Der richtige Zeitpunkt
Bettnässen vor der Einschulung therapieren
Bettnässen ist meistens kein psychisches Problem, doch es kann leicht zu einem werden: Schwedische Studien belegen, dass Kinder, die im Schlaf Wasser lassen, ein deutlich schlechter ausgebildetes Selbstwertgefühl haben, sagt Klaus-Arndt Hueter vom Deutschen Grünen Kreuz (DGK).
Experten plädieren darum dafür, Bettnässen ab dem sechsten Lebensjahr zu therapieren. Häufig findet das Bettnässen (Enuresis) zwar von selbst ein Ende. Doch tut es dem Kind selten gut, lange auf Heilung zu warten: Zu groß ist die Gefahr, dass es inzwischen von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt wird und sich von seinen Freunden abkapselt und. Durch eine medikamentöse Behandlung - oder auch eine Verhaltenstherapie - lässt sich dies vermeiden. Hueter empfiehlt Eltern darum noch vor der Einschulung, mit dem Kind zum Arzt zu gehen - am besten zu einem Spezialisten für Harnorgane (Urologe).
Sehr wirkungsvoll: Desmopressin
Der Arzt wird zunächst untersuchen, ob sich hinter der Enuresis nicht doch eine Erkrankung verbirgt wie eine neurologische Störung, eine Fehlbildung der Blase oder ein Harnwegsinfekt. Kann er dies ausschließen, verschreibt er häufig das recht nebenwirkungsarme Desmopressin. Dieses Medikament ist dem körpereigenen Antidiuretischen Hormon (ADH) nachempfunden und verringert die Harnbildung in der Nacht.
Meistens verschreibt der Arzt Desmopressin, ohne zuvor den ADH-Spiegel zu kontrollieren: Dafür müsste er über mehrere Nächte Blut abnehmen, was für ihn zu aufwändig und für das Kind zu zermürbend wäre. Trotzdem: In sehr vielen Fällen wirkt das Medikament recht schnell, meint Hueter. Denn bei einem sehr großen Teil der Kinder ist die Enuresis tatsächlich auf einen Mangel an ADH zurückzuführen.
Propiverin: Bei nervösem Blasenschließmuskel geeignet
Sollte das Bettnässen mit einer zu kleinen Blase zusammenhängen, empfiehlt sich auch Propiverin. Dieses Medikament verschreiben Ärzte Kindern meistens auch bei einem nervösen Blasenschließmuskel (Detrusorhyperaktivität). Ein Medikament mit gleicher Wirkung wie Propiverin ist Oxybutynin, doch kommt es bei ihm doppelt so häufig zu Nebenwirkungen, berichtet unter anderem Dr. Gerd Mürtz aus Dresden auf dem 14. Deutschen Kongress der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe (Referateband Mainz 2002).
Vorsicht vor Antidepressiva
Einige Ärzte behandeln Bettnässen noch immer mit Antidepressiva, berichtet Hueter. Diese Psychopharmaka setzen die Weckschwelle herab, so dass die jungen Patienten bei voller Blase leichter aufwachen. Wegen der vielen Nebenwirkungen - wie beschleunigter Herzschlag, Blutdruckabfall, Mundtrockenheit, Sehstörungen, vermehrtem Schwitzen und Zittern - sollten Eltern eine Therapie mit diesen Medikamenten aber ablehnen.











