Freizeit

Tanzen - trocken und fit bei jedem Schritt

Egal ob Walzer, Tango oder Freestyle: Tanzen stärkt Herz und Kreislauf, kräftigt die Muskeln und schult das Gedächtnis. Eine schwache Blase sollte Frauen daher nicht von dem Vergnügen abhalten. Es gibt Hilfe.

Blasenschwäche ist behandelbar

Früher hat Karin W. sehr gerne getanzt, heute mag sie kaum daran denken. Sie traut sich nicht mehr tanzen zu gehen, seit einmal dabei ihr Höschen nass wurde. Das passiert der 62-Jährigen auch beim Lachen und Bücken. „Ich schäme mich so sehr und gehe kaum noch aus“, sagt Karin W. „Die Blasenschwäche bestimmt mein Leben, dabei würde ich so gerne einmal wieder tanzen gehen.“

Die Scham über das unfreiwillige Wasserlassen teilt Karin W. mit vielen Menschen. Doch gerade reifere Frauen glauben oft, dass eine schwache Blase ein Schicksal ist, an dem sich nichts ändern lässt. Das stimmt aber nicht. Heutzutage ist eine Inkontinenz in der Regel so gut zu behandeln, dass Betroffene ein normales Leben ohne große Einschränkungen führen können. Dabei helfen Verhaltens- und Körpertraining, Medikamente und Einlagen. Welche Therapie im Einzelfall die richtige ist, hängt jeweils von der Art der Harninkontinenz ab.

Wenn beim Niesen oder Sport Urin abgeht

Karin W. leidet an einer Belastungsinkontinenz. Davon sprechen Urologen, wenn bei Druck auf den Bauchraum Urin aus der Blase schießt. Das passiert oft beim Niesen oder Husten. Es kann aber auch beim Treppensteigen oder beim Sport geschehen. Verantwortlich für den Urinabgang ist ein schwacher Beckenboden in Verbindung mit einem geschädigten Schließmuskel der Harnröhre.

Dass die Muskulatur des Beckenbodens erschlafft, kann verschiedene Gründe haben. Neben Veranlagung gehören dazu Schwangerschaften und Geburten, Übergewicht und der Hormonumbau während der Wechseljahre. Die Folge ist, dass die Muskeln dem Druck, der von oben auf die Blase wirkt, nicht genug entgegensetzen können. So geht unkontrolliert Urin ab. In der Regel wird die Situation immer schlimmer, wenn eine Erkrankte nichts unternimmt. Schließlich kann schon bei geringem Druck im Bauchraum – selbst im Liegen – Harn ins Höschen gehen. Deshalb sollten betroffene Frauen schon bei einer leichten Inkontinenz einen Arzt aufsuchen.

Das erste Mittel der Wahl, um eine Belastungsinkontinenz zu behandeln, ist das Stärken des Beckenbodens. Dazu eignen sich spezielle Übungen, Elektrostimulation, Biofeedback und Vaginalkonen. Letzteres sind kleine Gewichte, die die Frau wie einen Tampon in ihre Scheide einführt. Danach trägt sie den Vaginalkonus beim Stehen und Laufen in sich – zweimal am Tag 15 Minuten lang. Das Training beginnt mit dem leichtesten Konus und steigert sich bis zum schwersten Gewicht, das gehalten werden kann. Die meisten Frauen bemerken nach zwei bis drei Wochen eine Besserung ihrer Blasenschwäche, die volle Wirkung entfaltet sich aber erst nach sechs Wochen bis drei Monaten.

Tanzen macht fit und froh

Mit einem gestärkten Beckenboden kann sogar ein schwungvoller Wiener Walzer seinen Schrecken verlieren und Inkontinenzgeplagte in den Genuss der wohltuenden Wirkungen von Tanzen bringen. Denn ganz egal ob Foxtrott oder Salsa, Walzer oder Freestyle, Tanzen ist gesund. Es lockert und schmiert die Gelenke, dehnt Sehnen und Bänder, stärkt Herz und Kreislauf und tut dem Rücken gut. Zudem schulen die Bewegungen die Balance und Feinmotorik und kräftigen überdies die Muskeln.

Tanzen trainiert sogar den Geist. Das Lernen von Schrittfolgen im Einklang zur Musik schult das Gedächtnis und fördert Kreativität. Außerdem schüttet das Gehirn beim Tanzen das Glückshormons Endorphin aus. Das bremst das Freisetzen von Stresshormonen. Die Bewegung beim Tanzen trägt auch ihren Teil zum Wohlbefinden bei und baut im Blut vorhandene Stresshormone ab. Wegen der vielen positiven Effekte empfehlen Ärzte: Gehen Sie mindestens einmal in der Woche eine Stunde tanzen.


Quelle: Nach Informationen der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft: Harn- und Stuhlinkontinenz, Kassel April 2009, von Frank Perabo, Stefan C. Müller, Inkontinenz – Fragen und Antworten, Köln, 1. Auflage, Deutscher Ärzte-Verlag 2009, des Unternehmens Apogepha
Autor: Martina Janning
Stand: Jun 16, 2010


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