
Kontinenz-Zentren
Kontinenz-Zentrum Nürnberg
Patienten, die von Arzt zu Arzt und von Klinik zu Klinik geschickt werden, geben schnell auf - oder machen sich erst gar nicht auf den Weg. Dabei ist Harninkontinenz heute gut zu behandeln.
Um Betroffenen eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, hat das Klinikum Nürnberg Nord im Herbst 2005 ein Kontinenz-Zentrum eingerichtet. Hier arbeiten sechs Abteilungen Hand in Hand.
Selbst Insider vergleichen es mit einem riesigen Tanker. Mit 2.500 Betten an zwei Standorten ist das Klinikum Nürnberg eines der größten kommunalen Krankenhäusern Deutschlands. Seine 5.200 Mitarbeiter versorgen jedes Jahr rund 80.000 Menschen. Bei solchen Dimensionen geht schon mal der Überblick verloren, wer für was zuständig ist. Das gilt für Ärzte und Pflegekräfte genauso wie für Patienten. Für Menschen mit Harn- und Stuhlinkontinenz ist die Situation allerdings einfacher geworden. Im Herbst 2005 nahm nämlich das Kontinenz-Zentrum Nürnberg seine Arbeit auf. In der von der Deutschen Gesellschaft für Kontinenz zertifizierten Einrichtung taten sich zunächst Urologie, Frauenheilkunde, Allgemeinchirurgie und Physikalische Medizin zusammen, im Februar 2006 kamen Neurologie und Geriatrie hinzu. "Durch das Zentrum soll die Zusammenarbeit intensiviert und eine optimale Behandlung der Patienten erreicht werden", erklärt Dr. Reimund Walther, leitender Oberarzt der urologischen Klinik. Dienstwege verkürzen sich, die Hemmschwelle für Patienten sinkt. Zwei wichtige Punkte. Denn die Scham Betroffener ist sehr groß. Viele zögern lange, bis sie sich an einen Arzt wenden und beraten lassen. Hin- und Herschicken von Klinik zu Klinik macht es Patienten nicht einfacher, sich ihrem Problem zu stellen. Dabei sollten Betroffene sich schon bei den ersten Anzeichen medizinische Hilfe suchen, rät Prof. Christian Bornhof, Koordinator des Kontinenz-Zentrums. "Denn die Heilungschancen sind dann sehr hoch."
Termin per Telefon-Hotline
Um die Kontaktaufnahme so leicht wie möglich zu machen, hat das Kontinenz-Zentrum eine Telefon-Hotline eingerichtet. Hier können Menschen mit Urin- oder Stuhlproblemen anrufen und einen Termin vereinbaren. "Zu uns ins Kontinenz-Zentrum kommen vor allem Menschen, die schon länger an Inkontinenz leiden, ohne dass sie bisher ausreichend therapiert wurden", berichtet Prof. Cosima Brucker, Chefärztin der Frauenheilkunde. Dabei ist Inkontinenz heute gut zu behandeln. Der Therapie muss allerdings eine präzise Diagnostik vorausgehen, denn die Ursachen der Erkrankung sind sehr unterschiedlich. Dazu verfügt das Kontinenz-Zentrum z.B. über einen urodynamischen Messplatz, mit dem sich Volumen und Druckverhältnisse in der Blase oder das Verhalten des Beckenbodens und der Muskulatur ermitteln lässt. Das Gerät kann exakt dokumentieren, was beim Harnlassen im Inneren des Körpers passiert.
Großes Know-how bei Hilfsmitteln
Die Behandlung von Harninkontinenz variiert nach ihrer Schwere. Leichte Fälle lassen sich z.B. gut mit Beckenbodentraining in den Griff bekommen. Reicht diese konservative Therapie nicht aus, setzt das Kontinenz-Zentrum auf verschiedene operative Verfahren. Dazu zählt das TVT-Band (Tension-free Vaginal Tape), das in die Bauchdecke eingefügt wird. Die Erfolgsquote liege bei 80-85 Prozent der Fälle, berichtet Brucker. Neben Diagnose und Therapie setzt das Nürnberger Kontinenz-Zentrum einen Schwerpunkt auf die Versorgung mit Hilfsmitteln wie Spezialtampons zur Stützung der Scheidenwand oder Spezialwäsche. So lassen sich Ekzeme, Pilzinfektionen und Geruchsbelästigung vermeiden.
Mit Aufklärung gegen das Schweigen
Ein wichtiges Ziel der Einrichtung ist es, die Dunkelziffer bei Inkontinenz zu minimieren. Das will das Kontinenz-Zentrum erreichen, indem es zum einen niedergelassene Ärzte weiterbildet. Zum anderen richten die Mitarbeiter sich aber direkt an die Bevölkerung. Info-Veranstaltungen, wie Tage der offenen Tür, sollen Öffentlichkeit schaffen und Betroffene wie deren Angehörige mit Behandlungsoptionen vertraut machen. Überdies arbeitet das Kontinenz-Zentrum mit der örtlichen Selbsthilfegruppe der Deutschen Gesellschaft für Kontinenz zusammen.
Koordination: Prof. Dr. med. Christian Bornhof
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Christian Bornhof, Chefarzt der Urologischen Klinik, Tel. (0911) 398-2580, E-Mail: kontinenzzentrum@klinikum-nuernberg.de
Prof. Dr. med. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde, Tel. (0911) 398-2222, E-Mail cosima.brucker@klinikum-nuernberg.de
Prof. Dr. med. Christoph-Thomas Germer, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Tel. (0911) 398-2980, E-Mail germer@klinikum-nuernberg.de
Dr. med. Gabriele Lichti, Chefärztin der Klinik und des Instituts für Rehabilitative Medizin und Naturheilkunde, Tel. (0911) 398-5789, E-Mail: lichti@klinikum-nuernberg.de
Prof. Dr. Frank Erbguth, Chefarzt der Klinik für Neurologie, Tel. (0911) 398-2491, E-Mail: erbguth@klinikum-nuernberg.de
Prof. Dr. Cornel Sieber, Chefarzt der Medizinische Klinik 2, Schwerpunkt Geriatrie, Tel. (0911) 398-2435, E-Mail: sieber@klinikum-nuernberg.de
Sprechstunden des Kontinenz-Zentrums: jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 13:30 - 14:30 Uhr. Terminvereinbarung per Telefon-Hotline unter (0911) 398 75 85
Selbsthilfegruppe: Treffen jeden 2. Dienstag im Monat um 16:30 Uhr im VdK-Haus, Rosenaustraße 4 in Nürnberg. Kontakt: Susanne Hindenberg, Peter-Hannweg-Str. 8, 90768 Fürth
Adresse: Klinikum Nürnberg Nord, Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1, 90419 Nürnberg,
Internet:
www.kontinenzzentrum-nuernberg.de (mj)












