Therapiemöglichkeiten
Inkontinente Männer gut therapierbar
Auch wenn Männer seltener unter Harninkontinenz leiden als Frauen - häufig wird die Erkrankung bei ihnen unterschätzt. Dabei stehen inzwischen effektive Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dies ist das Fazit eines Vortrages von Prof. Dr. Kurt Miller anlässlich des Deutschen Kongresses der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe 2003 in Berlin.
Mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten können viele inkontinente Männer die Kontrolle über die Blase wiedererlangen oder zumindest deutlich verbessern, so das Fazit eines Vortrags des Spezialisten Prof. Dr. Kurt Miller anlässlich des diesjährigen Deutschen Kongresses der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe in Berlin.
Als Therapieoption steht bei Männern zunächst das Beckenboden- und Schließmuskeltraining zur Verfügung, das in speziellen Reha-Kliniken oder krankengymnastischen Praxen erlernt werden kann. Weiterhin können Ärzte mit Hilfe eines minimalinvasiven Eingriffs den Schließmuskel der Blase mit speziellen Substanzen, wie Kollagen oder Teflon bzw. heute auch Silikon oder Calcium-Apatit, unterpolstern. Auf diese Weise kommt es zu einer besseren Abdichtung des Schließmuskels.
Auch die medikamentöse Therapie mit blasenentspannenden, so genannten anticholinergen Präparaten hat sich seit Jahren als gutes Instrument etabliert. Dabei kommen meist die vier Substanzen Propiverin, Tolterodin, Trospiumchlorid und Oxybutynin zum Einsatz. Allerdings muss der Einsatz dieser die Blasenwand entspannenden Mittel mit Bedacht erfolgen - sonst droht ein vollständiger Harnverhalt. Der Urologe muss daher bevor er diese Präparate verschreibt eine genaue Untersuchung nach der Ursache für die Dranginkontinenz durchführen. Wenn als Ursache beispielweise eine Vergrößerung der Prostata festgestellt wird, so setzt die ursächliche Therapie hier und nicht an der Blase an.
Schließlich steht bei Versagen der anderen Möglichkeiten noch der künstliche Schließmuskel zur Verfügung. Hierbei wird operativ eine mit Flüssigkeit gefüllte Manschette um die Harnröhre gelegt. Der Patient kann durch auffüllen bzw. ablassen der Flüssigkeit die Blase verschließen bzw. öffnen.
Während bei Frauen häufig Geburten sowie eine altersbedingte Schwäche des Blasenschließmuskels die Ursachen sind, steht bei der Entstehung der Harninkontinenz bei Männern die komplette Entfernung der Prostata aufgrund einer Prostatakrebserkrankung im Vordergrund. Nach einem entsprechenden Eingriff kommt es bei drei bis fünf Prozent der Patienten zu einer schweren Form der Harninkontinenz, bei weiteren zehn bis 15 Prozent bleibt eine leichtere Form zurück.
Quelle: Vortrag von Prof. Dr. Kurt Miller, Berlin, 15. Deutscher Kongress der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe, Berlin 2003











