Von A wie Anamnese bis Z wie Zystoskopie
Harninkontinenz bei Frauen: vielfältige Diagnosemöglichkeiten
Die eindeutige Diagnose von Art und Ausprägung einer Blasenschwäche ist die Basis für eine erfolgreiche Therapie und damit für mehr Lebensqualität. Für die Harninkontinenz bei Frauen stehen heute vielfältige Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Meist wird dabei nach dem Zwei-Stufen-Konzept verfahren: Zunächst kommen einfachere Methoden zum Einsatz, bei Bedarf werden anschließend komplexere Untersuchungen durchgeführt.
Obwohl die Harninkontinenz unter Frauen weit verbreitet ist, gehen Schätzungen zufolge nur etwa 30 Prozent der Betroffenen bei Blasenschwäche zum Arzt, um eine eindeutige Diagnose stellen zu lassen. Ein Fehler, wenn man bedenkt, dass die Diagnose der erste und wichtigste Schritt zur Einleitung einer individuell optimalen Therapie ist – und damit der erste Schritt hin zu einem etwas unbeschwerteren Alltag. Die Diagnose erfolgt üblicherweise in zwei Schritten.
In zwei Schritten zum Ziel
Zur Diagnose der Blasenschwäche bei Frauen empfehlen Experten, nach einem Zwei-Stufen-Konzept vorzugehen. Am Anfang steht die sogenannte Basisdiagnostik. Dazu gehören zum Beispiel die ausführliche Befragung der Patientin durch den Arzt (Anamnese), die körperliche Untersuchung sowie die Harnuntersuchung. In der Regel reichen diese Maßnahmen aus, um zu erkennen, welche Form der Blasenschwäche vorliegt und welche Therapie infrage kommt. Wirkt die zunächst eingeleitete Behandlung jedoch nicht in zufriedenstellendem Maße oder liegen besondere Umstände vor, greift der Arzt auf weitere Methoden der Spezialdiagnostik zurück. Dabei kommen beispielsweise die Blasendruckmessung, eine Blasenspiegelung oder auch eine Röntgendarstellung der Harnblase zum Einsatz.
Am Anfang steht das Gespräch
Hat sich eine Frau dazu entschlossen, den unfreiwilligen Urinabgang abklären zu lassen, wird der Arzt – der richtige Ansprechpartner ist zunächst der Frauenarzt oder der Urologe - sie ausführlich befragen. Bereits auf Basis dieses vertrauensvollen Gesprächs kann der Arzt meist erste Vermutungen über die Ursache der Blasenschwäche anstellen. Daher fragt er zunächst nach möglichen Auslösern beziehungsweise Risikofaktoren wie zum Beispiel
- Entbindungen
- Rauchgewohnheiten
- Übergewicht
Daneben sind weitere Fakten relevant - etwa ob Erkrankungen bestehen, Medikamente eingenommen werden oder Operationen in der Vergangenheit durchgeführt wurden.
Natürlich ist das Thema „Wasserlassen“ ein wesentlicher Aspekt der Anamnese. Es ist wichtig, dem Arzt zu berichten, wie oft man am Tag und in der Nacht zur Toilette geht und wie viel Urin dabei ausgeschieden wird. Der Arzt sollte zudem darüber informiert werden, wie oft und wie viel Harn unfreiwillig abgeht, in welchen Situationen das passiert und wie viele Vorlagen ggf. nötig sind.
Untersuchungen im Rahmen der Basisdiagnostik
Anschließend folgt im Allgemeinen die genaue körperliche Untersuchung. Dazu zählt neben anderen Maßnahmen die gynäkologische Inspektion der Scheide mit Hilfe eines Spekulums. Hierbei kann der Arzt mögliche Ursachen wie Entzündungen, eine Schwäche des Beckenbodens oder auch durch Östrogenmangel bedingte Veränderungen erkennen.
Ebenfalls zur Basisdiagnostik zählen:
- Husten- bzw. Stresstest (Urinabgang unter Belastung)
- Führen eines Trink- und Miktionsprotokolls (Häufigkeit, Menge des Wasserlassens; Trinkmenge etc.)
- Untersuchung des Urins
- Restharnbestimmung (Bestimmung des nach Toilettengang in der Harnblase verbleibenden Urins) etwa mittels Ultraschall
Um herauszufinden, wie stark die Blasenschwäche ausgeprägt ist, kann der Arzt zudem einen Vorlagenwiegetest (Padtest) durchführen. Dabei erhält die Frau eine vorab gewogene Vorlage und trinkt innerhalb einer Viertelstunde einen halben Liter Flüssigkeit. Anschließend ist sie eine Stunde lang körperlich aktiv. Auf dem Programm stehen etwa Treppensteigen, Spazierengehen, auf der Stelle Hüpfen, mehrmaliges Aufstehen von einem Stuhl o.ä. Danach wird die Vorlage nochmals gewogen, um zu sehen, wie viel Urin in der Zwischenzeit verloren wurde.
Weitere Untersuchungen nach Bedarf
In der Regel reichen die genannten Maßnahmen aus, um zu erkennen, welche Form der Inkontinenz besteht und welche Therapie sinnvoll ist. Wirkt die Behandlung jedoch nicht in ausreichendem Maße, treten immer wieder Entzündungen durch Keime auf (rezidivierende Infektionen) oder soll eine Operation wegen der Inkontinenz erfolgen, sind mitunter weitere Untersuchungen notwendig. Zum Beispiel:
- spezielle Ultraschalluntersuchungen
- Urodynamik – zur Bestimmung der Blasenfunktion (abgehende Harnmenge, Kapazität und Druck der Blase)
- Zystografie - Röntgenuntersuchung der Blase nach Gabe von Kontrastmittel
- Zystoskopie (Blasenspiegelung)
- Magnetresonanz-Tomografie (MRT)
Diagnose beim Arzt – Basis für mehr Lebensqualität
Damit jeder betroffenen Frau wieder zu mehr Lebensqualität verholfen werden kann, ist es prinzipiell notwendig, dass sie ihren Arzt aufsucht und ihm ihre Blasenprobleme in einem offenen und vertrauensvollen Gespräch schildert. Der Arzt wird dann die individuell notwendigen Maßnahmen veranlassen und die entsprechende Therapie einleiten. Grundsätzlich gilt: Es gibt heute gute Möglichkeiten, trotz Blasenschwäche aktiv im Leben zu stehen.


