Ursachen der Harninkontinenz

Geburt und Schwangerschaft als Risikofaktoren für Harninkontinenz

Schwangerschaft und Geburt als Ausloeser-dv1695010.jpg
Eine Schwangerschaft ist ein Risikofaktor für spätere Harninkontinenz.
Getty Images/Digital Vision

Frauen haben ein Risiko von ungefähr elf Prozent im Laufe ihres Lebens eine Harninkontinenz und/oder eine Funktionsstörungen des Beckenbodens zu bekommen. Da die Lebenserwartung (nicht nur) der Frauen zunimmt, wird vermutet, dass das Risiko noch weiter ansteigt.

Bei der Entstehung einer Harninkontinenz spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, auch Schwangerschaft und Geburt können offenbar die Entwicklung beeinflussen. Etwa 40 Prozent der schwangeren Frauen zeigen zum Beispiel Symptome einer Belastungsharninkontinenz, nach natürlicher (vaginaler) Geburt liegt die Häufigkeit bei ungefähr 15 Prozent. Besonders die Geburt kann zu Verletzungen im Bereich des Beckenbodens führen, die die Entstehung einer (späteren) Harninkontinenz begünstigen.

Schwangerschaft und Harninkontinenz

Fachleute gehen davon aus, dass selbst normale, komplikationslose Schwangerschaften die Entwicklung einer Blasenschwäche beeinflussen können, auch wenn die dahinter stehenden Mechanismen noch nicht genau bekannt sind. Weiterhin haben offenbar viele Frauen bereits vor der Schwangerschaft Inkontinenzbeschwerden, die durch die Schwangerschaft zunehmen können. Tritt die Harninkontinenz erstmals während der Schwangerschaft auf, bilden sich die Symptome in der Regel danach wieder zurück. Doch können sie unter Umständen in späteren Schwangerschaften erneut auftreten und sind dann intensiver. Ein mögliche Ursache dafür könnten familiäre Veranlagungen sein, die sich negativ auf das Bindegewebe auswirken und es „schwächen“.

Einfluss der Geburt

Es scheint eine Reihe von Faktoren zu geben, die bei einer vaginalen Geburt entstehen und eine Harninkontinenz begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Verletzungen des Bindegewebes oder der Gefäße im Beckenbereich. Aber auch Nerven- und Muskelschädigungen können ihren Beitrag leisten. Zudem werden können unter der Geburt eventuell auch direkt Harnwege verletzt werden. Die natürlichen Vorgänge während der Schwangerschaft, etwa die Entspannung (Relaxation) von Muskulatur und Bindegewebe, verstärken diese Prozesse unter Umständen.

Die genannten Schädigungen erhöhen das Risiko für eine spätere Harninkontinenz. Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel mehrere Schwangerschaften, Zangengeburt, Dammriss höheren Grades oder Neugeborene mit hohem Geburtsgewicht.In vielen Fällen bilden sich die Veränderungen jedoch zurück, so zeigen die meisten Frauen zwei Wochen nach spontaner Geburt wieder eine normale Muskelfunktion im Beckenbodenbereich. Weiterhin kommt es bei sogenannten instrumentellen Geburten, zum Beispiel Zangengeburt, bei ungefähr einem Drittel der Frauen zu einer Belastungsharninkontinenz, bei einer normalen (spontanen) Geburt sind um die 20 Prozent betroffen. Bei zirka 20 Prozent der betroffenen Frauen bleiben die Beschwerden bestehen.

Kaiserschnitt ist keine Lösung

Vielen Frauen erscheint nun vielleicht der Kaiserschnitt (Sectio) als angemessenes Mittel, um Inkontinenzbeschwerden aus dem Weg zu gehen. Doch ist ein solches Vorgehen als vorbeugende Maßnahme anscheinend nicht angebracht. Denn es gibt auch Untersuchungen, die bei ungefähr einem Drittel der per Kaiserschnitt entbindenden Frauen Symptome einer Blasenschwäche feststellten. Bei der Entscheidung für oder wider eine Sectio spielen zudem auch andere Aspekte eine Rolle, die mit den werdenden Müttern besprochen werden sollten. Dazu gehören zum Beispiel höheres Alter, deutlich gesteigertes Gewicht (Fettleibigkeit) oder vorher durchgeführte Operationen am Beckenboden.

Maßnahmen während Schwangerschaft und Stillzeit

Tritt während der Schwangerschaft und Stillzeit beziehungsweise im Wochenbett eine Harninkontinenz auf, sind den Ärzten bei der Diagnostik die Hände gebunden. So können sie sogenannte invasive Maßnahmen wie eine urodynamische Untersuchung zur Messung der Harnblasenfunktion nicht ohne Weiteres durchführen. Ähnliches gilt für die Therapie. Doch Beckenbodentraining ist während dieser Zeit möglich und zeigt gute Erfolge. Die entsprechenden Übungen können bereits früh in der Schwangerschaft starten und sind auch für das Wochenbett und die Stillzeit geeignet. Für die Zeit nach der Geburt bietet sich unter anderem die Therapie mit Vaginalkonen an, die in die Scheide eingebracht werden.

Bleiben die Inkontinenzsymptome auch nach der Stillzeit bestehen, sind weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen möglich, die sich nach der individuellen Situation richten.

Sieben sanfte Hilfen für eine starke Blase
1 von 7
  • 00_Bärentraubenblätter_116002773.jpg
    Bärentraubenblätter

    Die ledrigen Blätter der Heilpflanze Bärentraube enthalten einen hochwirksamen Stoff: Arbutin. Diese natürliche Substanz bekämpft Bakterien und wird deshalb häufig als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet. Als Tee, aber auch in Form von Tabletten und Dragees mit dem hochdosierten Arbutin, sind Bärentraubenblätter eine effektive Hilfe bei Entzündungen der Blase. Besonders gut wirken Bärentraubenblätter, wenn Sie wenig Süßes und Eiweiß gegessen haben. Denn die Wirkung der Heilpflanze entfaltet sich am besten in alkalischem Urin. Süßes und Eiweiß machen den Urin jedoch sauer und Zubereitungen aus der Bärentraube wirken dann nicht so effektiv.

    Getty Images/iStockphoto

  • 01Goldrute_blase_147309483.jpg
    Goldrute

    Bei Reizblase, Blasenentzündung und zur Durchspülung der Darmwege hat sich Goldrute seit Jahrhunderten bewährt. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass die Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine und ätherischen Öle der Goldrute – vor allem des Krauts – hochpotente Substanzen sind. Sie lösen Krämpfe, bremsen Entzündungen, lindern Schmerzen, regen die Urinbildung an und aktivieren die Abwehrkräfte an. Goldrute gibt es als Tee, aber auch in konzentrierter Form als Tabletten.

    Getty Images/iStockphoto

  • 02_Schachtelhalm_154143338.jpg
    Schachtelhalm

    Die Heilpflanze Schachtelhalm ist auch unter der Bezeichnung Zinnkraut bekannt. Die Sprossen seiner Grashalme enthalten Flavonoide, die auf sanfte Weise die Urinbildung anregen. Die Harnwege werden dadurch gut durchspült, Bakterien werden rasch aus dem Körper befördert und haben kaum eine Chance, sich in der Blase anzusiedeln und zu vermehren.

    Getty Images/iStockphoto

  • 03_Birkenblätter _104560034.jpg
    Birkenblätter

    Vor allem die Blätter der Moor- und der Hängebirke enthalten Biosubstanzen, die die Nierenaktivität anregen. Die gesteigerte Urinproduktion führt dazu, dass die Harnwege und die Blase gut durchspült werden und Bakterien sich nicht mehr vermehren können. Birkenblätter gibt es als Teezubereitung und kombiniert mit anderen blasenwirksamen Pflanzenstoffen – etwa Goldrute und Schachtelhalm – als Medikament.

    Getty Images/iStockphoto

  • 04_Kapuzinerkresse _146915635.jpg
    Kapuzinerkresse

    Sowohl die Blätter als auch die Blüten der Kapuzinerkresse enthalten Senfölglykoside und Vitamin C. Die Glykoside wirken wie ein natürliches Antibiotikum, bekämpfen Bakterien in den ableitenden Harnwegen. Die Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse wirken jedoch nicht nur in Niere, Blase und Harnwegen, sondern auch in den Bronchien – sind also ebenfalls sinnvoll bei Erkältungen und Husten. Kapuzinerkresse-Zubereitungen gibt es meist in Kombination mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen.

    Getty Images/iStockphoto

  • 05_Cranberries_149399517.jpg
    Cranberries

    Die amerikanische Moosbeere (Cranberry) enthält eine große Menge von Antioxidanzien, darunter vor allem Proanthocyanidine. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zellschützende Eigenschaften haben. Studien haben gezeigt, dass Cranberrysaft die Blasenschleimhaut gegen Bakterien stark machten kann. Allerdings muss der Saft dazu über einen längeren Zeitraum getrunken werden. Ebenso wirksam könnte jedoch Preisel- oder Heidelbeersaft sein.

    Getty Images/iStockphoto

  • 06_Kürbis_154218145.jpg
    Kürbis

    Nicht nur das Kürbisfleisch ist gesund. Es liefert jede Menge Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Kalium sowie die Vitamine A, C und E. Die Kerne vom Kürbis enthalten ein hochpotentes Öl mit dem Hauptwirkstoff Phytosterol. Er lindert Prostatabeschwerden, kann das Prostatawachstum sogar bremsen und stärkt die Blase. Sie können geröstete Kürbiskerne knabbern, aber auch Dragees, Tabletten oder Granulat mit hochdosierten Kürbiskernextrakt einnehmen.

    Getty Images/iStockphoto

Autor: aks
Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2011
Quellen: Vocke, K.: Inkontinent durch Schwangerschaft. In: Heilberufe 10 (2010), S. 18-20 Keim, S.; Anthuber, C.: Inkontinenz und Deszensus der jungen Frau. Therapeutische Konzepte. In: Gynäkologe 8 (2010), S. 643-652

Expertenrat Harninkontinenz

Im Expertenrat Harninkontinenz können Sie Fragen an einen Spezialisten stellen - kostenlos und anonym.

zum Expertenrat
Fragen zu Inkontinenz
Forum Harninkontinenz

Zum Seitenanfang