Multiple Sklerose

Blasenprobleme bei MS: Das können Sie tun

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Auf das Blasenproblem abgestimmte Medikamente können zur Linderung beitragen.
Getty Images/Polka Dot RF

Die meisten MS-Kranken bekommen irgendwann eine Blasenstörungen, da die Krankheit die Nervenbahnen angreift, die die Blase steuern. Toilettentraining, Medikamente und Hilfsmittel können die Lebensqualität erhalten.

Eine Krankheit, viele mögliche Blasenstörungen

Multiple Sklerose (MS) und Blaseprobleme gehören zusammen: Über 80 Prozent der Menschen, die an MS erkranken, entwickeln im Laufe ihres weiteren Lebens eine Blasenfunktionsstörung, bei rund 10 Prozent ist diese sogar das erste Symptom dieser Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei können die Blasenprobleme ganz unterschiedlich sein - manche MS-Kranke entwickeln plötzlichen oder vermehrten Harndrang, einigen fällt das Wasserlassen schwer, andere verlieren unfreiwillig Urin.

Oft verändert sich eine Blasenstörung im Verlauf der MS-Erkrankung: Anfangs äußert sie sich vielfach durch gehäuften Harndrang, wobei Betroffene gleichzeitig nur wenig Wasser lassen können. Später kann es zu Inkontinenz kommen, oder es verbleibt Restharn in der Blase, was das Risiko für Harnwegsinfektionen steigert.

Mediziner unterscheiden im Wesentlichen drei Formen von Blasenfunktionsstörungen bei MS:

  • Schwierigkeiten, den Urin zu halten,
  • Probleme beim Entleeren der Blase und
  • eine Kombination aus beidem.

Die Art der Störung hängt jeweils davon ab, welcher Teil des Nervensystems durch die MS betroffen ist. Das kann auch von Krankheitsschub zu Krankheitsschub variieren.

Bei Blasenproblemen ist ein Urologe der richtige Arzt

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung, bei der im Gehirn und Rückenmark zahlreiche Entzündungsherde und schließlich Narben (Sklerosen) entstehen, die die Leitfähigkeit der Nervenbahnen beeinträchtigen. Aktuell ist MS nicht zu heilen, aber behandelbar.

Auch für Blasenfunktionsstörungen durch Multiple Sklerose gilt: Sie lassen sich nicht ganz beseitigen, aber deutlich bessern. Voraussetzung dafür ist eine genaue Diagnose der Probleme beim Wasserlassen. Zumal nicht jede Blasenstörung mit der MS zusammenhängen muss. Doris Friedrich, Autorin von MS-Ratgebern, rät Betroffenen, sich an Urologen zu wenden, die auf Neurologie spezialisiert sind. Das gelte auch für Frauen, betont sie: „Viele glauben, Urologen sind nur für Männer da. Das stimmt nicht. Für Blasenprobleme bei Frauen sind Urologen ebenfalls zuständig und nicht etwa Gynäkologen, wie viele meinen.“

Mit Medikamenten und Harnröhrenstöpsel

Nach der Diagnose kann der Arzt beurteilen, welche Therapie für den MS-Kranken Sinn macht. Das kann zum Beispiel ein Umstellen der Trink- und Toilettengewohnheiten sein oder das Stärken des Beckenbodens durch gezielte Übungen. Spezielle, auf das jeweilige Blasenproblem abgestimmte, Medikamente können dafür sorgen, dass der Harndrang nachlässt oder nicht unfreiwillig Urin abgeht. In manchen Fällen – etwa bei einer Gebärmuttersenkung - sind Operationen eine Option.

Daneben gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln, die MS-Kranken mit Blasenstörungen ein normales Leben ermöglichen. Dazu gehören saugfähige, den Geruch bindende Einlagen und undurchlässige Inkontinenz-Hosen. Für Frauen gibt es Harnröhrenstöpsel und Spezial-Tampons; auch Pessare eignen sich, um Urin im Körper zu halten. Bei Männern können Penisringe ein Einnässen verhindern und Kondomurinale den Harn auffangen.

Kein Angst vorm Selbst-Katheterisieren

Eine Hilfe für Frauen wie Männer ist ein Katheter. Dabei handelt es sich um einen dünnen Schlauch, mit dem Patienten ihre Blase mehrmals täglich gezielt entleeren können. Viele Betroffene wehrten bei dem Gedanken, einen Katheter zu benutzen, erst einmal ab, weiß Friedrich. Doch Angst sei unbegründet, beruhigt sie. „Es ist nicht schlimm, den Katheter in die Harnröhre einzuführen. Der Doktor oder eine Arzthelferin zeigen einem, wie es richtig geht. Außerdem war ich ganz überrascht, wie kleine Modelle es gibt. Die passen sogar in eine Handtasche und fallen Außenstehenden überhaupt nicht auf.“

Ein Katheter sei ein wesentlicher Schritt zur Unabhängigkeit, findet MS-Expertin Friedrich. „Man muss sich nicht mehr zurückziehen, sondern kann seinem Beruf nachkommen und ins Kino oder Theater gehen, ohne sich vor Harnverlust fürchten zu müssen.“

Autor: Martina Janning
Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2010
Quellen: Doris Friedrich, Inkontinenz - Multiple Sklerose, Ein Ratgeber bei Blasen- und Darmschwäche, 1. Auflage, Stuttgart 2010, Trias-Verlag, Gespräch mit Doris Friedrich im März 2010

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