
Blasenschwäche bei Männern
Wenn die Prostata auf die Blase drückt
Werner Kleineheinrich* war Ende 50, als er begann, unfreiwillig Urin zu verlieren. Für ihn kam das ganz plötzlich. In Wirklichkeit jedoch trat die Inkontinenz nicht von heute auf morgen auf, sondern hatte eine Vorgeschichte.
Irgendwann drängte es Kleineheinrich häufiger als gewohnt auf die Toilette ohne, dass er Wasser lassen konnte. Erst mit Verzögerung kam Harn. Das Urinieren dauerte länger, auch, weil es gegen Ende nur noch tröpfelte. Wäre Kleineheinrich zu diesem Zeitpunkt zu einem Urologen gegangen, hätte der ihm sagen können, dass seine Beschwerden von einer Vergrößerung seiner Vorsteherdrüse rühren. Diese so genannte Prostata liegt unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. Eine vergrößerte Vorsteherdrüse ist bei Männern über 50 keine Seltenheit. Die Gründe dafür sind noch nicht eindeutig geklärt. Mediziner vermuten, dass das Wachsen der Prostata mit der nachlassenden Produktion des männlichen Sexualhormons Androgen zusammenhängt.
Verengte Harnröhre bringt Blase zum Überlaufen
Der Name sagt es schon: Eine gutartige Prostatavergrößerung - medizinisch benigne Prostatahyperplasie oder BPH genannt - ist ungefährlich. Damit es aber nicht zu Harninkontinenz kommt, sollten Männer die ersten Anzeichen einer BPH ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Werner Kleineheinrich tat das nicht. Seine Prostata wuchs unbemerkt weiter, bis sie die Harnröhre so weit verengte, dass die Funktion der Blase beeinträchtigt wurde. Sie konnte sich nicht mehr richtig entleeren, der verbleibende Restharn begünstigte Entzündungen und Blasensteine. Beides blieb Kleineheinrich erspart. Doch bei ihm wie bei anderen betroffenen Männern wurde der Blasenmuskel auf Dauer so überdehnt, dass kein normales Wasserlassen mehr möglich war. Jeder Tropfen Urin, der neu in die Blase gelangt, lässt sie seither überlaufen. Die Folge ist, dass es zu einem ständigen Tröpfeln aus der Blase - der Überlaufinkontinenz - kommt. Der Harn staut sich bis zu den Nieren zurück, was das Nierengewebe zerstören kann.
Inkontinenz hat oft mehrere Ursachen
Als Werner Kleineheinrich schließlich zu einem Urologen ging, diagnostizierte dieser eine Überlaufinkontinenz infolge einer vergrößerten Vorsteherdrüse. Andere Gründe konnte der Arzt nach einer sorgfältigen Untersuchung ausschließen. Häufig wird eine Blasenschwäche beim Mann nämlich zu unrecht ausschließlich einer Prostatavergrößerung zugeschrieben. Oft verursachten zusätzliche Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Morbus Parkinson oder ein Schlaganfall die Inkontinenz mit, berichtet Dr. Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenz-Zentrums Südwest am Klinikum Villingen-Schwenningen.
Medikamente können Wachsen der Prostata stoppen
Grundsätzlich gilt: Wer Anzeichen einer Prostatavergrößerung bemerkt, sollte so früh wie möglich einen Urologen aufsuchen. Er kann durch Austasten des Enddarms mit dem Finger feststellen, ob die Vorsteherdrüse vergrößert ist. Muss eine BPH behandelt werden, geschieht dies je nach Schwere unterschiedlich. Zunächst setzt der Arzt Medikamente ein, die bewirken, dass die Muskulatur der Prostata erschlafft und ihr Wachstums gehemmt wird. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Operation meistens unumgänglich. Mit einer elektrischen Schlinge kann ein Großteil der Prostata entfernt werden. Bei besonders großen Drüsen oder gleichzeitig vorliegenden Blasensteinen operieren Chirurgen auch vom Bauchraum aus. Werner Kleineheinrich hat Glück. Die verordneten Medikamente haben bei ihm gut angeschlagen, eine Operation ist nicht nötig.
* Name geändert












