
Tagtäglich
Im Alltag auf den Beckenboden achten
Toilettentraining, Beckenbodenübungen und Medikamente können bei Blasenschwäche helfen. Doch auch kleine Dinge tragen oft zur Linderung bei. So lohnt es sich für eine Patientin etwa, darüber nachzudenken, wie sie morgens aus dem Bett kommt. Lässt sie den Oberkörper gerade hochschnellen? Das sollte sie sich abgewöhnen, denn diese Bewegung drückt auf den Beckenboden.
Die weit verbreitete Belastungsinkontinenz ist meistens auf einen schlaffen Beckenboden zurückzuführen: Er kann Belastungen im Bauchraum nicht standhalten und drückt z.B. beim Niesen, Husten, Lachen oder Heben nach unten, so dass Urin abgeht. Damit der Beckenboden nicht noch weiter geschwächt wird, gilt es jeglichen Druck von oben zu vermeiden. Es ist deshalb nicht ratsam, sich aus liegender Position gerade im Bett aufzurichten: Denn während der Oberkörper hochkommt, werden die Organe im unteren Becken durch die angespannten Bauchmuskeln auf den Beckenboden gedrückt. Besser ist es, sich im Liegen zunächst auf die Seite zu rollen und den Oberkörper erst dann aufzustützen.
Vorsicht vor Sit-Ups
Sit-Ups, eine gerade unter Frauen sehr beliebte Bauchmuskelübung, funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie das Aufschnellen im Bett und sind deshalb bei Belastungsinkontinenz ebenfalls tabu. "Auch Schwangere und Frauen, die erst vor wenigen Monaten entbunden haben, dürfen diese Übung wegen ihres weichen Beckenbodens nicht praktizieren. Sie wollen ihre Bauchmuskeln straffen, doch handeln sie sich bei dieser Übung leicht eine Inkontinenz ein", sagt Astrid Landmesser, Physiotherapeutin und Referentin der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe (GIH). Für Frauen mit Blasenschwäche und junge Mütter ist es besser, Bauchmuskelübungen im Vierfüßlerstand zu praktizieren, da in dieser Position kein Druck auf den Beckenboden wirkt.
Gerade Körperhaltung entlastet den Beckenboden
"Grundsätzlich kann man sagen: Alle Körperhaltungen, die den Rücken schonen, sind auch für den Beckenboden gut", sagt Andrea Skurnia, Physiotherapeutin an der Orthopädischen Universitätsklinik Frankfurt (Stiftung Friedrichsheim). Beckenboden-Expertinnen empfehlen darum:
- gerade gehen und sitzen, denn ein gebeugter Oberkörper staucht die Bauchorgane zusammen und drückt sie nach unten auf den Beckenboden
- beim Heben immer in die Knie gehen und den Gegenstand nahe am Körper halten, zusätzlich die Beckenbodenmuskeln anspannen
- bei körperlicher Anstrengung wie Heben die Atmung weiterfließen lassen. Nicht die Luft anhalten: dies verhindert die Bewegung des Zwerchfells, ohne die Rücken-, Bauch- und Beckenbodenmuskulatur nicht vernünftig arbeiten können
- beim Husten und Niesen den Kopf über die Schulter nach hinten drehen - so lässt sich vermeiden, dass der Oberkörper automatisch vornüber schnellt und der eh schon hohe Druck im Bauchraum noch verstärkt wird
Landmesser warnt Frauen mit Blasenschwäche zudem davor, beim Wasserlassen und Stuhlgang stark zu pressen. Denn bei dieser Kraftanstrengung ist förmlich zu spüren, wie der Beckenboden dem Druck ausweicht und nach unten tritt. (kig)
Quelle:
BSMO-Gespräch mit Astrid Landmesser, Physiotherapeutin und Referentin der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe (GIH); BSMO-Gespräch mit Andrea Skurnia, Physiotherapeutin an der Orthopädischen Universitätsklinik Frankfurt (Stiftung Friedrichsheim)












