Wechseljahre und Harninkontinenz
Wechseljahre begünstigen Blasenschwäche
"Menopause" klingt so positiv. Tatsächlich erleben viele Frauen die Wechseljahre jedoch als Belastung - besonders wenn sie plötzlich Wasser verlieren. Umstellungen im Hormonhaushalt fordern auch hier ihren Tribut. Dennoch: Inkontinenz ist keine zwangsläufige Erscheinung des Klimakteriums. Eine Therapie mit Östrogenen und Beckenbodentraining können die Lebensqualität erhalten.
"Bei zwei Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist die Kontinenz beeinträchtigt", weiß Professorin Daniela Schultz-Lampel. Ein Viertel der 45- bis 65-jährigen leide an Blasenschwäche. Bei den 80- bis 90-jährigen seien 60% inkontinent. Dahinter können viele Ursachen stecken. Oft sind allerdings Änderungen im weiblichen Hormonhaushalt schuld: In den Wechseljahren produziert der weibliche Körper nämlich weniger Östrogen. Das liegt daran, dass die Eierstöcke langsam ihre Funktion einstellen. Die Zahl der Eibläschen nimmt drastisch ab. Sie reifen oft nicht mehr vollständig heran und es kommt immer seltener zum Eisprung. Aus diesem Grund nimmt die Bildung von Östrogen ständig ab.
Das kann auch schon Jüngere treffen. Schultz-Lampel: "Inkontinenz wird vielfach zum Problem, wenn Frauen z.B. durch eine Krebstherapie vorzeitig in die Wechseljahre kommen."
Östrogendefizit macht Frauen anfällig für Blasenschwäche
Der sinkende Östrogenspiegel wirkt sich unterschiedlich aus: "Durch den Östrogenmangel reagiert der weibliche Körper stärker auf die reizenden Stoffe im Urin", erklärt Schultz-Lampel. Der Harndrang nehme daher zu. Zudem lassen die fehlenden Östrogene den pH-Wert der Scheide steigen. Der natürliche saure Schutzwall der Vagina, Blase und Harnröhre wird dadurch gestört - Viren und Bakterien können leichter eindringen.
Eine schlechtere Durchblutung der Schleimhäute im Genitalbereich, ebenfalls durch fehlende Östrogene verursacht, erleichtert Krankheitserregern ihr Werk. Hinzu kommt, dass das Östrogendefizit in und nach der Menopause das Gewebe erschlaffen lässt. Das kann die Kraft der Schließmuskeln mindern. So wird das Eindingen und Aufsteigen von Keimen ebenfalls begünstigt. Blasenentzündungen sind häufig die Folge. Dafür sind Frauen sowieso anfälliger als Männer, da ihre Harnröhre kürzer ist.
Hilfe durch lokale Therapie mit Östrogenen
Zur Behandlung von Inkontinenz infolge von Östrogenmangel empfiehlt Schultz-Lampel eine lokale Gabe des Hormons. Die Frau führt dazu entsprechende Salben, Zäpfchen oder Tabletten in die Scheide ein. Die Mittel durchbluten die Blase besser, halten das Gewebe elastisch und sorgen für ein schützendes Scheidenmilieu. So lassen sich Reiz- und Dranginkontinenz bessern.
Das bestätigt eine Übersichtsarbeit von Estilla Maurer-Major vom Universitätsspital Zürich, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Coloproctology (5/2001). Diese Form der Hormonersatztherapie wird auch von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe als sinnvoll angesehen. "Da sie nur begrenzt auf den Körper wirkt, gilt ihr Risiko als gering", berichtet die Leiterin des Kontinenzzentrums Südwest am Klinikum Villingen-Schwenningen.
Geschwächter Beckenboden fördert Belastungsinkontinenz
Eine weitere verbreitete Ursache für Blasenschwäche in den Wechseljahren ist ein geschwächter Beckenboden. "Das ist meist eine Spätfolge von Schwangerschaften oder Unterleibsoperationen", sagt Schultz-Lampel. Diese Inkontinenz zeigt sich typischerweise bei Belastungen wie Niesen, schwerem Heben oder Treppensteigen. Eine ererbte Bindegewebsschwäche oder Übergewicht verschärfen sie.
"Häufig trifft sie auch Frauen mit Raucherhusten, Asthmatikerinnen oder chronischer Verstopfung", weiß die Urologin. Um den unfreiwilligen Harnabgang in den Griff zu bekommen, hat sich regelmäßiges Stärken des Beckenbodens durch gezielte Übungen bewährt. Zusätzlich rät die Fachärztin zum Blasentraining. Das heißt: Nicht immer sofort zur Toilette gehen, wenn man Druck verspürt.











