Inkontinenzformen

Wenn Erwachsene ins Bett nässen

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Bettnässen kommt nicht nur bei Kindern vor.
(c) George Doyle

Nicht nur Kinder verlieren nachts unfreiwillig Urin. Auch Erwachsenen passiert das. Der Leidensdruck der Betroffenen ist meist groß. Bettnässen oder das Tragen einer Windel ist eine Belastung, nicht zuletzt für Partnerschaft und Sexualität. Mögliche Ursachen für die Beschwerden gibt es viele. Erwachsene Bettnässer sollten sich daher auf jeden Fall von einem Urologen untersuchen lassen.

Viele Kinder machen nachts ins Bett. Das gilt bis zu einem gewissen Grad als unbedenklich. Meist erledigt sich das Einnässen, bis die Mädchen und Jungen zur Schule kommen. Bei manchen Menschen jedoch besteht das Problem bis ins Erwachsenenalter. Bislang gingen Mediziner davon aus, dass etwa 1% der Erwachsenen nachts einnässen. Neue Studien zeigen jedoch, dass die Zahl der erwachsenen Bettnässer deutlich höher liegt. "Zwischen 1,5 und 5% der Männer und Frauen über 18 Jahren verlieren nachts Urin", berichtet Professorin Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenzzentrums Südwest am Klinikum Villingen-Schwenningen.

Erwachsene Bettnässer: Viele Ursachen denkbar

Normalerweise wachen wir nachts auf, wenn die Blase voll ist. Dieser Mechanismus bildet sich im Laufe der kindlichen Entwicklung aus. Warum es manche Erwachsene nachts nicht rechtszeitig aus dem Bett schaffen, kann diverse Ursachen haben. "Wie bei kindlichen Bettnässern ist eine verzögerte Reifung ein möglicher Grund", erklärt Urologin Schultz-Lampel.

Dafür kann beispielsweise eine genetische Veranlagung verantwortlich sein. Bei Erwachsenen stehen die Chancen meist schlecht, dass sich die Störung noch von selbst erledigt. Oft jedoch helfen Medikamente, die die Urinproduktion dämpfen oder die Blasenkapazität steigern.

Eine weitere Erklärung für Bettnässen bei Erwachsenen: Es wird nachts zu viel Urin ausgeschüttet, etwa wenn zu wenig des antidiuretischen Hormons (ADH) vorhanden ist. Dieses Hormon drosselt normalerweise im Schlaf die Harnproduktion. Die Therapie zielt in so einem Fall darauf ab, den Hormonmangel auszugleichen. Dazu hat sich der Wirkstoff Desmopressin bewährt, der dem natürlichen ADH nachgebildet ist, und wie das körpereigene Vorbild nachts die produzierte Urinmenge reduziert.Bei anderen Menschen ist die Blase überaktiv. Den Patienten sei das oft gar nicht bewusst, weiß Fachfrau Schultz-Lampel. Denn tagsüber wacht der Verstand der Patienten über den Toilettengang, erst im Schlaf versagt er. Außerdem könne es sein, dass die Blasenkapazität nicht ausreichend entwickelt ist, es daher zum Bettnässen komme.

Manchmal ist die Erklärung allerdings viel einfacher: Der Patient hat sich einen kindlich festen Schlaf bewahrt und erwacht nicht rechtzeitig vom Harndrang. Alarmsysteme können eventuell Abhilfe leisten. Zwar gebe es keine Studie über die Wirkung von Klingelmatratzen bei Erwachsenen, aber einen Versuch sei es wert, meint Urologin Schultz-Lampel. Ansonsten helfe es vielleicht, einen Wecker zu stellen, um die Blase rechtzeitig entleeren zu können.

Nicht auszuschließen ist auch, dass psychosomatische Faktoren eine Rolle spielen. Gerade, wenn sonst nichts zu finden sei, lohne sich ein Blick auf Lebensumstände und seelisches Befinden des Patienten, plädieren Fachärzte Horst Neubauer und Maria E. Neubauer aufgrund ihrer Praxiserfahrungen. Sie berichten beispielsweise von einer 19-Jährigen, die sich durch Einnässen - tags und nachts - und das Tragen von Windeln vor sexuellen Übergriffen ihres Vaters zu schützen versuchte.

Bettnässen vom Urologen abklären lassen

Grundsätzlich sollte ein erwachsener Bettnässer von einem Urologen die Gründe abklären lassen. Dabei wird der Arzt auch nach möglichen organischen Störungen, wie einer verengten Harnröhre schauen und prüfen, ob vielleicht in Wirklichkeit eine Dranginkontinenz vorliegt. "Häufig bewegen sich die Gründe auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig", sagt Professorin Schultz-Lampel. "Leider lässt sich daher oft keine exakte Ursache feststellen." Einem Patienten helfe in so einem Fall nur Verschiedenes auszuprobieren.

Sieben sanfte Hilfen für eine starke Blase
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    Bärentraubenblätter

    Die ledrigen Blätter der Heilpflanze Bärentraube enthalten einen hochwirksamen Stoff: Arbutin. Diese natürliche Substanz bekämpft Bakterien und wird deshalb häufig als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet. Als Tee, aber auch in Form von Tabletten und Dragees mit dem hochdosierten Arbutin, sind Bärentraubenblätter eine effektive Hilfe bei Entzündungen der Blase. Besonders gut wirken Bärentraubenblätter, wenn Sie wenig Süßes und Eiweiß gegessen haben. Denn die Wirkung der Heilpflanze entfaltet sich am besten in alkalischem Urin. Süßes und Eiweiß machen den Urin jedoch sauer und Zubereitungen aus der Bärentraube wirken dann nicht so effektiv.

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    Goldrute

    Bei Reizblase, Blasenentzündung und zur Durchspülung der Darmwege hat sich Goldrute seit Jahrhunderten bewährt. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass die Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine und ätherischen Öle der Goldrute – vor allem des Krauts – hochpotente Substanzen sind. Sie lösen Krämpfe, bremsen Entzündungen, lindern Schmerzen, regen die Urinbildung an und aktivieren die Abwehrkräfte an. Goldrute gibt es als Tee, aber auch in konzentrierter Form als Tabletten.

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    Schachtelhalm

    Die Heilpflanze Schachtelhalm ist auch unter der Bezeichnung Zinnkraut bekannt. Die Sprossen seiner Grashalme enthalten Flavonoide, die auf sanfte Weise die Urinbildung anregen. Die Harnwege werden dadurch gut durchspült, Bakterien werden rasch aus dem Körper befördert und haben kaum eine Chance, sich in der Blase anzusiedeln und zu vermehren.

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    Birkenblätter

    Vor allem die Blätter der Moor- und der Hängebirke enthalten Biosubstanzen, die die Nierenaktivität anregen. Die gesteigerte Urinproduktion führt dazu, dass die Harnwege und die Blase gut durchspült werden und Bakterien sich nicht mehr vermehren können. Birkenblätter gibt es als Teezubereitung und kombiniert mit anderen blasenwirksamen Pflanzenstoffen – etwa Goldrute und Schachtelhalm – als Medikament.

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    Kapuzinerkresse

    Sowohl die Blätter als auch die Blüten der Kapuzinerkresse enthalten Senfölglykoside und Vitamin C. Die Glykoside wirken wie ein natürliches Antibiotikum, bekämpfen Bakterien in den ableitenden Harnwegen. Die Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse wirken jedoch nicht nur in Niere, Blase und Harnwegen, sondern auch in den Bronchien – sind also ebenfalls sinnvoll bei Erkältungen und Husten. Kapuzinerkresse-Zubereitungen gibt es meist in Kombination mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen.

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    Cranberries

    Die amerikanische Moosbeere (Cranberry) enthält eine große Menge von Antioxidanzien, darunter vor allem Proanthocyanidine. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zellschützende Eigenschaften haben. Studien haben gezeigt, dass Cranberrysaft die Blasenschleimhaut gegen Bakterien stark machten kann. Allerdings muss der Saft dazu über einen längeren Zeitraum getrunken werden. Ebenso wirksam könnte jedoch Preisel- oder Heidelbeersaft sein.

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    Kürbis

    Nicht nur das Kürbisfleisch ist gesund. Es liefert jede Menge Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Kalium sowie die Vitamine A, C und E. Die Kerne vom Kürbis enthalten ein hochpotentes Öl mit dem Hauptwirkstoff Phytosterol. Er lindert Prostatabeschwerden, kann das Prostatawachstum sogar bremsen und stärkt die Blase. Sie können geröstete Kürbiskerne knabbern, aber auch Dragees, Tabletten oder Granulat mit hochdosierten Kürbiskernextrakt einnehmen.

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Autor: mj / Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 05. September 2008
Quellen: Professorin Dr. Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenzzentrums Südwest am Klinikum Villingen-Schwenningen sowie Horst Neubauer und die Maria E. Neubauer, Wenn die Blase weint ..., Der Urologe (3/2004)

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