Wechseljahre

Hormontherapie – keine Hilfe gegen Inkontinenz

In und nach den Wechseljahren können viele Frauen den Urin nicht mehr halten. Anders als früher raten Ärzte heute nicht mehr zu einer Hormontherapie. Denn sie bessert die Beschwerden nicht. Andere Therapien schon.

Hormontherapie kann eine Harninkontinenz verschlimmern

Plötzlich hält die Blase nicht mehr dicht – keine Seltenheit bei Frauen im mittleren Lebensalter. In und nach den Wechseljahren entwickeln viele Frauen eine Harninkontinenz. In der Altergruppe der 45- bis 65-Jährigen sei rund ein Viertel betroffen, bei den 80- bis 90-Jährigen etwa 60 Prozent, berichtet Professorin Dr. Daniela Schultz-Lampel, Direktorin des Kontinenzzentrums Südwest am Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen. Für Harnverlust gibt es viele mögliche Gründe, auch der sich ändernde Hormonhaushalt kann eine Rolle spielen. Deshalb galten künstliche Hormone lange als eine Option, um Inkontinenz zu lindern. Inzwischen sind Mediziner aber ganz anderer Meinung.

Denn einige neue große Studien – wie die Women`s Health Initiative (WHI) und die Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study (HERS) - haben ergeben, dass das Einnehmen künstlicher Hormone eine Harninkontinenz nicht bessert. Im Gegenteil erhöht eine orale Hormontherapie das Risiko für das Auftreten einer Blasenschwäche und kann eine bestehende Inkontinenz verschlimmern. Für Hormonpräparate, die lokal in der Vagina angewandt werden, stellten die Forscher keinen eindeutigen positiven Effekt bei Urinverlust fest. Deshalb besagen die medizinischen Richtlinien zum Einsatz einer Hormontherapie seit September 2009: „Zur Therapie der Harninkontinenz sollte keine orale Hormontherapie empfohlen werden.“ Dazu „stehen andere Medikamente und sonstige Therapieverfahren mit nachgewiesener Wirkung zur Verfügung, die eingesetzt werden sollten.“

Beckenbodentraining hält die Hose trocken

Welche Behandlung bei Harninkontinenz infrage kommt, hängt von der Ursache der Beschwerden ab. Eine detaillierte Untersuchung bei einem Urologen ist daher sehr wichtig. Dabei stellt sich oft heraus, dass ein geschwächter Beckenboden hinter der Blasenschwäche steckt. „Das ist meist eine Spätfolge von Schwangerschaften oder Unterleibsoperationen", sagt Urologin Schultz-Lampel. Eine ererbte Bindegewebsschwäche oder Übergewicht verschärfen die Sache, aber auch die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre lässt den Beckenboden schlaffer werden. Dadurch können die Muskeln des Beckenbodens dem Druck, der von oben auf die Blase wirkt, nicht mehr ausreichend Widerstand entgegensetzen und es geht unkontrolliert Urin ab.

Diese Art von Inkontinenz tritt typischerweise bei Druck im Bauchraum auf wie er z.B. beim Lachen und Husten, beim Sport oder Treppensteigen entsteht. Mediziner sprechen dann von „Belastungsinkontinenz“. Früher hieß diese Blasenschwäche auch „Stressinkontinenz“, abgeleitet von dem englischen Wort „stress“, das für Belastung steht.

Um eine Belastungsinkontinenz zu bessern, raten Ärzte als erstes zum Stärken des Beckenbodens. Das geht mit spezieller Gymnastik, Elektrostimulation, Biofeedback oder Vaginalkonen. Zusätzlich sei es sinnvoll die Blase zu trainieren, indem die Frau nicht immer sofort zur Toilette rennt, sobald sie Druck verspürt, sagt Professorin Schultz-Lampel. Auch Medikamente, die den Schließmechanismus der Blase kräftigen, sind in manchen Fällen eine Option.

Entspannende Medikamente reduzieren den Harndrang

Ebenfalls sehr verbreitet ist Dranginkontinenz, auch Urge-Inkontinenz genannt. Sie äußert sich durch vermehrtes Wasserlassen sowie durch plötzlichen, starken Harndrang, der den Betroffenen oft keine Zeit lässt, um eine Toilette zu erreichen. Ursachen für eine Dranginkontinenz können z.B. Entzündungen, neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose, Tumore oder hormonelle Veränderungen sein.

Bei der Dranginkontinenz entsteht Harndrang, obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Denn der Muskel (Detrusor), der eigentlich entspannt sein muss, damit die Blase sich dehnen kann, spannt zu leicht an. Hier setzen Medikamente gegen Dranginkontinenz an. Sie entspannen den Detrusor, so dass der Druck in der Blase nachlässt und sie wieder mehr Urin speichern kann. Durch zusätzliches Toilettentraining können Betroffene lernen, ihre Blase zu festgelegten Zeiten zu entleeren und dem Harndrang so zuvor zu kommen.


Quelle: Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (Hrsg): S3-Leitline Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause (HT), Nr. 015/062, Stand: 09/2009, einem Gespräch mit Professorin Dr. Daniela Schultz-Lampel, Urologin und Direktorin des Kontinenzzentrums Südwest Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe u.a.: S2-Leitlinie zur Belastungsinkontinenz der Frau, Nr. 015/005, Stand: 04/2008
Autor: Martina Janning
Stand: May 19, 2010


Sie lesen gerade:

Hormontherapie – keine Hilfe gegen Inkontinenz

Seite empfehlen:
A A A

Blasenschwäche bei Kindern

Ärztin und Kind

Expertenrat für Eltern

Ihr Kind nässt ein?
Im Expertenrat können Sie sich von unserer Fachärztin beraten lassen.

zum Expertenrat

Expertenrat Harninkontinenz

arzt_stethoskop_ausruestung

Fachärzte antworten

Im Expertenrat muss Ihnen nichts peinlich sein. Stellen Sie Ihre Fragen, hier geht es um Sie! Ärzte antworten kostenlos

zum Expertenrat

Blasenschwäche bei Kindern

elternforum2

Forum für Eltern

Ihr Kind nässt ein?
Im Elternforum können Sie sich mit anderen Eltern austauschen.

mehr

Beckenboden stärken

frau_verschmitzt

Kostenloses MP3 zum herunterladen

Hören wie es geht: Die Beckenboden-
gymnastik als MP3 jetzt kostenlos
herunterladen.

mehr

Fotostrecke Beckenbodengym

Frau macht Beckenboden-Uebungen

Praktische Anleitung für Zuhause

Sie möchten Ihren Beckenboden stärken?
Wir haben praktische Übungen für Sie.

mehr
Ärzte Zeitung - DIE Tageszeitung für die Praxis

Täglich Neue Forschungsergebnisse zum Thema Harninkontinenz: Vorbeugen, Erkennen, Behandeln.
www.aerztezeitung.de

Infomaterial Blasenschwäche

familie_2

Broschüren zum Thema Inkontinenz

Einfach per E-Mail unser kostenloses Informationsmaterial rund um das Thema Harndrang anfordern.

Zur Bestellung

Selbsttest Harninkontinenz

aeltere_frau_lachend

Machen Sie den Test

Sie haben Blasenprobleme?
Vielleicht leiden Sie unter einer Form von Blasenschwäche.
Machen Sie den Test extra für Frauen.

zum Test

Für Männer

Mann im Unterhemd

Anfälligkeit für Harninkontinenz testen!

Testen Sie Ihr Risiko auf Blasenschwäche
mit dem Selbsttest extra für Männer!

mehr

Selbsthilfe

Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.

Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft ist eine gemeinnützige, medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft mit dem Schwerpunkt der Patientenberatung.
mehr

Zur Selbsthilfe-Übersicht