Medikamente

Was gegen Harninkontinenz hilft

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Medikamente können das Leben erheblich erleichtern.
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Harninkontinenz kann peinlich sein, ist aber kein Schicksal. Medikamente können entscheidend helfen. Wie sie wirken, lässt sich am besten zusammen mit der Blasenfunktion erklären. Denn die Medikamente setzen vor allem an den Muskeln an, die für die Blasenfunktion verantwortlich sind.

Wie funktioniert die Blase?

Dass eine gesunde Blase so funktioniert, wie wir es erwarten, ist das Werk mehrerer Muskeln mit unterschiedlichen Aufgaben. Da ist zunächst der Muskel, der die Blase entleert. Er ist die meiste Zeit entspannt, damit sich Urin in der Blase sammeln kann. Nach dem lateinischen Ausdruck für "herabhängen" wird dieser Muskel auch "Detrusor" genannt. Wichtig für die Funktion der Blase ist zudem der Schließmuskel am Blasenausgang.

Gesteuert werden diese Muskeln durch das unwillkürliche Nervensystem. Dabei haben die Nerven Sympathikus und Parasympathikus jeweils entgegengesetzte Wirkung auf die Muskulatur. So veranlasst der Sympathikus, dass sich der Detrusor während der Urin-Sammelphase so weit entspannt, dass sich die Blase ausdehnen kann. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass der Schließmuskel der Blase dicht hält. Ab einer Urinmenge von 200 bis 400 Millilitern meldet die Blase dann Harndrang an das Gehirn. Der Parasympathikus bewirkt schließlich, dass der Detrusor sich anspannt, der Schließmuskel sich entspannt - die Blase leert sich.

Drang- und Belastungsinkontinenz

Die beiden häufigsten Formen der Harninkontinenz sind die DranginkontinenzInkontinenzformen - und die Inkontinenzformen . Sie haben unterschiedliche Ursachen. Bei der Dranginkontinenz ist der Detrusor überaktiv - der Muskel, der eigentlich entspannt sein muss, damit sich die Blase ausdehnen kann, spannt sich zu leicht an. Schon bei kleinen Mengen Urin entsteht Harndrang. Anders bei der Belastungsinkontinenz: Hier führen Belastungen wie Heben, Husten oder Niesen zum unwillkürlichen Verlust von Urin, weil der Schließmuskel der Blase zu schwach ist.

Medikamente beeinflussen den Schließmuskel

Medikamente werden vor allem bei derDranginkontinenz Inkontinenzformen eingesetzt. Sie wirken dem Parasympathikus entgegen. Entspannt der Detrusor sich daraufhin, lässt auch der Druck in der Blase nach, sie kann wieder mehr Urin speichern. Betroffene müssen nicht mehr so häufig auf die Toilette, können ihre Blase besser kontrollieren. Diese Medikamente ermöglichen den Patienten ein gezieltes Training der Blase, indem sie den ständigen Druck lindern. Allerdings sind sie verschreibungspflichtig und der Arzt sollte die Behandlung sorgfältig überwachen

Auch im Falle einer DranginkontinenzInkontinenzformen ist eine Behandlung mit Medikamenten möglich. Dabei werden vor allem Substanzen eingesetzt, die kräftigend auf den Schließmechanismus der Blase wirken können, so genannte alpha-adrenerge Wirkstoffe wie etwa die verschreibungspflichtige Substanz Midodrin. Die Wirkung dieser Stoffe auf die Muskeln ähnelt der des Sympathikus, der für die Anspannung des Schließmuskels der Blase zuständig ist.

Östrogenmangel bei Frauen

Bei Frauen können auch weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) die Harninkontinenz lindern. Denn Mangel an Östrogen führt dazu, dass die Schleimhäute der unteren Harnwege empfindlicher auf Urin reagieren, was wiederum verstärkten Harndrang auslösen kann.

Reflexinkontinenz

Weitere Formen der Harninkontinenz sind die Inkontinenzformen und die Inkontinenzformen. Bei der Reflexinkontinenz ist die Verständigung zwischen Gehirn und Blase gestört. Nervenreflexe, die sich nicht kontrollieren lassen, führen zur plötzlichen Entleerung der Blase. Medikamente können die spontanen Aktivitäten der Harnblasenmuskulatur hemmen. Sie enthalten dieselben Wirkstoffe, die auch gegen Dranginkontinenz einsetzbar sind.

Überlaufinkontinenz

Die Überlaufinkontinenz entsteht - wie der Name schon sagt - dadurch, dass die volle Blase überläuft. Häufigste Ursache ist die gutartige Prostatavergrößerung beim Mann. Entsprechend lässt sich das Problem behandeln, indem die vergrößerte Prostata verkleinert wird. Ist dies nicht notwendig, können Medikamente mit so genannten Alphablockern helfen. Diese erleichtern eine frühzeitige Entleerung der Blase und verhindern, dass sie überläuft.

Alternative Hilfsmittel

Doch so hilfreich Medikamente auch sein können: Sie sollten immer nur ein Bestandteil der Behandlung sein. Auch Beckenbodengymnastik, Blasentraining und die Vermeidung unnötiger Pfunde helfen gegen Harninkontinenz.

Sieben sanfte Hilfen für eine starke Blase
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    Bärentraubenblätter

    Die ledrigen Blätter der Heilpflanze Bärentraube enthalten einen hochwirksamen Stoff: Arbutin. Diese natürliche Substanz bekämpft Bakterien und wird deshalb häufig als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet. Als Tee, aber auch in Form von Tabletten und Dragees mit dem hochdosierten Arbutin, sind Bärentraubenblätter eine effektive Hilfe bei Entzündungen der Blase. Besonders gut wirken Bärentraubenblätter, wenn Sie wenig Süßes und Eiweiß gegessen haben. Denn die Wirkung der Heilpflanze entfaltet sich am besten in alkalischem Urin. Süßes und Eiweiß machen den Urin jedoch sauer und Zubereitungen aus der Bärentraube wirken dann nicht so effektiv.

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    Goldrute

    Bei Reizblase, Blasenentzündung und zur Durchspülung der Darmwege hat sich Goldrute seit Jahrhunderten bewährt. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass die Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine und ätherischen Öle der Goldrute – vor allem des Krauts – hochpotente Substanzen sind. Sie lösen Krämpfe, bremsen Entzündungen, lindern Schmerzen, regen die Urinbildung an und aktivieren die Abwehrkräfte an. Goldrute gibt es als Tee, aber auch in konzentrierter Form als Tabletten.

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    Schachtelhalm

    Die Heilpflanze Schachtelhalm ist auch unter der Bezeichnung Zinnkraut bekannt. Die Sprossen seiner Grashalme enthalten Flavonoide, die auf sanfte Weise die Urinbildung anregen. Die Harnwege werden dadurch gut durchspült, Bakterien werden rasch aus dem Körper befördert und haben kaum eine Chance, sich in der Blase anzusiedeln und zu vermehren.

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    Birkenblätter

    Vor allem die Blätter der Moor- und der Hängebirke enthalten Biosubstanzen, die die Nierenaktivität anregen. Die gesteigerte Urinproduktion führt dazu, dass die Harnwege und die Blase gut durchspült werden und Bakterien sich nicht mehr vermehren können. Birkenblätter gibt es als Teezubereitung und kombiniert mit anderen blasenwirksamen Pflanzenstoffen – etwa Goldrute und Schachtelhalm – als Medikament.

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    Kapuzinerkresse

    Sowohl die Blätter als auch die Blüten der Kapuzinerkresse enthalten Senfölglykoside und Vitamin C. Die Glykoside wirken wie ein natürliches Antibiotikum, bekämpfen Bakterien in den ableitenden Harnwegen. Die Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse wirken jedoch nicht nur in Niere, Blase und Harnwegen, sondern auch in den Bronchien – sind also ebenfalls sinnvoll bei Erkältungen und Husten. Kapuzinerkresse-Zubereitungen gibt es meist in Kombination mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen.

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    Cranberries

    Die amerikanische Moosbeere (Cranberry) enthält eine große Menge von Antioxidanzien, darunter vor allem Proanthocyanidine. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zellschützende Eigenschaften haben. Studien haben gezeigt, dass Cranberrysaft die Blasenschleimhaut gegen Bakterien stark machten kann. Allerdings muss der Saft dazu über einen längeren Zeitraum getrunken werden. Ebenso wirksam könnte jedoch Preisel- oder Heidelbeersaft sein.

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    Kürbis

    Nicht nur das Kürbisfleisch ist gesund. Es liefert jede Menge Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Kalium sowie die Vitamine A, C und E. Die Kerne vom Kürbis enthalten ein hochpotentes Öl mit dem Hauptwirkstoff Phytosterol. Er lindert Prostatabeschwerden, kann das Prostatawachstum sogar bremsen und stärkt die Blase. Sie können geröstete Kürbiskerne knabbern, aber auch Dragees, Tabletten oder Granulat mit hochdosierten Kürbiskernextrakt einnehmen.

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Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2009

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