, Behandlung und Betreuung von Menschen mit Blasenstörungen oder Stuhlinkontinenz. "Die nicht-medikamentöse, verhaltenstherapeutische Therapie sollte immer der erste Behandlungsschritt sein", erläutert die Expertin Schultz-Lampel. Das bedeute erst einmal eine "Demystifikation" der Inkontinenz. Konkret geht es darum, dem Patienten die Anatomie des menschlichen Körpers zu erklären und darzulegen, warum es zu einer Blasen- oder Darmschwäche kommen kann.
Ohne Blasentagebuch geht es nicht
Der nächste Schritt beim verhaltensorientiertes Vorgehen bei Harninkontinenz: Der Patient führt einige Zeit ein sogenanntes Miktionstagebuch, in dem er genau notiert, wann er welche Menge an Getränken zu sich nimmt und wie viel Urin er ausscheidet. Je sorgfältiger der Patient seine Trink- und Toilettengewohnheiten protokolliert, desto genauer kann der Arzt einschätzen, welche Ursache hinter dem Einnässen steckt. Ohne ein Miktionstagebuch habe die Behandlung keine Basis, sagt Schultz-Lampel. Der Hauptgrund, warum Therapien erfolglos bleiben, ist, dass das Blasentagebuch sträflich vernachlässigt und der eigentliche Grund für die Inkontinenz nicht erkannt wird", betont sie.
Trinken und Urinieren nach Plan
Zur standardmäßigen Urotherapie gehört ein Verhaltenstraining, bei dem der Patient einem Trink- und Toilettenplan folgt. Bettnässende Kinder sollten z.B. alle zwei Stunden aufs WC gehen und ebenfalls alle zwei Stunden zwischen 150 und 200 ml trinken. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, sonst entwickelt sich die Blase nicht richtig. Zwei Stunden vor dem Schlafengehen dürfen Kinder gar nichts mehr trinken, damit sie in der Nacht nicht wasserlassen müssen. Bei Erwachsenen mit Blasenschwäche sollte die Trinkmenge zwischen 1.800 und 2.200 ml pro Tag liegen, empfiehlt Dr. Daniela Marschall-Kehrel, Urologin aus Frankfurt/M. Sie sollten alle 2-3 Stunden trinken und zur Toilette gehen. Zum Abend hin sollte die Flüssigkeitsmenge reduziert werden.












