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Einnässen

Klassenfahrt – kann mein Kind mit?

Egal, ob als Wandertag oder mehrtägiger Ausflug in ein Landschulheim – eine Klassenfahrt ist im Leben von Kindern etwas ganz Besonderes. Für die meisten Mädchen und Jungen ist sie eine der ersten Gelegenheiten, ohne Eltern zu verreisen.

Einnässende Kinder nicht zu Außenseitern machen

Den ganzen Tag nur mit den Freundinnen und Kumpels aus der Schule zusammen sein, das finden Kinder toll – gerade weil Klassenkameraden heute nicht mehr zwangsläufig um die Ecke wohnen und nachmittags miteinander spielen können. Der pädagogische Sinn von Klassenfahrten steht sowieso außer Frage. Sie ermöglichen fächer- und schulübergreifendes Lernen, eröffnen neue Horizonte, fördern soziales Lernen und den Zusammenhalt in der Klasse. Von all diesen Erfahrungen sollten Kinder nicht ausgeschlossen werden, bloß weil sie manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort Urin lassen.

Mit seelischer Unterstützung auf Klassenfahrt

Aus Scham oder aus Angst vor Hänseleien von Mitschülern stellen sich einnässende Kids manchmal selbst ins Abseits und weigern sich, an einer Klassenfahrt teilzunehmen. Damit ihr Kind nicht zum Außenseiter wird, sollten Eltern ihren Sprössling aber unbedingt zur Mitfahrt ermutigen. Einnässende Kinder brauchen Rückendeckung und Selbstvertrauen! "Wichtig ist die seelische Unterstützung des Kindes", sagt die Urologin Dr. Daniela Schultz-Lampel. "Eltern sollten ihm erklären, was nicht funktioniert und ihm klarmachen, dass es sich nicht schämen muss." In den meisten Fällen ist Einnässen nämlich nicht psychisch bedingt, sondern die körperliche Entwicklung läuft schlicht verzögert ab. Die Expertin rät, dem Kind zu erklären, dass dies etwas ganz Normales ist, was sich wahrscheinlich mit der Zeit geben wird. Deswegen müsse das Kind nicht auf eine Klassenfahrt verzichten.

Lehrer sollten Bescheid wissen

Um ihrem Nachwuchs die Sorge vor dem Nassmachen auf einer Klassenfahrt zu nehmen, sollten Eltern mitfahrende Lehrer darüber informieren, dass das Kind noch nicht völlig trocken ist. Falls tatsächlich etwas in die Hose geht, steht das Kind nicht allein mit den Folgeproblemen. Eingeweihte Lehrer können außerdem verstärkt darauf achten, dass es nicht unnötig zu kritischen Situationen kommt. So gilt es bei Tagesausflügen ausreichend "Pinkelpausen" einzuplanen. Die Kinder sollten zudem nicht mehr trinken als gewohnt. Das gilt besonders für die zweite Tageshälfte und vor dem Schlafengehen. Trinke das Kind nach 18 Uhr 200 Milliliter und mehr, kann das dazuführen, dass nachts zu viel Urin gebildet werde, erklärt Schultz-Lampel. Wichtig ist, dem Kind diesen Zusammenhang zu erklären, damit es selbst Verantwortung übernehmen kann.

Desmopressin kann Harnproduktion drosseln

Um nassen Laken bei einer Klassenfahrt vorzubeugen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Erstens: Das Kind trägt nachts eine Windel und entsorgt sie morgens ohne Aufheben. Zweitens: Das Kind stellt sich ein oder zwei Mal in der Nacht einen Wecker, steht auf und entleert die Blase, damit sie nicht erst übermäßig voll wird. Drittens: Das Kind nimmt Medikamente ein, die es trocken über die Nacht kommen lassen. Diese Möglichkeit besteht, wenn Bettnässen durch übermäßige Harnbildung entsteht. Das ist tatsächlich die häufigste Ursache für nächtliches Nassmachen bei Kindern. Verantwortlich ist ein Mangel des körpereigenen Antidiuretischen Hormons (ADH). Dieser führt dazu, dass die Nieren in der Nacht zu viel Urin produzieren. Die Harnmenge übersteigt dann das Fassungsvermögen der Blase, und die volle Blase entleert sich unwillkürlich im Schlaf. In solchen Fällen kann der Wirkstoff Desmopressin Abhilfe schaffen. "Man kann Desmopressin als Bedarfsmedikation geben, damit das Kind an den Tagen trocken ist, an denen es auswärts schläft", sagt Schultz-Lampel. Die Substanz beschleunige nicht die körperliche Reifung. Seine Wirkung beruhe darauf, dass Desmopressin dem ADH ähnelt und die Urinproduktion in der Nacht drosselt. „So können kritische Situationen wie Klassenfahrten ideal überbrückt werden", urteilt die Urologin.



Quelle: Nach Informationen eines BSMO-Gesprächs mit der Urologin Dr. Daniela Schultz-Lampel, der Ärzte Zeitung und des Bundeselternrates
Autor: Martina Janning
Stand: May 10, 2007


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