
Miktionsstörungen bei Männern
Was beim Austreten alles eintreten kann
Mancher Mann erinnert sich mit Wehmut daran, wie kraftvoll er einst seinen Namen in den Schnee urinieren konnte. Und heute: Erst kommt nichts, dann nicht alles. Es tröpfelt bloß oder es herrscht Land unter.
Ein Mann, der einnässt - das passt nicht ins Bild vom selbstbestimmten Kerl. Doch Millionen Männer verlieren unfreiwillig Urin. Andere müssen ständig Wasser lassen oder verspüren Harndrang und "können" aber nicht. Mediziner nennen solche Schwierigkeiten beim Urinieren Miktionsstörungen. Sie nehmen im Alter zu. Ihre Ursachen sind vielfältig, oft werden sie auch durch mehrere Faktoren ausgelöst.
Probleme rund um die Prostata
Ein Aspekt ragt jedoch heraus: "Bei den meisten Männern rühren Miktionsstörungen von der Prostata her. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine Vergrößerung handeln, schuld kann auch eine andere Veränderung sein, beispielsweise eine Verengung des Blasenhalses", berichtet Dr. Daniela Schultz-Lampel. Hinzu trete oft eine "Drangproblematik", sagt die Urologin und erklärt die Anzeichen: "Ein Mann muss dann sehr oft auf die Toilette, eventuell auch nachts. Häufig verliert er zwanghaft Urin, kann die Blase aber zugleich nicht vollständig entleeren. Beim Wasserlassen verzögert sich der Start und der Harn tröpfelt bloß, das Urinieren dauert länger als früher und die Blase lässt sich nicht komplett entleeren."
Die am weitesten verbreitete Veränderung der Prostata bei Männern ab Mitte 50 ist jedoch, dass sie wächst, bis sie die Harnröhre so weit verengt, dass die Funktion der Blase beeinträchtigt wird. So eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, kurz BPH genannt) ist ungefährlich. Sie bewirkt aber Probleme beim Wasserlassen, kann zu einer Inkontinenz führen und begünstigt Entzündungen der Harnwege sowie Blasensteine.
Krankheiten können auf die Blase schlagen
Bei Männern ab Mitte 50 reicht es nicht, bei Blasenproblemen an eine BPH zu denken. Hinter einer Miktionsstörung können auch andere Krankheiten, z.B. ein Schlaganfall, Morbus Parkinson, Diabetes mellitus oder eine Darmoperation, stecken, die in diesem Alter zunehmen, sagt Fachärztin Schultz-Lampel. Auch Nebenwirkungen von Arzneimitteln spielten vielfach eine Rolle. Bekannte Beispiele sind Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes und Parkinson.
Mit den Lebensjahren steigt auch das Risiko für einen Bandscheibenvorfall. Er kann ebenfalls für eine Miktionsstörung verantwortlich sein. Typische Anzeichen sind, dass der Mann seine Blase nicht komplett entleeren kann und immer etwas Restharn zurückbleibt.
Inkontinent nach Prostata-OP
Eine weitere Ursache für Miktionsstörungen: die Operation eines Prostatakarzinoms. Nach dem Entfernen eines Krebsgeschwürs an der Vorsteherdrüse ist der Operierte sehr oft inkontinent und verliert bei Druck auf die Blase Urin, etwa beim Lachen, Husten oder Tragen schwerer Lasten. Jedoch bleibt so eine Belastungsinkontinenz nur selten auf Dauer bestehen. Ein Kontinenztraining kann den Urinabgang meistens stoppen.
Bei Prostatakrebs spielt das Alter ebenfalls eine Rolle. Über 80% aller Männer, bei denen Ärzte ein Prostatakarzinom diagnostizieren, sind älter als 60 Jahre. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, steigt zwischen dem 50. und 85. Lebensjahr bis auf das 40-fache an, berichtet die Deutsche Krebsgesellschaft.
Heutzutage wird deutlich mehr Männern die Prostata entfernt (Prostatektomie). Die Zahl habe sich in den vergangenen 20 Jahren etwa verzehnfacht, schätzt Schultz-Lampel. Das sei eine Folge der Früherkennung und verbesserter Operationsmethoden, urteilt die Urologin. In einem frühen Stadium lasse sich Prostatakrebs durch eine radikale Prostatektomie gut behandeln.
Ursache lässt sich nicht immer finden
Wenn jüngere Männer Probleme beim Wasserlassen haben, sei oft ihr Blasenausgang verengt, beobachtet Schultz-Lampel, die das Kontinenz-Zentrum Südwest am Klinikum Villingen-Schwenningen leitet. Entzündungen der Prostata und des Harntraktes können bei ihnen aber ebenso Miktionsstörungen auslösen wie eine Drangblase. In anderen Fällen führen Unfälle, Querschnittlähmungen oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose zu Inkontinenz und anderen Blasenbeschwerden. "Zudem existiert eine große Gruppe psychogener Miktionsstörungen, bei denen Ärzte keine Ursache finden und nur die Folgen behandeln können." Weiter gibt es Männer, die als Kinder ins Bett genässt haben und das noch oder erneut als Erwachsene tun. "Solche adulten Enuretiker kommen unter Männern mehr vor als unter Frauen", sagt Schultz-Lampel.
Genaue Diagnose erhöht Therapiechancen
Unabhängig vom Alter eines Mannes gilt: Gegen Miktionsstörungen gibt es viele Optionen der Behandlung - angefangen bei Medikamenten über Urotherapie und Kontinenztraining bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Welche Therapie geeignet ist, hängt in jedem Einzelfall von der Ursache der Miktionsstörung ab. Eine möglichst genaue Diagnose ist daher immens wichtig.












