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Trockenwerden

So funktioniert ein Miktionstagebuch im Kinderalltag

Ein Miktionstagebuch ist das A und O einer erfolgreichen Behandlung von kindlichem Bettnässen. In einem Viertel der Fälle ist diese Maßnahme sogar allein ausreichend, damit Kinder trocken werden.

Kind trinkt Wasser
Ein Miktionstagebuch sollte immer Bestandteil der Behandlung von Bettnässen sein.

Heute ist ein Sonnentag auf dem Papier. Hoch konzentriert malt Nils die Sonne in seinem Miktionskalender gelb aus. Sie symbolisiert, dass der Sechsjährige vergangene Nacht nicht ins Bett gemacht hat. Anderenfalls hätte er es nun mit einer grauen Regenwolke zu tun. Für den Jungen ist es gar nicht so leicht, mit dem Buntstift nicht über den vorgezeichneten Rand zu kommen. Doch mit zunehmender Übung gelingt ihm das immer besser – ebenso wie das Trockenbleiben.

Nils' Mutter ging erst vor kurzem mit ihrem Sohn zu einem Urologen. Grund: Die Einschulung steht bevor. "Das ist der Zeitpunkt, wo uns die meisten Kinder vorgestellt werden", berichtet Professor Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenz-Zentrums Villingen-Schwenningen. "Wir haben aber auch immer wieder Kinder, die mit drei oder vier Jahren gebracht werden, weil sie nicht trocken sind. Hintergrund ist oft der Druck aus Kindergärten, die nur Kinder nehmen, die keine Windeln mehr tragen."

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Doch für viele Kinder sei die Zeit in dem Alter einfach noch nicht reif. Auch eine Therapie könne in so jungen Jahren körperlich nicht greifen. Bettnässen sei außerdem bis zum fünften Lebensjahr durchaus normal, sagt die Fachärztin. Somit mache auch das Führen eines Trink- und Miktionstagebuchs erst ab einem Alter von fünf überhaupt Sinn.

Miktionstagebuch ist Basis für eine erfolgreiche Therapie

Für Urologen ist ein Miktionstagebuch Verhaltenstherapie und Diagnosemittel zugleich. "Das ist wirklich das A und O für eine Therapieeinleitung. Ohne ein Miktionstagebuch hat die Behandlung keine Basis", sagt Schultz-Lampel. Je sorgfältiger Trink- und Toilettengewohnheiten protokolliert werden, umso genauer kann sich der behandelnde Urologe ein Bild machen, welche Ursache hinter dem Einnässen steckt.

Konkret wird mehrere Wochen lang aufgeschrieben, wie viel und zu welcher Uhrzeit das Kind tagsüber trinkt, wann es auf die Toilette muss, und wie viel seine Blase überhaupt fasst. Das Messen und Notieren erfordert Disziplin. Deshalb müssen Eltern ihr Kind tatkräftig unterstützen, ein Miktionstagebuch richtig zu führen. Dennoch: "Wichtigstes Prinzip dabei ist es, die Verantwortung für die Harnkontrolle dem kleinen Patienten selbst in die Hand zu legen und ihm zu ermöglichen, den Behandlungserfolg selbst zu kontrollieren", erläutert Schultz-Lampel. Allgemeine Dinge wie Motivation oder Belohnung für trockene Nächte könnten indes den Nachteil einer Problemfixierung und Stressverstärkung zur Folge haben.

Allein das Führen eines Miktionstagebuchs führe in 25 Prozent der Fälle zum Trockenwerden. Bei 80 Prozent der kleinen Betroffenen käme es zu einer wesentlichen Besserung des Bettnässen, berichtet die Urologin. "Schon das Ändern der Trinkgewohnheiten mit Verlagerung der Haupttrinkmenge in die erste Tageshälfte führt bei 50 bis 98 Prozent der Kinder zum Erfolg." Allerdings sei ein Miktionstagebuch besonders sinnvoll in Kombination mit anderen Therapieformen, rät die Spezialistin.

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Miktionstagebuch: Sticker statt Malen

Nicht immer füllt Nils sein Miktionstagebuch gern aus, obschon er sich über jede trockene Nacht freut. Am besten gefällt es ihm, den Erfolg unmittelbar zu dokumentieren, indem er ein weiteres Feld in seinem Kalender ausmalt. Doch in vielen Familien ist morgens wenig Zeit dafür: Vater und Mutter müssen zur Arbeit, das Kind in Hort oder Schule. Dennoch ist es am besten, Trink- und Urinmengen immer direkt im Miktionstagebuch zu notieren. So gerät nichts in Vergessenheit. "Oft ist es schwierig, die Kinder zum Führen eines Miktionstagebuchs zu motivieren", weiß Schultz-Lampel. Dann brauche es Überzeugungskraft, ihnen klar zu machen, dass das wichtig ist. "Ich sage ihnen: Wenn du das nicht machst, kann ich dir nicht helfen. Das klappt in der Regel gut." Übrigens: Kinder, denen Malen keinen Spaß bringt, können Smileys oder Sticker in die Kalenderblätter einkleben, um ihre Trockenheit zu dokumentieren.

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