
Kita & Schule
Eltern, Lehrer, Erzieher - gemeinsam gegen Einnässen
Statistisch gesehen sitzen in jeder ersten Schulklasse drei bis vier Kinder, die nachts einnässen. Einigen von ihnen geht auch tagsüber schon mal Urin ins Höschen. Die meisten Jungen und Mädchen schämen sich deswegen. Doch oft nicht nur sie.
In jeder Grundschule gibt es Kinder, die noch nicht trocken sind
Viele Eltern glauben, ihre Erziehung sei schuld, dass ihr Nachwuchs noch nicht trocken ist. Diese Schuldgefühle behindern Eltern jedoch in einem offenen Umgang mit dem Thema. Dabei sollten sie im Interesse ihrer Kinder über das Einnässen offen reden mit dem Kind, anderen Eltern, Erziehern und Lehrern.
Einnässen kann die Noten drücken
Einnässende Kinder schließen sich oft von Aktivitäten aus. In der Schule kann das zu einer echten Belastung werden. Das Nassmachen drückt auf das Selbstwertgefühl. Viele betroffenen Jungen und Mädchen leiden unter Versagensangst. Fühlen sich Kinder insgesamt unwert und depressiv, hat das natürlich Auswirkungen auf die schulische Leistungsfähigkeit", sagt Christoph Matthaei, Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus Ludmillenstift im Meppen. So urteilten Grundschullehrer in einer Emnid-Umfrage, dass in 45% aller Fälle, Bettnässen die Leistungen in der Schule beeinflussen. Andererseits können auch Konflikte in der Schule, die mit schlechten Leistungen zusammenhängen, Einnässen verstärken. So entstehe ein schulischer Teufelskreis", der das Problem verschlimmert und unterhält, betont Doktor Matthaei.
Um Verständnis für das Kind werben
Eltern helfen ihren Kindern am besten, wenn sie Erzieher und Lehrer ins Vertrauen ziehen und über die Ursachen von Einnässen aufklären. In der Regel ist nämlich eine Verzögerung im Reifeprozess des Kindes verantwortlich. Das ist normal und sollte auch so behandelt werden. Es ist wichtig, dass Erzieher und Lehrer verstehen, dass ein Kind nicht absichtlich einnässt, um jemanden zu ärgern", sagt Urologin Daniela Schultz-Lampel.
Erzieher sollten Kinder beizeiten zur Toilette schicken
Eltern berichten immer wieder, dass Kitas sich weigern, Kinder aufzunehmen, die noch nicht trocken sind. Der Grund ist meistens, dass einnässende Kinder die Erzieherinnen überfordern. Aufgrund der Kapazitäten schaffen sie es nicht, die Kleinen beizeiten auf die Toilette zu bringen oder sie umzuziehen, wenn mal was in die Hose geht. Doch so lange Eltern Einnässen" nicht thematisieren, wird sich an der gängigen Praxis wenig ändern. Es wäre wünschenswert, dass Mütter und Väter die Träger von Kindergärten für das Problem sensibilisieren. Immerhin ist die Kita-Zeit eine wichtige Phase in der sozialen Entwicklung von Kindern. Davon dürfen sie wegen Nassmachen nicht ausgeschlossen werden.
Bei schwacher Blase auch während der Schulstunde aufs WC
Ist ein Kind während der ersten Schuljahre noch nicht trocken, sollten Eltern den Klassenlehrer ins Vertrauen ziehen. Spätestens wenn die Klasse einen Ausflug macht oder auf Klassenfahrt geht, ist dieser Schritt sowieso fällig. Wissen die Lehrer Bescheid, können sie das Kind vor Hänseleien von Mitschülern schützen und helfen, wenn dem Kind ein Malheur passiert. Es gibt immer noch Schulen, wo Kinder den Unterricht nicht verlassen dürfen, obschon sie zur Toilette müssen", beklagt Schultz-Lampel. Sie rät Eltern, den betreffenden Lehrer zu informieren, dass das Kind eine kleine Blase habe und nicht zehn oder zwanzig Minuten warten kann, wenn es Drang verspürt. In der Regel reagierten Lehrer voller Verständnis, sagt die Leiterin des Kontinenz-Zentrums Villingen-Schwenningen. Sie berichtet, dass Mitarbeiter ihrer Einrichtung auch in Schulen gehen, um über Blasenschwäche bei Kindern aufzuklären. Eine gute Idee, sich einen Experten für eine Lehrerfortbildung oder zum Elternabend zu holen












