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Bei Harninkontinenz gibt es verschiedene Formen – je nach Ursache

Eine Harninkontinenz ist heilbar. Doch die Behandlung variiert nach Form und Ursache. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist daher, dass ermittelt werden kann, welche Form der Harninkontinenz vorliegt.

Mann und Zeichnung der Harnblase
Bei Harninkontinenz sind die verschiedenen Formen gut behandelbar, wenn ihre Ursachen bekannt sind.
© Getty Images/Tharakorn

Am häufigsten sind bei Erwachsenen die Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz. Viele Kinder leiden dagegen an einer Enuresis (Einnässen) beziehungsweise Enuresis nocturna (Bettnässen).

Artikelinhalte im Überblick:

Harninkontinenz: Welche Formen gibt es?

Belastungsinkontinenz ist häufigste Form

Körperliche Belastung oder Anspannung führt dazu, dass der Urin nicht mehr gehalten werden kann. Typischerweise geschieht dies beim Lachen, Niesen, Husten, schnellen Laufen, Treppensteigen oder Springen. Früher wurde diese Form auch Stressinkontinenz genannt.

Die Ursache hinter der Belastungsinkontinenz ist, dass die Muskulatur des Beckenbodens, das Bindegewebe und der gesamte Schließmechanismus der Blase erschlafft ist. Wenn sich der Druck auf den Bauchraum durch körperliche Belastung erhöht, reicht die Kraft nicht mehr aus, um einen Harnabgang zu verhindern. Unter Belastungsinkontinenz leiden oft übergewichtige Menschen und Frauen, die mehrere Kinder geboren haben sowie ältere Menschen. Sie ist die häufigste Form von Inkontinenz.

Dranginkontinenz ist typisch bei Männern

Die Dranginkontinenz kennzeichnet ein ungewöhnlich häufiger, plötzlicher und starker Harndrang. Er tritt auf, obwohl die Blase noch gar nicht ausreichend gefüllt ist und lässt sich nicht unterdrücken. Die Folge: Betroffene müssen ständig zur Toilette, schaffen es aber oft nicht mehr dorthin. Ursache können beispielsweise Entzündungen oder Tumore in der Blase oder Harnröhre sein. Auch Störungen in dem für die Blasenkontrolle zuständigen Gehirnteil können für einen ungewollten Urinverlust verantwortlich sein etwa nach einem Schlaganfall, bei Morbus Parkinson, Multipler Sklerose oder einem Gehirntumor. Männer leiden häufiger als Frauen unter Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz). Insgesamt betrifft sie eher ältere Menschen. Wie die Dranginkontinenz äußert sich auch die Reizblase oder überaktive Blase durch ständigen Harndrang. Oft ist Stress ein Auslöser.

Häufiger bei Frauen: die Mischinkontinenz

Oft erkranken Menschen an einer kombinierten Drang-Belastungs-Inkontinenz. Dann sind Symptome beider Formen vorhanden. Dennoch ist meist eine Problematik stärker ausgeprägt. In 37 Prozent der Fälle ist es die Belastungsinkontinenz. Die Mischinkontinenz ist bei Frauen die zweithäufigste Form der Erkrankung.

Enuresis kommt bei Kindern vor

Enuresis ist die medizinische Bezeichnung für nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna). Grund ist meist eine Verzögerung im Reifeprozess. Bei Kindern ist Enuresis häufig: In Deutschland sind zehn bis 15 Prozent der Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren betroffen. Doch auch bei Erwachsenen kommt Bettnässen vor.

Wenn sich häufig nächtlicher Harndrang meldet, spricht man von Nykturie. Diese muss nicht mit Einnässen einhergehen.

Überlaufinkontinenz

Sie entsteht, wenn der Druck in der Blase so groß ist, dass ihr Verschluss nicht mehr funktioniert. Der Grund ist oft die verminderte Dehnbarkeit der Blasenwand. Charakteristisch sind Probleme beim Urinieren, Harnträufeln, aber auch verstärkter Harndrang und häufiges Wasserlassen. Diese Form der Harninkontinenz tritt vor allem bei Männern mit Prostatavergrößerung auf. Aber auch eine Einengung der Harnblase infolge einer Verletzung oder eine neurologische Schädigung sind mögliche Ursachen. Bei Frauen kann es zu einer Überlaufinkontinenz kommen, wenn sich zum Beispiel in der Schwangerschaft die Organe des Unterleibs verlagern.

Reflexinkontinenz durch neurologische Störungen

Hier ist die Übertragung von Signalen zwischen Gehirn und Blase gestört. Das kann zum Beispiel durch eine Querschnittslähmung oder eine Operation nach einem Bandscheibenvorfall sein. Betroffene verlieren in solchen Fällen die Kontrolle über ihre Blase. Sie verspüren meist keinen Harndrang mehr und lassen unwillkürlich individuell unterschiedlich große Mengen Urin.

Extraurethrale Inkontinenz

Bei dieser Form verlieren Betroffene Urin über andere Wege als die Harnröhre. Obwohl sie normal und kontrolliert Wasser lassen können, erfolgt ein ständiger Harnverlust. Ursache sind meist angeborene oder erworbene Fisteln. Das sind krankhafte kleine Gänge, die sich im Körperinneren bilden können. Verbindet ein solcher Gang die Blase mit der Scheide oder dem Enddarm, tröpfelt der Harn durch diese nach außen.

Stuhlinkontinenz kann begleitend auftreten

Nicht zur Harninkontinenz gehörig, aber dennoch sehr verbreitet ist die Stuhlinkontinenz: Jeder Zehnte über 65 Jahren leidet daran, Männer und Frauen etwa gleich häufig. Bei der Stuhlinkontinenz kommt es zur unwillkürlichen Entleerung des Darms. Die Ursachen sind vielfältig. Viele Menschen, die unter einer Harninkontinenz leiden, sind auch von einer Stuhlinkontinenz betroffen.

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