Warnzeichen erkennen

Dunkler oder trüber Urin: Was bedeuten Farbe und Geruch?

Frischer Urin ist gewöhnlich transparent, wasserklar bis dunkelgelb. Seine Beschaffenheit kann variieren – je nachdem wie viel man trinkt oder was man gegessen hat. Doch auch Medikamente und Krankheiten beeinflussen das Aussehen und den Geruch des Harns. Rötlichen, sehr dunklen oder trüben Urin sollte man von einem Arzt abklären lassen.

Blut im Urin
Blut im Urin sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um ernste Ursachen auszuschließen.
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Harn sieht nicht immer gleich aus: Morgens ist er meist dunkler, während er den restlichen Tag über klarer ist. Die Konzentration des Urins und damit seine Farbe verändert sich je nach Trinkmenge. Weil man nachts wenig Flüssigkeit aufnimmt, enthält der Harn morgens weniger Wasser, dafür mehr Schadstoffe, die über die Nieren gefiltert und ausgeschieden werden.

Farbveränderungen des Urins sind oft harmlos

"Es gibt eine relativ hohe Variationsbreite in der Farbe des Urins. Alles von wasserklar bis dunkelgelb gilt als normal und ist abhängig von der Trinkmenge", erklärt Wolfgang Bühmann, Facharzt für Urologie. Vom Geschlecht hängen Farbe und Geruch des Urins nicht ab: "Der Stoffwechsel von Männern und Frauen funktioniert gleich." Allerdings können sich Unterschiede in der Ernährung oder dem Trinkverhalten auswirken.  

Man muss sich also keine Sorgen machen, wenn der Urin unterschiedliche Farben annimmt – "es sei denn, er hat ganz deutliche Farbveränderungen wie braun, rötlich, orange, blau oder grün", sagt Bühmann. In solchen Fällen sollte man den Arzt aufsuchen, denn es könnten ernsthafte Krankheiten und Infektionen dahinterstecken:

Dunkelgelber bis oranger Urin

Urin von oranger Farbe entsteht, wenn man zu wenig getrunken hat, die Konzentration des Harns also recht hoch ist. Es sind aber auch ernstere Ursachen möglich: "Wenn der Gallenfarbstoff Bilirubin im Urin auftaucht, dann kann eine Störung des Gallenabflusses oder eine Lebererkrankung verantwortlich sein. Dann wird der Urin orange, manchmal auch braun", sagt der Experte.

Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-B-Präparate können sich auf die Farbe des Harns auswirken. Dann wird er mitunter neongelb bis grünlich, was jedoch harmlos ist.

Rötlicher bis rotbrauner Urin

Zwar färben auch bestimmte Lebensmittel wie Blaubeeren oder Rote Bete den Urin pink bis rötlich. Jedoch: "Eine rötliche Farbe lässt prinzipiell an Blut denken und ist Anlass, einen Arzt aufzusuchen, um die nicht harmlosen Ursachen auszuschließen", rät Bühmann.

Brauner, dunkler Urin

Eine Braunfärbung des Harns kann auf Lebererkrankungen hindeuten und sollte daher ernst genommen werden.

Blauer oder grüner Urin

Manche genetische Krankheiten oder eine Bakterieninfektion können zu blauem oder grünem Urin führen. "Möglicherweise stecken auch Medikamente dahinter", sagt Urologe Bühmann. 

Trüber Urin, eventuell mit Flocken

"Trüber Urin lässt immer darauf schließen, dass Feststoffe enthalten sind", so Bühmann. Das können Eiweißpartikel, etwa Fibrin aus der Blase, oder Abbauprodukte von Bakterien sein. "Diese Substanzen gehören grundsätzlich nicht in den Urin. Daher sollte eine Trübung oder Flocken im Urin immer Anlass geben, ihn untersuchen zu lassen." Mitunter stecke eine Infektion oder Stoffwechselerkrankung dahinter. Handelt es sich nicht um frischen Harn, kann eine Trübung darauf zurückzuführen sein, dass mit dem Erkalten Salze und Kristalle ausfallen.

Schaumiger Urin

"Bildet sich beim Entleeren in der Toilette Schaum auf dem Harn, kann eine Nierenerkrankung dahinterstecken", sagt Bühmann. Es sei aber auch ein harmloser wasserbindender Effekt im Urin denkbar.

Fettschicht auf dem Urin

Wird Fett mit dem Urin ausgeschieden (Lipidurie) kann das auf Schädigungen des Nierenkörperchens zurückzuführen sein. Es handelt sich mitunter aber auch um Rückstände von Zäpfchen und Salben, schreibt Josefine Neuendorf, Dozentin für Labordiagnostik, in ihrem Buch "Das Urinsediment".

Wenn Urin streng riecht

Der Uringeruch variiert wie die Farbe entsprechend seiner Konzentration, die vor allem von der Trinkmenge abhängt. Auch Lebensmittel, allen voran Spargel, hinterlassen bei vielen Menschen eine spezifische Duftnote: Betroffenen fehlt ein Enzym, das die im Spargel enthaltene Asparagusinsäure abbaut. "Das ist nicht krankhaft, sondern gibt sich wieder, wenn der Spargel beziehungsweise die Asparagusinsäure ausgeschieden ist", beruhigt Experte Bühmann. Andere Lebensmittel beziehungsweise Produkte, etwa Tropenfrüchte, Gewürze oder Vitaminpräparate können einen aromatischen, schokoladigen Uringeruch auslösen, so Labordiagnostikerin Neuendorf.

Riecht Harn sehr streng oder unangenehm, deutet das auf Abbauprodukte von Bakterien oder Substanzen aus dem Stoffwechsel hin, die wiederum Zeichen für Krankheiten sein können. "Dann sollte man den Urin im Zweifelsfall untersuchen lassen", rät Bühmann. Eitergeruch, der meist mit grünem oder dickflüssigem Harn einhergeht, gehört ebenfalls sofort ärztlich abgeklärt.

Trüber, dunkler oder übel riechender Urin: Was macht der Arzt?

Um ernsthafte Ursachen auszuschließen, wird der Arzt den Urin zunächst mit einem Teststreifen untersuchen. "Nierenspezialisten wie Urologen und Nephrologen analysieren den Urin auch unter dem Mikroskop auf Bestandteile, die nicht hineingehören, etwa weiße oder rote Blutkörperchen sowie Bakterien", erklärt Bühmann. Zudem kann es sinnvoll sein, die Urinkonzentration zu messen. Dazu sammelt der Patient 24 Stunden lang seinen Urin in einem dafür vorgesehenen Behältnis. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Filterleistung der Niere ziehen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2017
Quellen: Wolfgang Bühmann, Facharzt für Urologie und Andrologie; Josefine Neuendorf: Das Urinsediment. Springer Verlag.

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