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Kontinenz-Zentrum am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin

Vorreiter für eine "Beckenbodenmedizin"

Das Deutsche Beckenbodenzentrum behandelt schwere Fälle von Blasen- und Darmschwäche. Dazu bietet es sogar eine Ernährungsberatung und Sexualtherapie an.

Alle Fachärzte unter einem Dach

Berlins Mitte ist nicht nur ein Ort für Touristen. Einige Schritte vom Hackeschen Markt entfernt liegt das St. Hedwig Krankenhaus. Der imposante rote Backsteinbau beherbergt seit 2004 das Deutsche Beckenbodenzentrum (DBBZ), in dem jedes Jahr rund 7.000 Patienten ambulant und 2.000 Patienten stationär behandelt werden. Darunter befinden sich viele Menschen mit Blasen- und Darmschwäche. Denn ein Bestandteil des DBBZ ist ein Kontinenz-Zentrum, das die Deutsche Kontinenzgesellschaft 2005 zertifiziert hat. Der große Vorteil für all jene, die unter ungewolltem Harn- und Stuhlverlust leiden: In der Einrichtung arbeiten verschiedene, für die Behandlung der Inkontinenz relevante medizinische Fachbereiche unter einem Dach zusammen: die Urogynäkologie, Urologie, Koloproktologie, Neurologie, Radiologie, Physiotherapie und die Oecotrophologie. Dies erspart Betroffenen nicht nur Wege, sondern auch die zeitraubende Suche nach dem für ihr spezielles Problem richtigen Spezialisten.

Auf schwierige Fälle spezialisiert

Im Kontinenz-Zentrum des DBBZ werden vor allem Frauen behandelt. Sie sind besonders häufig von Blasenschwäche betroffen. Zirka 60% der 80-jährigen Frauen leiden an Harninkontinenz, schätzt Professor Dr. Ralf Tunn, Urogynäkologe und Leiter des DBBZ. Doch Inkontinenz ist keine Alterskrankheit, viele Frauen sind schon in jungen Jahren betroffen. "Früher galt es als normal, wenn eine Frau nach einer Geburt ein bisschen einnässte. Doch das Bewusstsein hat sich geändert und Frauen gehen heute viel eher zum Arzt und lassen sich behandeln", berichtet Tunn. Wegen der umfangreichen Möglichkeiten, die zur Diagnose und Behandlung zur Verfügung stehen, ist das DBBZ vor allem ein Auffangbecken für Problemfälle. Die Einrichtung bietet das gesamte Spektrum der operativen Therapie, vor allem schonende minimal-invasive Eingriffe und Operationen mit Gewebeersatz, an. Außerdem sind die Ärzte des DBBZ damit vertraut, Blasenschrittmacher zu implantieren. Dieses etwa 4x5 Zentimeter kleine und knapp 8 Millimeter flache Gerät ist für manche Patienten mit einer Blasen- oder Darmstörung die letzte Hilfe, wenn Medikamente und Operationen nichts ausrichten können.

Hilfe beim Abnehmen und bei sexuellen Problemen

Eine Besonderheit des DBBZ ist auch, dass es eine Ernährungstherapie bietet. Denn Übergewicht ist ein bekannter Risikofaktor für eine Belastungsinkontinenz, bei der die Patientin z.B. beim Husten, Lachen oder Treppensteigen unfreiwillig Urin verliert. Um das Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren, analysiert ein Ernährungstherapeut des DBBZ in Einzelsitzungen das Essverhalten der Patientinnen und unterstützt sie beim Umstellen ihrer Ernährung. Aber auch Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln und andere Ursachen von Darmproblemen versucht der Ernährungstherapeut aufzudecken. In der Physiotherapie macht das Deutsche Beckenbodenzentrum seinem Namen schließlich alle Ehre: Hier lernen Patientinnen ihren Beckenboden selbst zu ertasten und mit alltagsgerechten Übungen zu trainieren, um die bestehende Blasenschwäche zu bessern. Da Inkontinenz auch sexuelle Schwierigkeiten heraufbeschwören kann, hat das DBBZ auch diese im Blick. Viele betroffene Frauen haben Angst vor Urinverlust oder Schmerzen beim Verkehr. Dies kann zu sexuellen Störungen führen. In Paar- oder Einzeltherapie gelte es dann, die Angst vor körperlicher Intimität zu nehmen, Mythen aufzulösen und einem negativen Körperbild entgegenzusteuern, um wieder lustvollen Sex zu ermöglichen.

Vorreiter für eine "Beckenbodenmedizin"

Mit der Idee, den Beckenboden ins Zentrum zu stellen und Störungen ganzheitlich zu behandeln, versteht sich das Team des DBBZ als Vorreiter. "Wir wollen Vorbild für die Entwicklung weiterer Einrichtungen sein", sagt Tunn. Dies ist ein Grund, warum das DBBZ regelmäßig Weiterbildungen für Ärztekollegen und Workshops zu speziellen Operationsmethoden anbietet. Bedarf an Beckenbodenspezialisten gibt es jedenfalls genug, wie der Andrang am DBBZ eindrucksvoll belegt. So müssen neue Patienten schon mal drei Monate auf einen Termin warten, weil das Zentrum so ausgelastet ist.

Kontaktdaten:

Prof. Dr. Ralf Tunn
Tel.: (030) 2311-2106, E-Mail: r.tunn@alexius.de

Urologie
Prof. Dr. med. Helmut H. Knispel, Chefarzt der Klinik für Urologie
Tel.: (030) 2311-2623, E-Mail: h.knispel@alexius.de

Chirurgie
Dr. med. Eric P. M. Lorenz, Chefarzt d. Klinik f. Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie
Tel.: (030) 2311-2517, E-Mail e.lorenz@alexius.de

Koloproktologie
Dr. med. Jens Peter Schmalfeldt, Leitender Oberarzt an der Klinik für Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie
Tel.: (0 30) 2311-2081, E-Mail: j.schmalfeldt@alexius.de

Gastroentrologie
Prof. Dr. med. Karl-Michael Derwahl, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin/Gastroenterologie
Tel.: (030) 2311-2503, E-Mail: m.derwahl@alexius.de

Radiologie
Dr. med. Bernd Kissig, Leiter des Radiologischen Instituts
Tel. (030) 2311-25 06, E-Mail: b.kissig@alexius.de

Neurologie
Tel. (030) 2311-2107

Ernährungstherapie
Tel.: (030) 2311-2106

Physiotherapie
Sonja Soeder, Leiterin der Physiotherapie am Deutschen Beckenbodenzentrum
Tel.: (030) 2145-8496, E-Mail: s.soeder@alexius.de

Sprechstunden des Kontinenz-Zentrums im Deutschen Beckenboden-Zentrum:
Montag bis Freitag: 8-12 Uhr, Montag und Dienstag: 15-19 Uhr

Telefon-Hotline zur Terminvereinbarung:
Montag bis Donnerstag: 8-15 Uhr
Urogynäkologie und Sexualmedizin, Tel.: (030) 2311-21 07
Urologie und Andrologie/erektile Dysfunktion, Tel.: (030) 2311-25 09
Koloproktologie, Tel.: (030) 2311-2515
Neurologie, Tel.: (030) 2311-2107
Physiotherapie, Tel.: (030) 2145-84 96
Ernährungstherapie, Tel.: (030) 2311-2107

Selbsthilfegruppe: keine

Adresse: St. Hedwig-Krankenhaus, Große Hamburger Str. 5-11, 10115 Berlin

Internet: www.deutsches-beckenbodenzentrum.de


Quelle: Nach Informationen des Deutschen Beckenbodenzentrums und von Prof. Dr. Ralf Tunn, Leiter des Deutschen Beckenbodenzentrums
Autor: Martina Janning
Stand: Sep 23, 2010


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