Blasenschwäche
Scheidenpilz kann in die Blase wandern
Gelegentlich leidet eine Frau unter Blasenschwäche, ohne dass sich ein klarer Grund findet: Sie war nie schwanger, hat kein Übergewicht, noch gibt es anatomische oder neurologische Auffälligkeiten. Eine bakterielle Blasenentzündung scheidet aus, da Antibiotika nicht wirken. Es könnte allerdings sein, dass ein Scheidenpilz hinter der Blasenschwäche steckt.
Die Harnröhre der Frau ist kurz
Oft breiten sich Pilzinfektionen von der Scheide Richtung Harnblase aus, sagt Prof. Wolfgang Dorschner, LIFELINE-Experte und Direktor der Klinik für Urologie der Universität Leipzig. Die Pilze, bei denen sich es meistens um Candida albicans handelt, können leicht in die Blase hinauf wandern, da Harnröhren- und Scheidenöffnung dicht beieinander liegen. Hinzu kommt: Die Harnröhre der Frau ist - anders als die des Mannes - recht kurz und der Weg für die Erreger somit nicht weit.
Dranginkontinenz?
Die Pilze können die Harnblasenwand reizen und dazu führen, dass sich die Blase unwillkürlich zusammenzieht. Die Folge: Die Frau muss ständig die Toilette aufsuchen, möglicherweise geht gelegentlich sogar unkontrolliert Urin ab. Experten nennen diese Form der Inkontinenz, deren Ursache direkt mit der Blase zusammenhängt, auch Dranginkontinenz.
Starker, etwas klumpiger Ausfluss spricht für eine Pilzinfektion
Ob sich ein Scheidenpilz hinter einer Blasenschwäche verbirgt, lässt sich relativ leicht feststellen. Wenn die Frau über Brennen und Jucken im Intimbereich sowie über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr klagt, spricht dies für Pilzinfektion. Auch starker, etwas klumpiger, Buttermilch-ähnlicher Ausfluss ist ein deutlicher Hinweis. Endgültige Gewissheit können eine Urinkultur und ein Scheidenabstrich liefern.
Ist eine Blasenschwäche durch eine Candida-Infektion verursacht, muss vor allem der Vaginalpilz behandelt werden. Da der Pilz sich nicht nur in der Scheide befindet, reicht eine lokale Therapie mit Zäpfchen und Salben nicht aus, sagt Prof. Heinz Kölbl, LIFELINE-Experte und Direktor der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Patientin braucht eine systemische Therapie, das heißt: ein Anti-Mykotikum in Tablettenform, damit auch die Pilze in der Blase beseitigt werden. Wichtig ist außerdem, viel Mineralwasser oder Früchtetee zu trinken, um die Pilze aus der Blase zu spülen.











