Blasenschwäche bei Männern
Männer leiden meist unter Dranginkontinenz
Männer und Frauen leiden oft unter den gleichen Erkrankungen. Doch bei Krankheitsbildern wie der Inkontinenz, scheint es nur so. So belastet der Harnverlust zwar Mann und Frau im gleichen Maß - die Ursachen und Therapiewege sind jedoch verschieden.
Eine schwache Blase - das klingt so unkompliziert. Doch weder in Hinblick auf die Ursache, noch in Bezug auf die Therapie gibt es bei diesem Leiden ein einheitliches Krankheitsbild. Selbst zwischen Mann und Frau existieren gravierende Unterschiede, die bei der Therapiewahl beachtet werden müssen. Frauen leiden häufig unter der so genannten Belastungsinkontinenz: Beim Husten oder Anheben schwerer Gegenstände geht Harn ab. Männer hingegen werden öfter von der Dranginkontinenz geplagt. Darunter versteht man häufigen, schier nicht beherrschbaren Harndrang, der oft zu einem unfreiwilligem Harnabgang führt, ehe die Toilette erreicht wird oder sich der Betroffene von seiner Hose befreien kann. Bis zu 80% aller männlichen Inkontinenz-Patienten leiden unter dieser Form. Die Fachärzte sprechen auch von einer Urge-Inkontinenz oder einer "überaktiven Blase". Natürlich gibt es auch Mischformen aus beidem.
Meist sind Prostatabeschwerden der Anfang des Leidens
Die Ursachen sind vielfältig, angefangen von der bekanntesten, der Inkontinenz der Frau nach einer schweren Geburt. Beim Mann stehen oft Prostataleiden im Vordergrund. Bei Frauen in den Wechseljahren kann Hormonmangel eine Rolle spielen, eine chronische Blaseninfektion ist sowohl bei Männern als auch Frauen in Betracht zu ziehen. Auch andere, seltenere Ursachen wie z.B. in Folge von Nervenverletzungen oder angeborenen, beziehungsweise erworbenen Missbildungen müssen bei der Diagnostik ausgeschlossen werden.
Männern helfen Blasenwand entspannende Mittel
Eine Harninkontinenz kann an drei verschiedenen Stellen entstehen: Entweder ist es die Blase selbst, die Harnröhre oder der Schließmuskel. Mischformen sind häufig. Das Problem der schwachen Blase ist also kein einfaches Phänomen. Vielmehr muss die Therapie auf den jeweiligen Patienten (oder die Patientin) zugeschnitten werden. Gegen die überaktive Blase beim Mann helfen Medikamente, die die Blasenwand entspannen und das Volumen der Blase somit erhöhen (Anticholinergika). Auch Antidepressiva, die ebenfalls auf die Blasenmuskulatur wirken, kommen zum Einsatz. In Fällen, in denen die Prostata eine Rolle bei der Entstehung der Inkontinenz spielt, sind ebenfalls gut wirksame Medikamente auf dem Markt (alpha-1-Rezeptorblocker, 5-alpha-Reduktase-Hemmer). Zudem sollten begleitende Therapien wie die Beckenbodengymnastik oder das so genannte Biofeedback-Verfahren mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Auch ein "Toiletten-Training" schafft Linderung
Besonders die männlichen Patienten können von einem so genannten "Toiletten-Training" profitieren, wobei sie sich einen Zeitplan für die Gänge zum WC erarbeiten und auch dann zum Wasserlassen gehen, wenn sie keinen Drang danach verspüren. Die Intervalle werden anfangs kurz gehalten und dann nach und nach verlängert. Auf diese Weise lernt der Patient, den Drang wieder zu beherrschen. Besonders bei leichten bis mittelschweren Fällen kann die Beckenbodenmuskulatur mit einer Elektrotherapie gekräftigt werden. Ob und für wen sich diese Art der Behandlung eignet, muss wieder der behandelnde Arzt entscheiden.
Schlussendlich bleibt in hartnäckigen Fällen auch die Möglichkeit einer Operation, falls das Leiden durch einen schwachen Schließmuskel bedingt ist. Entweder kann der Schließmuskel durch Unterspritzung aufgepolstert oder durch eine Prothese verstärkt werden. 90% aller Inkontinenz-Fälle sind heute schon heilbar. Die schwache Blase ist also kein Schicksal mehr. (sek)











