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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Klingelhose: Hilfe bei nächtlichem Bettnässen

Für Kinder, die sich ab dem fünften Lebensjahr nachts noch einnässen, können apparative Verhaltenstherapien hilfreich sein – eine davon ist die sogenannte Klingelhose. Wie die Behandlung funktioniert und wie die Chancen auf Erfolg stehen.

Junge liegt im Bett und schläft
© Getty Images/Tara Moore

Bei nächtlichem Bettnässen (Enuresis nocturna) wird als erste Maßnahme eine urotherapeutische Beratung empfohlen. Hierbei werden einfache Methoden erarbeitet, um das Einnässen zu verbessern. Dazu gehört zum Beispiel die regelmäßige Trink- und Toilettenroutine. Schlagen die Methoden nicht an, kann eine apparative Verhaltenstherapie (AVT) folgen. Die Klingelhose® gehört zu diesen Therapieformen.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine Klingelhose®?

Die Klingelhose® ist ein Produkt der Firma STERO – als eingetragenes Markenzeichen darf diese Bezeichnung ausschließlich für STERO-Produkte verwendet werden. Es handelt sich dabei um ein Therapiegerät, das zur Behandlung von nächtlichem Bettnässen eingesetzt wird. Andere Hersteller bieten ebenfalls solche Klingelsysteme an, auch Klingelmatten kommen als Hilfsmittel zum Einsatz.

Wie funktioniert die Klingelhose®?

Klingelgeräte wie die Klingelhose® sind mit einem Feuchtigkeitssensor ausgestattet. Bei der Klingelhose® ist dieser Feuchtigkeitsfühler an einer Unterhose befestigt. Wird in der Nacht Urin abgesondert, nimmt der Sensor die Feuchtigkeit wahr und es wird ein akustisches Signal an einem Signalempfänger ausgelöst. Dieser Alarm ertönt schon bei geringen Mengen Urin. Das Kind wird davon wach und kann noch rechtzeitig zur Toilette gehen, um dort die Blase vollständig zu entleeren.

Das Kind soll mit der Hilfe des Wecksystems lernen, die Harnblasensignale im Schlaf wahrzunehmen. Ziel ist es, dass das Kind nach einiger Zeit automatisch wach wird, wenn die Blase gefüllt ist, sodass es zur Toilette gehen kann. Wichtig ist, dass das Kind wirklich jede Nacht und bei jedem Alarm aufsteht, um die Blase bewusst zu entleeren.

Klingelhose®: Ab welchem Alter?

Eine Behandlung des nächtlichen Bettnässens ist generell vor dem fünften Lebensjahr nicht erforderlich. In der Regel werden die Kinder in diesem Alter auch ohne Therapie im Laufe der Zeit trocken. Selbst nach dem fünften Geburtstag ist es nicht unbedingt sofort erforderlich, mit einer Therapie zu beginnen, wenn keine organischen Ursachen für das Einnässen vorliegen. Das Trocken werden gelingt auch dann durchaus noch ohne spezielle Maßnahmen.

Das genaue Vorgehen sollte im individuellen Fall mit der kinderärztlichen Praxis besprochen werden. Gerade wenn der Leidensdruck bei einem Kind sehr hoch ist und es zum Beispiel Angst vor Übernachtungen bei Freunden oder vor Klassenfahrten hat, ist eine Beratung hilfreich. Im Zweifelsfall kann gegebenenfalls eine Überweisung in eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgen.

Wann ist eine Klingelhose® sinnvoll?

Die Fachgesellschaften raten in ihrer Leitlinie zum Thema Einnässen bei Kindern und Jugendlichen dazu, apparative Verhaltenstherapien wie die Klingelhose® dann zu verwenden, wenn die einfachen Empfehlungen zum Trinkverhalten oder zur Führung eines Kalenders über nasse und trockene Nächte (Sonne-Wolken-Kalender) keine Wirkung zeigen. Außerdem spielt die Motivation des Kindes eine große Rolle: Klingelhose® und Co. sind nur sinnvoll, wenn das Kind bereit ist, mitzumachen und das Bettnässen selbst beenden möchte. Auch die positive Unterstützung der Familie ist ein wichtiger Bestandteil, damit die Therapie gelingt.

Da der Einsatz der Klingelhose® ebenfalls für die Eltern mit einer Störung des nächtlichen Schlafs verbunden ist, sollten die familiären Umstände bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Ist die familiäre Belastung gerade zum Beispiel aufgrund der Betreuung eines Neugeborenen ohnehin hoch, sollte die Therapie möglicherweise auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Es empfiehlt sich, vorab eine individuelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

Wie werden Systeme wie die Klingelhose® angewendet?

Wie genau das Alarmsystem funktioniert, ist abhängig vom Hersteller und muss der jeweiligen Anleitung entnommen werden. In der Regel ist Folgendes zu beachten:

  • Aufklärung und Betreuung: Die Therapie mit der Klingelhose® sollte professionell betreut werden. Außerdem ist es wichtig, dass das Kind vorab alles genau erklärt bekommt und die Möglichkeit hat, über seine Ängste und Sorgen zu sprechen.

  • Anziehen: Je nach Hersteller und Modell werden die Sensoren an unterschiedlichen Stellen positioniert. Generell handelt es sich um spezielle Unterhosen, die mit dem Sensor versehen werden. Der Signalempfänger kann zum Beispiel am Handgelenk getragen oder am Schlafanzug befestigt werden. Das akustische Signal kann auch auf einem Gerät ertönen, das sich im Badezimmer befindet, damit das Kind die Klingel nicht einfach ausschalten und weiterschlafen kann.

  • Aufwachen: Klingelt es, muss das Kind aufstehen und zur Toilette gehen. Bei kleineren Kindern oder allgemein in der Anfangsphase kann es sein, dass das Kind trotz Alarm nicht von selbst aufwacht und erst geweckt werden muss. Nach dem Toilettengang wird eine frische Unterhose angezogen und der Sensor wieder befestigt.

  • Dokumentieren: Um den Prozess zu protokollieren, wird in einem Kalender festgehalten, wie die Nächte verlaufen sind. Ist das Kind zwei Wochen am Stück trocken, kann auf die Klingelhose® verzichtet werden.

Wie lange dauert die Therapie mit der Klingelhose®?

Eine apparative Verhaltenstherapie wie der Einsatz einer Klingelhose® wird mindestens für zwei bis drei Monate durchgeführt. Eine Behandlungsdauer von 16 Wochen zu überschreiten, wird nur in Ausnahmefällen als sinnvoll angesehen.

Zeigt sich nach sechs bis acht Wochen korrekter Behandlung keine Verbesserung, sollten zusätzlich verhaltenstherapeutische Maßnahmen ergriffen oder bei fehlender Motivation die Behandlung abgebrochen werden. Gegebenenfalls kann zu einem späteren Zeitpunkt ein neuer Versuch erfolgen.

Wie erfolgreich ist die Klingelhose®?

Die Fachgesellschaften geben in ihrer Leitlinie an, dass sich bei 50 bis 80 Prozent der Kinder durch Klingelsysteme Erfolge zeigen: Zwei Drittel der Kinder werden trocken und schlafen durch, ein Drittel der Kinder wachen rechtzeitig auf und gehen zur Toilette, statt sich einzunässen. Bei 15 bis 30 Prozent der Kinder kommt es in den ersten sechs Monaten zu Rückfällen und die Behandlung mit der Klingelhose® oder einem anderen System muss erneut durchgeführt werden.

Bei motivierten Familien wird in erster Linie zu Wecksystemen wie der Klingelhose® geraten, da die Langzeiterfolge hoch sind. Schlägt die Behandlung mit der Klingelhose® aber nicht an, ist eine Therapie mit dem Medikament Desmopressin in ärztlicher Absprache denkbar. Dieses Arzneimittel reduziert die Urinmenge. Zur Therapie des nächtlichen Bettnässens kommen zudem spezielle Schulungsprogramme für das Kind und eine Betreuung in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie infrage.

Wo gibt es die Klingelhose® zu kaufen?

Klingelhosen können in Apotheken oder Sanitätshäusern erworben werden. In der Regel stellen die ärztlichen Praxen ein Rezept dafür aus und die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Was viele nicht wissen: Die Klingelhose® ist als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt registriert. Unter diesem Namen dürfen daher nur Produkte der Firma STERO vertrieben werden.

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