Wenn Kinder einmachen
Einnässen: Harmlos oder eine Krankheit?
Eltern reden ungern darüber, wenn ihr Kind einnässt. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass psychische Probleme oder Erziehungsfehler dafür verantwortlich seien. Die Scham der Eltern erhöht den Leidensdruck des Kindes - völlig unnötig. Stattdessen sollten die wahren Gründe geklärt werden: Handelt es sich nur um verspätetes Trockenwerden oder kindliche Harninkontinenz?
Um es gleich zu sagen: Nässt ein fünfjähriges Kind nur nachts ein, handelt es sich in der Regel um eine unbedenkliche Entwicklungsstörung. Macht es sich zudem tagsüber ins Höschen, kann die Ursache eine kindliche Harninkontinenz mit organischem Hintergrund sein.
Arzt muss Ursache des Einnässens am Tag klären
Um den Grund des Nassmachens zu klären, sollten die Eltern ihren Sprössling von einem Kinderarzt oder -urologen untersuchen lassen. Möglicherweise liegt dem Einnässen eine angeborene Fehlbildung der Harnwege oder eine Störung der Blasenmuskelfunktion zugrunde. Muss das Kind zudem tags öfter als zehn Mal zur Toilette kann auch ein nervöser Blasenschließmuskel oder ein Harnwegsinfekt für den unkontrollierten Urinabgang verantwortlich sein. In vielen Fällen kann dem Kind mit Medikamenten geholfen werden. Sind für das Einnässen erlernte Zurückhaltestrategien (Miktionsaufschub) verantwortlich, ist eine Verhaltenstherapie sinnvoll. Bei einer angeeigneten Entleerungsstörung der Blase (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination) empfiehlt der deutsche Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Biofeedback-Methoden als besonders effektiv.
Ein Tipp: Es erleichtert die Diagnose, wenn Eltern schon vor dem Arztbesuch ein so genanntes Miktionsprotokoll zu führen. Darin sollten sie über mindestens einen Tag und eine Nacht festhalten, wann und wie oft das Kind auf die Toilette muss, wie groß die Harnmenge ist und was das Kind getrunken hat.
Nächtliches Einnässen ist häufig harmlos
Sehr viel mehr Kinder nässen in der Nacht als am Tag ein: Rund 25% der Vierjährigen und noch 10% der Siebenjährigen machen ins Bett. Zum Vergleich: Nur 2-3% der Siebenjährigen machen sich tags nass. Die Ursache für Bettnässen ist meist eine verzögerte Entwicklung der Blasenkontrolle aufgrund genetischer oder hormoneller Faktoren. Dies gilt heute nicht mehr als Grund zur Sorge. Schließlich lernen Kinder auch nicht alle im gleichen Alter Laufen oder Sprechen. Anders liegt der Fall allerdings, wenn ein Kind nach längerer Zeit der Trockenheit wieder ins Bett macht. Bei dieser so genannten sekundären Enuresis nocturna spielen häufig psychische Faktoren eine Rolle. Trennung der Eltern, ein Umzug oder ein neues Geschwisterkind können das erneute Bettnässen auslösen. 80-90% aller Fälle von Bettnässen entsprechen aber dem Typ der primären Enuresis. Davon sprechen Mediziner, wenn ein Mensch seit seiner Geburt noch nicht "trocken" gewesen ist.
Bettnässen lässt sich meist mit einfachen Mittel therapieren
Um Bettnässen zu therapieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zunächst einmal sollten Eltern auf regelmäßiges Trinken und Zur-Toilette-Gehen achten. Belohnungen können das Kind anspornen, trocken zu werden. Ärzte raten außerdem einen Kalender zu führen, in dem sich das Kind durch Symbole oder Ausmalen seine Erfolge veranschaulichen kann. Klingelhosen oder -matten gegen Bettnässen werden kontrovers diskutiert: Sobald Urin austritt, löst ein Sensor einen Alarm aus, sodass das Kind geweckt wird und auf die Toilette gehen kann. Viele Kinder schlafen allerdings so fest, dass sich die Eltern vom Klingeln wecken lassen müssen, um danach das Kind wach zu rütteln. Ziel der Übung: Der Bettnässer soll lernen, durch den Harndrang zu erwachen. Ist das Kind zwei Wochen lang trocken, sollte auf die Klingelhilfe verzichtet werden. Insgesamt soll die Apparatur nicht länger als vier Monate benutzt werden, urteilen Experten wie Professor Alexander von Gontard von der Klinik für Psychiatrie in Köln. Bringen die beschriebenen Methoden zu wenig, kann ein Arzt auch ein hormonähnliches Medikament verschreiben, dessen Wirkstoff auf den Wasserhaushalt wirkt und die nächtliche Harnproduktion reduziert.











