
Medizinische Hilfsmittel
Bei Belastungsinkontinenz helfen Vaginalkonen
Wenn beim Lachen, Niesen oder Sport unkontrolliert Urin abgeht, sprechen Ärzte von Belastungsinkontinenz. Dagegen hilft Beckenbodentraining mit kleinen Gewichten, die die Frau in die Scheide einführt.
Es passiert beim Niesen oder Husten, beim Lachen, beim Sport oder bei anderen Dingen, die den Druck im Bauchraum erhöhen: Plötzlich schießt Urin aus der Blase. Mediziner nennen diese Form von Blasenschwäche „Belastungsinkontinenz“. Früher hieß sie Stressinkontinenz, abgeleitet von dem englischen Wort „stress“, das für Belastung steht. Da der alte Begriff jedoch oft auf eine falsche Fährte führte, ersetzt ihn heute der Ausdruck Belastungsinkontinenz. Diese Art der Blasenschwäche haben vor allem Frauen; 8 von 10 Harninkontinente leiden daran. Oft bekommen schon junge Frauen eine Belastungsinkontinenz, etwa nach der Geburt eines Kindes.
Schwangerschaften und Wechseljahre schwächen den Beckenboden
Bei einer Belastungsinkontinenz ist der Schließmechanismus der Harnröhre beschädigt. Die Ursache dafür ist oft eine Schwächung der Beckenbodenmuskeln, zu der es durch Schwangerschaft und Entbindung oder durch die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre kommen kann. Aber auch Veranlagung und Übergewicht lassen den Beckenboden erschlaffen. Die Folge ist, dass das Muskelgeflecht dem Druck, der von oben auf die Blase wirkt, nicht mehr genug Widerstand entgegensetzen kann. Es kommt zum unkontrollierten Urinabgang.
Ohne Behandlung kann es immer schlimmer werden
Viele Frauen glauben noch immer, sie müssten sich mit einer Blasenschwäche arrangieren. Nur etwa jede vierte Betroffene geht zum Arzt. Dabei kann sich eine Belastungsinkontinenz so verschlimmern, dass die Frauen schließlich schon bei geringem Druck im Bauchraum ungewollt Harn verlieren. Spätestens dann wird der Alltag meistens zu einer Tortour. Aus Angst, unterwegs könnte etwas in die Hose gehen, trauen sich viele Betroffene kaum aus ihrer Wohnung. Aber Scham hält sie gleichzeitig davon ab, sich einer Urologin oder einem Urologen anzuvertrauen. Dabei gibt es wirksame Hilfen.
Vaginalkonen kräftigen den Beckenboden
Einfach, effektiv und schmerzfrei ist ein Krafttraining für den Beckenboden. Dazu gibt es spezielle Übungen, Elektrostimulation und Biofeedback. Zudem kann ein Arzt Vaginalkonen verschreiben. Diese Methode ist weniger bekannt, aber ebenso wirksam wie Beckenbodengymnastik, Elektrostimulation und Biofeedback, hat eine Analyse von 15 Studien mit knapp 1130 Teilnehmerinnen ergeben, von denen rund 470 Vaginalkonen trugen. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um verschiedene kleine Gewichte, die die Frau in die Scheide einführt. Das Training beginnt mit dem leichtesten Konus und steigert sich bis zum schwersten Gewicht, das gehalten werden kann. Um ihren Beckenboden zu kräftigen, führt die Frau den Vaginalkonus einfach beim Stehen und Laufen in sich. Die empfohlene Übungsdauer beträgt zweimal am Tag 15 Minuten. Mehr sollte es nicht sein, weil längeres Tragen den Beckenboden erschöpfen und zu Muskelkater führen kann. Nach dem Training lässt sich das Gewicht einfach am Faden aus der Scheide ziehen und mit Seife und lauwarmem Wasser reinigen.
Inkontinenz bessert sich nach einigen Wochen Training
Nach zwei Wochen sollte die Frau probieren das Konusgewicht zu erhöhen, indem sie den nächst schwereren Konus einsetzt. Allerdings gelangen nicht alle Frauen bis zum schwersten Vaginalkonus. Denn nicht jeder Beckenboden ist gleich kräftig. Eine Belastungsinkontinenz bessert sich aber auch mit leichteren Gewichten. Die meisten Frauen spüren bereits nach zwei bis drei Wochen einen Effekt und verlieren seltener Urin. Um den volle Wirkung zu erreichen, dauert es aber sechs Wochen bis drei Monate. Hat die Blasenschwäche bis dahin nicht nachgelassen, sollte die Frau den Grund von einem Arzt abklären lassen. Wer einmal Probleme mit einer Belastungsinkontinenz hatte, ist gut beraten, seinen Beckenboden alle sechs Monate zu überprüfen und ein neues Training mit den Vaginalkonen zu beginnen, sobald die Muskulatur Schwäche zeigt.












