Schwangerschaft
Schwangerschaft - erhöhtes Risiko für Inkontinenz
Viele Frauen leiden nach einer natürlichen Geburt an Blasenschwäche. Aber nicht nur der mechanische Stress während der Entbindung, auch die Schwangerschaft selbst können zu einer Inkontinenz führen. Wird der Beckenboden schon während der Schwangerschaft trainiert, ist das Risiko aber deutlich geringer.
Zwar kann eine natürliche Geburt Muskeln und Nerven mechanisch schädigen und Blasenschwäche fördern. Ein genauso wichtiger Einflussfaktor scheint aber schon die Schwangerschaft zu sein. Dies ist das Ergebnis einer Studie aus Norwegen.
15.000 Frauen wurden zur Blasenschwäche befragt
Die Wissenschaftler haben 15.307 Frauen unter 65 Jahren befragt. 11.299 von ihnen hatten vaginal entbunden, 669 durch Kaiserschnitt und 3.339 waren kinderlos. In verschiedenen Fragebögen sollten die Frauen Fragen zur Häufigkeit, der auslösenden Situation sowie der ungefähren Menge beantworten. Außerdem sollten die Frauen angeben, wie sehr sie sich durch die Inkontinenz beeinträchtigt fühlten. Die Auswertung der Fragebögen ergab Folgendes: Die so genannte Belastungsinkontinenz, also der ungewollte Urinabgang bei körperlicher Belastung, trat gehäuft bei den Frauen mit vaginaler Geburt auf (12%). Von den Frauen, die durch Kaiserschnitt entbunden hatten, waren 7% davon betroffen.
Schon die Schwangerschaft erhöht das Risiko für Blasenschwäche
Aber nicht nur der mechanische Stress durch eine natürliche Geburt kann zur Blasenschwäche führen; auch die Schwangerschaft an sich trägt dazu bei. Der Hormonspiegel und die Lage der Organe wie Blase und Gebärmutter verändern sich in dieser Zeit. So werden zum Beispiel die Bänder, die Blase und die Harnröhre elastischer und dehnbarer. Zusätzlich steigt mit fortschreitender Schwangerschaft der Druck auf die Blase.
Beckenbodentraining rechtzeitig beginnen
Ob man einer Inkontinenz schon während der Schwangerschaft vorbeugen kann, haben norwegische Ärzte untersucht. Rund 300 Schwangere wurden untersucht. Knapp die Hälfte absolvierte ein Trainingsprogramm für die Beckenbodenmuskulatur in der 20. bis 36. Schwangerschaftswoche. Sie besuchten zwölfmal eine 60-minütige Sitzung mit einem Physiotherapeuten; außerdem sollten sie täglich zuhause üben. In der 36. Schwangerschaftswoche wurden die Frauen befragt: Nur ein Drittel der Frauen, die am Trainingsprogramm teilgenommen hatten, klagten über Blasenschwäche. Aber knapp die Hälfte der Frauen, die keine Beckenbodenübungen gemacht hatten, berichteten von Inkontinenz. Um einer Harninkontinenz vorzubeugen, sollten schwangere Frauen deshalb rechtzeitig mit dem Trainingsprogramm beginnen.
New England Journal of Medicine, März 2003
Obstetrics and Gynecology, Februar 2003











