Ursachen fürs Bettnässen

Bettnässen bei Kindern meistens harmlos

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Bettnässen hat nur in den seltensten Fällen etwas mit psychischen Problemen zu tun.
Getty Images/iStockphoto

Töpfchen-Drill wie vor 30 Jahren ist heute verpönt. Dennoch: Wenn der fünfjährige Sohn nachts noch immer ins Bett macht, sprechen darüber selbst sehr liberale Eltern nicht gern. Schließlich gibt es die weit verbreitete Auffassung, Bettnässen habe mit Erziehungsfehlern oder einem psychischen Problem des Kindes zu tun. Experten halten dies jedoch für einen Fehlschluss.

Kinder, die das Bett nässen, sind körperlich und psychisch meist völlig unauffällig, heißt es im unabhängigen US-Internetdienst kidshealth. Auch Klaus-Arndt Hueter vom Deutschen Grünen Kreuz (DGK) meint: "Psychologische Ursachen sind eher die Ausnahme." Es leiden im Grunde auch zu viele Kinder unter Bettnässen (Enuresis nocturna), als dass es sich in jedem Fall um eine echte Krankheit handeln könnte: Etwa 10-15% der Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren in Deutschland nässen nachts noch das Bett - vor allem Jungen sind betroffen. Meistens sind die Gründe für die Enuresis harmlos und verschwinden spätestens während der Pubertät.

Manchmal mangelt es am Antidiuretischen Hormon

Sehr häufig hängt das Bettnässen mit einem Hormonmangel zusammen: Bei vielen Kindern erzeugt die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) noch nicht ausreichend Antidiuretisches Hormon (ADH), das die Urinproduktion beeinflusst: Die Hirnanhangdrüse gibt nachts normalerweise mehr ADH ab, so dass die Niere weniger Urin bildet. Es kommt also nicht so schnell zu Harndrang. Erhöht sich jedoch der ADH-Spiegel nachts nicht, ist die Blase rasch überfüllt.

Kinder haben eine höhere Weckschwelle

Es gibt aber noch weitere - ebenfalls wenig beängstigende - Gründe für das Bettnässen, sagt Hueter: Kinder lassen sich viel schwerer aus dem Schlaf reißen als Erwachsene. Darum nehmen sie den Weckreiz der Blase oftmals nicht wahr. Außerdem vermuten Experten: Bei einigen Kindern ist die Verschaltung zwischen Blase und Gehirn noch nicht vollständig ausgebildet, so dass auch der Weckreiz als solcher nicht immer funktioniert. Ein anderer harmloser Grund für Enuresis ist eine zu kleine Blase.

Wann ein Arztbesuch notwendig ist

Ein niedriger ADH-Spiegel, ein ignorierter Weckreiz, ein verzögerte Verschaltung von Gehirn und Blase oder eine zu kleine Blase - alle diese Phänomene sind bei Kindern normal und brauchen erst ab dem sechsten Lebensjahr behandelt zu werden. Eltern sollten allerdings laut Deutschem Grünem Kreuz (DGK) schon vorher einen Arzt aufsuchen, wenn das Kind:

  • nachts häufig aufwacht, weil die Blase drückt oder das Bett nass ist: Dies deutet auf einen Harnwegsinfekt.
  • manchmal auch am Tag einnässt. In diesem Fall könnte eine organische Ursache - wie eine Störung der Blasenmuskelfunktion oder ein nervöser Blasenschließmuskel(Detrusorhyperaktivität) - dahinterstecken.
  • tagsüber öfter als zehn Mal zur Toilette muss. Auch dies ist ein Hinweis auf einen Harnwegsinfekt oder eine Detrusorhyperaktivität.
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder einen stotternden Harnstrahl hat: Dies spricht für ein Hindernis in der Harnröhre.
  • bereits länger als sechs Monate nachts trocken war: Es könnte sich um eine Störung der Blasenmuskelfunktion, eine Nerven- oder Stoffwechselstörung oder eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre handeln. Auch könnte sich hinter dieser so genannten sekundären Enuresis - anders als hinter der gängigen (primären) - tatsächlich eine seelische Ursache verbergen. So nässen viele Kinder oftmals wieder das Bett, wenn die Eltern sich trennen oder ein Familienmitglied stirbt.
  • zugleich unter einer Vorhautverengung leidet: Die so genannte Phimose kann bei Jungen nämlich auch Bettnässen hervorrufen und sollte auch aus diesem Grunde früh behandelt werden.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 05. September 2008

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