Prostatakrebs
Bodybuilding für den Beckenboden
Wenn die Prostata wegen einer Krebserkrankung entfernt werden muss, wird der Mann danach oft inkontinent. Beckenbodengymnastik - selbst durchgeführt oder per Elektrostimulation - kann eine Blasenschwäche bessern.
Inkontinenz bleibt selten bestehen
Der Krebs ist weg, jedoch leidet der frisch Operierte nun an Blasenschwäche - einer gängigen Nebenwirkung der Prostataoperation. Ein Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart beim Mann. In Deutschland erkranken etwa 48.000 Männer jedes Jahr neu daran. Da der Krebs im Frühstadium keine Symptome zeigt, wird die Krankheit oft erst festgestellt, wenn sie schon fortgeschritten ist. Muss die Prostata dann wegen des Tumors entfernt werden, kann es zu Harninkontinenz kommen. Bei der Operation wird nämlich der innere Schließmuskel beschädigt. Der äußere Schließmuskel kann jedoch die Funktion des inneren übernehmen. Allerdings ist dies eine Frage des Trainings. Anfangs, nach der Operation, verliert der Patient häufig bei Druck auf die Blase Urin, etwa beim Lachen, Husten oder Tragen schwerer Lasten. Ärzte nennen diese Form der Blasenschwäche Belastungsinkontinenz. Doch laut der Deutschen Krebshilfe sind 95% der Patienten ein Jahr nach der Prostataoperation wieder kontinent. Nur in seltenen Fällen bleibt eine dauerhafte Harninkontinenz zurück, bei der z. B. das Implantieren eines künstlichen Schließmuskels in Betracht gezogen werden muss.
Schnell beschwerdefrei mit Beckenbodengynmastik
In der Regel lässt sich der Urinabgang nach einer Prostata-OP durch konsequentes Kontinenztraining beheben. Der wesentliche Bestandteil ist dabei die Stärkung des Beckenbodens. Bei der Nachsorge von Prostatakrebs-Operationen wurde diese Methode lange vernachlässigt. Eine belgische Studie an der Universitätsklinik in Leuven zeigt jedoch die guten Erfolgschancen. Demnach senkte Beckenbodentraining gegenüber einer Scheinbehandlung die Dauer und das Ausmaß der Inkontinenz deutlich. Nach drei Monaten waren 88% der Patienten wieder kontinent, in der Kontrollgruppe lediglich 56%. Nach einem Jahr verloren 95% bzw. 81% der Patienten keinen Harn mehr.
Biofeedback kann Übungen unterstützen
Bei der klassischen Beckenbodengymnastik lernen die Patienten unter Anleitung eines Physiotherapeuten zunächst einmal ihre Beckenmuskeln bewusst wahrzunehmen. Für Ungeübte ist das gar nicht so einfach. Tipp: Männer ertasten ihre angespannte Beckenbodenmuskulatur am besten am Damm, indem sie versuchen, Hoden und After anzunähern. Ziel des angeleiteten Trainings ist es, dass die Patienten die Übungen später selbstständig und korrekt ausführen können. Bei manchen Männern bessert sich die OP-bedingte Inkontinenz schon nach drei Wochen, bei anderen kann es bis zu einem Jahr dauern. Neben dem Alter ist vor allem entscheidend, wie oft der Mann trainiert. Physiotherapeuten empfehlen, drei Mal täglich konzentriert zu üben. Die Beckenbodengymnastik kann durch Biofeedback unterstützt werden. Dabei misst ein Gerät die jeweilige Muskelanspannung und teilt sie dem Patienten über eine Leuchtanzeige oder ein Signal mit. Das ermöglicht ein feinfühliges Üben, das die Muskulatur weder über- noch unterfordert.
Elektrostimulation - das passive Training
Der Schließmuskel lässt sich auch durch Elektrostimulation trainieren. Anders als beim Biofeedback muss der Patient dabei selbst nichts tun. Vielmehr bringen schwache Stromimpulse den Muskel zum Anspannen. Dazu wird eine Sonde in den After eingeführt. Wie die Elektrostimulation genau wirkt, ist noch nicht geklärt. Jedenfalls stärkt diese automatische Beckenbodengymnastik die Muskulatur, steigert den Muskeltonus und verbessert die Kontraktionsfähigkeit des Beckenbodens. Eine Trainingseinheit dauert 20 bis 30 Minuten. Bei regelmäßiger Anwendung zwei Mal pro Tag werden nach rund sechs Monaten häufig Erfolgsraten von fast 90% erzielt, berichtet der Verein Inkontinenz-Selbsthilfe.


