Trocken werden und bleiben
Neue Schulung für Kinder und Jugendliche
Viele Grundschulkinder machen noch ins Bett, manchen geht auch tagsüber mal was die Hose. Ein neu konzipiertes Trainingsprogramm für die betroffenen Kinder und ihre Eltern soll helfen, dass sich das ändert.
Ein Training für Kinder und Eltern
Um einnässenden Kindern und ihren Familien besser helfen zu können, haben Mediziner und Therapeuten eine „Kontinenzschulung“ entwickelt. Die Idee eines solchen Programms ist nicht neu, für Kinder mit Asthma und Neurodermitis werden solche Schulungen schon seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert.
Die neu konzipierte Kontinenzschulung richtet sich an Kinder, bei denen der Arzt eine funktionelle Harninkontinenz diagnostiziert hat. Das Training soll den Sprösslingen und ihren Eltern vermitteln, dass sie nicht alleine sind mit dem Problem Einnässen.
Einnässen spielerisch in den Griff bekommen
Die Kinder lernen an Hand eines „Spurenbuchs“ mit der gezeichneten Figur „Inspektor Uri“ den Gang zur Toilette zu steuern, indem sie in das Buch z.B. schreiben, wann sie wie viel trinken und wann sie zur Toilette müssen. Denn auch Kinder, die ihre Blase aus organischen Gründen nicht zu kontrollieren vermögen, können sich angewöhnen, regelmäßig nach dem Trinken auf Toilette zu gehen, sagen die Experten, die die Schulung entwickelt haben. Die Eltern trainieren in der Schulung den Umgang mit ihren einnässenden Kindern. Das soll Konflikte wegen des Nassmachens vermindern und die Familie entlasten.
Urotherapie will das Verhalten verändern
Hinter dem Kontinenztraining steht die Idee der „Urotherapie“. Sie umfasst alle nichtchirurgischen und nichtpharmakologischen Behandlungsansätze bei Harninkontinenz. Urotherapie zielt darauf ab, das Einnässen durch verändertes Verhalten in den Griff zu bekommen. Dazu zählen z.B. geänderte Gewohnheiten beim Trinken und Wasserlassen, aber auch Alarmsysteme gegen Bettnässen und Biofeedback. Zu den wesentlichen Bestandteilen der Urotherapie gehört jedoch, über die Entwicklung und Funktion der Harnblase und der Blasenentleerung zu informieren und sie zu entmystifizieren, sagt der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Eberhard Kuwertz-Bröking.
In kleinen Gruppen, mit einem Schulungsteam
Die Kontinenzschulung richtet sich vor allem an Kinder von 7 bis 12 Jahre und ihre Eltern. Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr können auch ohne ihre Eltern teilnehmen. Die Schulung findet jeweils in einer reinen Mädchen- oder Jungengruppe mit 2-6 Kindern oder Jugendlichen statt.
Das Schulungsteam besteht aus Fachleuten, die aus verschiedenen Berufsgruppen kommen – darunter ein Arzt, ein Psychologe oder Pädagoge, ein Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, ein Physiotherapeut oder ein Ergotherapeut. Um die Kontinenzschulung anbieten zu dürfen, muss mindestens einer aus dem Schulungsteam ein Trainerzertifikat der Konsensusgruppe Kontinenzschulung (KgKS) besitzen und aktiv an der Schulung teilnehmen.
Eine erste Übersicht über Kliniken und Kontinenzzentren, die Kontinenzschulungen für Kinder und Jugendliche mit funktioneller Harninkontinenz anbieten, findet sich im Internet unter www.kontinenzschulung.de.


