
Bettnässen
"Mami, darf ich bei Toni schlafen?"
Irgendwann ist es so weit: Ein Kind will ohne Mama und Papa bei einer Freundin oder einem Freund übernachten. Ein untrügliches Zeichen, dass der Nachwuchs selbstständig wird. Das stimmt nicht alle Eltern fröhlich.
Bettnässer nicht unnötig verunsichern
Womöglich wird es von seiner Freundin oder seinem Freund gehänselt, ist eine typische Befürchtung von Eltern. Aber auch Schamgefühle spielen häufig eine Rolle. "Was denken wohl die anderen Eltern?" Schließlich wird Bettnässen noch immer mit elterlichem Versagen und Problemen in der Familie assoziiert wenn auch zu Unrecht. Meist ist schlicht eine verzögerte Körperentwicklung Schuld. Wegen haltloser Vorurteile oder aus Unsicherheit dem Kind den Spaß verderben? Lieber nicht. Denn wer seinem Jungen oder Mädchen das Auswärtsschlafen ausredet, weil nachts was daneben gehen könnte, verunsichert das Kind nur noch mehr, als es vielleicht ohnehin schon ist. Besser ist es, stattdessen offen mit dem Einnässen umgehen und die Gasteltern über die Situation aufzuklären: "Mein Kind braucht im Moment halt noch Windeln nachts."
Einnässen nicht als Makel behandeln
Bettnässende Kinder sind bei Leibe keine Exoten: Immerhin 10% der Siebenjährigen nässen nachts regelmäßig in die Laken. "Wichtig ist die seelische Unterstützung des Kindes. Eltern sollten ihm erklären, was nicht funktioniert und ihm klarmachen, dass es sich nicht schämen muss und keine Schuld an dem nächtlichen Malheur trägt", erklärt Dr. Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenz-Zentrums Villingen-Schwenningen. "Man kann dem Kind sagen: Das ist halt bei dir noch so. Es wird sich wahrscheinlich in einer gewissen Zeit geben. Deswegen musst du nicht auf Übernachtungen bei Freunden verzichten." So sehe das Kind Bettnässen nicht als Makel, sondern als etwas Natürliches wie Zähnekriegen. "Es gibt Kinder, die haben mit 15 immer noch Milchzähne. Genauso gibt es eben Kinder, die mit 15 ab und zu noch mal einnässen. Das ist eben so", betont die Professorin.
Wenig trinken und Wecker stellen
Neben Windeln können Eltern ihrem Kind eine Gummimatte fürs Bett mitgeben so nimmt die Matratze keinen Schaden. Dies empfiehlt sich allerdings eher als Vorsichtsmaßnahme bei Kindern, die sich wirklich nur gelegentlich nachts nass machen. Das gilt auch für die Klingel als mögliches Hilfsmittel. Dabei löst Feuchtigkeit über einen Fühler ein Signal aus, das das Kind wecken soll. Für eine Übernachtung bei Freunden geht es allerdings auch einfacher, meint Schultz-Lampel: "Das Kind kann sich ein oder zwei Mal in der Nacht einen Wecker stellen und die Blase entleeren, damit sie gar nicht erst übermäßig voll wird." Noch besser: Dem Kind den Tipp geben, ab 18 Uhr nichts mehr trinken, damit es nicht so viel Urin bildet.
Medikamente für trockene Nächte auswärts
Ist die Ursache des Bettnässens, dass das Kind nachts übermäßig Harn produziert, können Medikamente mit dem Wirkstoff Desmopressin sinnvoll sein. Schultz-Lampel: "Man kann es als Bedarfsmedikation geben, damit das Kind an den Tagen trocken ist, an denen es auswärts schläft." Sie beschleunigt aber weder die körperliche Reifung, noch schmälern sie überfordernde Situationen. Der Effekt beruht darauf, dass Desmopressin dem körpereigenen antidiuretischen Hormon (ADH) ähnelt und die Urinproduktion in der Nacht drosselt.












