
Medikamente gegen Einnässen bei Kindern
Über Kindliche Dranginkontinenz, Medikamente und andere Therapien
Um Bettnässen oder kindliche Dranginkontinenz zu behandeln, können Medikamente sinnvoll sein und andere Therapien unterstützen. Hat ein Kind sich jedoch fehlerhaftes Wasserlassen angewöhnt, hilft nur Training des Schließmuskels.
Desmopressin hilft auch kurzfristig gegen Bettnässen
Spezielle Medikamente für Kinder können helfen, Einnässen in den Griff zu bekommen. Wenn Trink- und Toilettentraining oder Wecksysteme gegen Bettnässen nicht ausreichend Wirkung zeigen, greifen Kinderärzte und -urologen häufig zu dem Wirkstoff Desmopressin. Er ähnelt dem körpereigenen Antidiuretischen Hormon (ADH) und drosselt die Urinproduktion in der Nacht. Desmopressin ist arm an Nebenwirkungen, selten treten leichte Kopfschmerzen und Übelkeit auf. Zu gleich ist Desmopressin sehr sicher: Ein Viertel der betroffenen Kinder wird während einer 2-wöchigen Periode vollkommen trocken. "Man muss allerdings auf die exakte Dosierung achten und die Kinder dürfen abends nicht übermäßig viel trinken", sagt Professor Daniela Schultz-Lampel.
Desmopressin gibt es als Nasenspray oder Tabletten, eine Therapie dauert durchschnittlich zehn Wochen. Danach wird das Mittel reduziert und schließlich ganz weggelassen. Schultz-Lampel: "Der Körper hat dann umgelernt und produziert selbsttätig abends und nachts mehr ADH als vorher, so dass die nassen Nächte der Vergangenheit angehören. Manchmal sind allerdings mehrere Anläufe notwendig." Desmopressin kann auch kurzfristig eine Hilfe sein, wenn ein Kind vorübergehend trocken sein muss, z.B. weil es auswärts schläft.
Propiverin lindert kindliche Dranginkontinenz besonders verträglich
Ist das Einnässen darauf zurückzuführen, dass die Kapazität der kindlichen Blase zu gering ist, können Blasenspasmolytika helfen. Diese bewirken, dass die Blase nachts mehr speichern kann. Eine wirksame Substanz ist hierbei Propiverin, die auch zur Behandlung von Dranginkontinenz angewandt wird. In Kombination mit Blasentraining kann Propiverin die Symptome einer überaktiven Blase kurieren. Propiverin ist für Kinder besonders gut verträglich, berichtet Schultz-Lampel. Wie lange es dauert, bis eine Behandlung mit Medikamenten bei einem Kind anschlägt, sei sehr unterschiedlich, beobachtet die Urologin: "Bessert sich das Einnässen von der Tendenz her, kann man davon ausgehen, dass es irgendwann aufhört, auch wenn das ein bis zwei Jahre dauern kann."
Biofeedback statt Medikamente
In anderen Fällen helfen Medikamente nicht weiter - etwa wenn Kinder eine so genannte Dysfunktion von Blase und Schließmuskel haben und fehlerhaft Wasser lassen. "Es gibt viele Kinder, die nicht gerne aufs Klosett gehen", berichtet Schultz-Lampel. Wenn sie dann müssen, könnten sie sich nicht richtig locker machen. "Medikamente nutzen dann gar nichts. Dann muss das Kind Biofeedback machen, um zu lernen, den Schließmuskel locker zu lassen, damit es gut Wasser lassen kann."












