Physiotherapie, Biofeedback und Co.
Blasenschwäche nach Prostata-OP: Behandlungsmöglichkeiten
Meist ist es eine gutartige Prostatavergrößerung, die eine teilweise oder vollständige operative Entfernung der Prostata notwendig macht. Harninkontinenz gilt als eine der möglichen Folgen des Eingriffs. Die gute Nachricht: Es stehen heute vielfältige und effektive Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung – von Beckenbodentraining über Elektrostimulation bis hin zum sogenannten Biofeedback.
Auch wenn die operativen Methoden zur Entfernung der Prostata (Prostatektomie) stets weiterentwickelt werden – mögliche Folgen können nicht ausgeschlossen werden. Eine dieser Folgen kann die Harninkontinenz sein. Die Angaben, wie viele Männer nach dem Eingriff (postoperativ) an einer Blasenschwäche leiden, schwanken: Sie reichen von sechs bis 40 Prozent. Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Inkontinenz nach Prostataentfernung keineswegs selten ist. Heute stehen allerdings gute Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
Training der Blasenkontrolle
Zur Behandlung der postoperativen Harninkontinenz hat sich ein Beckenbodentraining unter Anleitung eines qualifizierten Physiotherapeuten bewährt. Durch das gezielte Training soll die Beckenbodenmuskulatur gestärkt werden. Dafür muss der Patient lernen, seinen Beckenboden richtig und bewusst zu aktivieren. Der Erfolg dieser Standardtherapie lässt sich durch zusätzliche Verfahren offenbar noch verbessern, wie eine Untersuchung kürzlich bestätigte. Dabei wurden 75 Männer nach Prostataentfernung mit dem Standard-Beckenbodentraining therapiert. Zusätzlich zur Standardbehandlung erhielten jedoch je 25 Patienten entweder Elektrostimulation mit Biofeedback oder eine sogenannte Ganzkörpervibration.
Elektrostimulation, Biofeedback und Vibration
Bei den Männern mit zusätzlicher Elektrostimulation aktivierte eine in den Mastdarm eingeführte Sonde den Beckenboden mit leichten, nicht schmerzenden Stromstößen. Das sollte zum einen dem Patienten helfen, seinen Beckenboden besser wahrzunehmen, und zum anderen den Beckenboden stärken. Nach einer kurzen Pause war nun der Patient gefordert, seinen Beckenboden anzuspannen, wie er es in der Physiotherapie gelernt hat. Über eine Anzeige mit Leuchtdioden erhielt der Patient eine Rückmeldung dazu, wie stark er den Beckenboden aktivieren konnte. Außerdem wurde der Patient über diese Anzeige auch darüber informiert, wenn er die "falschen" Muskeln – also Bauch- oder Gesäßmuskeln – anspannte. Dann erfolgte wieder eine Pause und der Zyklus begann von vorn. Eine Vibrationsbehandlung bringt die Muskeln zum Schwingen, die sich daraufhin (reflektorisch) zusammenziehen, ohne dass das dem Betroffenen bewusst ist. Durch bestimmte Übungen sollen die Muskeln im Beckenboden trainiert und gestärkt werden. Bei der Untersuchung saßen oder standen die Patienten dabei auf einer Vibrationsplatte. Die Vibrationstherapie wurde fünfmal am Tag mit einer bestimmten Frequenz (20 Hertz) durchgeführt.
Gemeinsam noch besser?
Auch wenn das Beckenbodentraining grundsätzlich wirksam ist, kann eine zusätzliche Methode wie beispielsweise Vibration oder Elektrostimulation mit Biofeedback laut der vorliegenden Ergebnisse die Behandlung der Harninkontinenz noch effektiver machen. So scheint Elektrostimulation mit Biofeedback den Beckenboden besonders gut zu stärken, während die Vibration zum Beispiel die Menge des ungewollt abgehenden Urins verringern kann. Ein Training des Beckenbodens im Rahmen der klassischen Physiotherapie lohnt sich demnach für die Patienten. Noch mehr können sie offenbar von einer zusätzlichen Behandlung mit Elektrostimulation plus Biofeedback oder einer Ganzkörpervibration profitieren. Da die Verfahren unterschiedlich wirken, könnte laut der Autoren auch eine Kombination aller drei Methoden sinnvoll sein.











