Hemmschwellen überwinden
Harninkontinenz für Männer oft Tabuthema
Während viele Frauen gelernt haben mit ihrer Blasenschwäche umzugehen, tun sich viele Männer schwer ihre Beschwerden zu artikulieren. Dabei leiden gerade Männer unter Inkontinenz mehr, als sie es zugeben wollen.
Die Kegelfreunde von Herbert M. fragen sich schon lange, was mit ihrem Freund los ist: Er findet immer neue Ausreden, warum er nicht mit zum gemeinsamen Sport kommen kann. Herbert selbst will nicht zugeben, dass er sich einfach nicht mehr traut: Fast täglich schafft er es nicht mehr rechtzeitig, die Toilette zu erreichen, wenn ihn der Harndrang überkommt. Das ist ihm peinlich. Harninkontinenz kann einsam machen. Nicht nur der unkontrollierte Harnverlust belastet die Betroffenen. In Folge entstehen oft Begleiterkrankungen, zum Beispiel Hautveränderungen durch die häufige Nässe. Am schlimmsten ist für viele Männer aber die ständige Angst: Angst vor Geruch, Angst, dass jemand die Einlagen in der Unterwäsche entdeckt, Angst, dass die Kollegen oder Angehörigen mit Unverständnis oder Hohn reagieren könnten.
Blasenschwäche ist keine "Frauenkrankheit"
Im Volksmund ist die Blasenschwäche noch immer als "Frauenkrankheit" verschrien. So wird dieses medizinische Problem vor allen von den betroffenen Männern viel zu oft verheimlicht oder als unabänderliches Schicksal hingenommen. Dabei kann in sehr vielen Fällen durch fachgerechte Hilfe eine deutliche Besserung, wenn nicht sogar Heilung erreicht werden.
Harninkontinenz selbst ist im Grunde ungefährlich. Doch ihre Folgen für die Psyche eines Mannes sind oft verheerend. Nicht nur, weil ihr das Stigma der Frauenkrankheit anhaftet. Es ist auch ein Leiden, dass angeblich nur alte Männer bekommen. Und wer gibt schon gerne vor sich und anderen zu, alt zu werden?
Aufklärung kann Ängste abbauen
Gegen Ängste hilft nur Wissen - es wird darum Zeit, mit einigen Mythen rund um die Inkontinenz aufzuräumen! Zum Ersten: Es ist keine "Frauenkrankheit". Im Alter über 65 Jahren verlieren von den Männern, die ansonsten gesund sind und keine chronischen Erkrankungen aufweisen, immerhin zehn bis 15 Prozent unfreiwillig Harn. (Zum Vergleich: Bei Frauen liegt die Häufigkeit bei 20 bis 30 Prozent.)
Weiterhin ist die Harninkontinenz kein Zeichen für Impotenz, wie viele Männer glauben. Auch junge Männer im Alter im die 30 Jahre können unter einer schwachen Blase leiden. Für sie scheint der Gang zum Arzt genauso schwer zu sein wie für Männer im reiferen Alter, wenn nicht sogar noch schwerer: Weil sie fürchten, als impotent zu gelten. Der Gedanke liegt zwar nah, dass wenn "das Eine" nicht im Griff ist, auch "das Andere" irgendwie außer Kontrolle geraten sein muss. Es gibt jedoch keinen medizinischen Zusammenhang zwischen beiden Leiden. Zugegeben teilen sich beide einige Risikofaktoren (u.a. Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum). Das ist aber auch schon alles. Die schwache Blase ist auch keine seltene Erscheinung. Jeder Zehnte im Alter über 65 ist auf Grund einer inkontinenten Blase in ärztlicher Behandlung. Die Dunkelziffer derjenigen, die sich mit ihrem Leiden verstecken, wird auf noch einmal die gleiche Zahl geschätzt.
Lernen, die Peinlichkeit zu überwinden
Hilfe für die Betroffenen gibt es an vielen Stellen. Angefangen beim Hausarzt, über den Urologen bis hin zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Deutschland weit arbeiten. Die Gesellschaft für Inkontinenz (GIH) e.V. in Kassel bietet auf ihrer Internetseite www.gih.de eine Sammlung von Adressen und Ansprechpartner für Betroffene, von der Selbsthilfegruppe bis zur Fachklinik.
Harninkontinenz ist kein peinliches Schicksal. Es ist ein behandelbares Leiden und bestimmt kein Grund, das Leben an sich vorbeigehen zu lassen. (sek)











