"Mir ist es total peinlich"

Stuhlinkontinenz: Wenn Erwachsene in die Hose machen

Als Stuhlinkontinenz bezeichnet man das Unvermögen, Stuhl zurückzuhalten. Bevor man es verhindern könnte, hat man sich schon in die Hose gemacht. Drohendes Einkoten meldet sich oft durch unbeherrschbaren, plötzlichen Stuhldrang – oder noch schlimmer: Es kündigt sich überhaupt nicht an.

Frau mit Toilettenpapier
Regelmäßiges Einkoten kann unterschiedliche Ursachen haben. Bei Frauen ist oft ein schwacher Beckenboden schuld an Stuhlinkontinenz.
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"Mir ist es total peinlich, aber mir ist es jetzt schon dreimal passiert, dass ich das Gefühl hatte, einen einfachen Wind zu lassen und plötzlich war meine Unterhose mit feuchtem, weichem Stuhl gefüllt, so dass es sich sogar durch die Jeans drückte und dort einen Fleck gab." So wie dieser Nutzerin des Inkontinenz-Forums geht es vielen Menschen, und zwar nicht nur Älteren. "Mir passiert das auch oft", antwortet etwa eine weitere Nutzerin, "ist aber abgeklärt." Schuld sei bei ihr eine Beckenbodeninsuffizienz, die unter anderem durch Schwangerschaft und Geburten gefördert wird.

In solchen Fällen kommt es – für den Betroffenen oft völlig überraschend – bei starken Blähungen oder Durchfall zum Abgang von Stuhl in die Unterhose. Dabei handelt es sich noch nicht zwangsläufig um eine ausgeprägte Stuhlinkontinenz, sondern eher um das, was Ärzte eine Teilinkontinenz 1. Grades nennen. Dennoch ist die Scham über das Einkoten groß, vor allem, wenn es in der Öffentlichkeit passiert. Schließlich hinterlässt das Malheur deutliche Spuren – auch was den Geruch angeht. Doch zum Glück lässt sich gegen Stuhlinkontinenz einiges tun.

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Je nach Ursache kann sich Stuhlinkontinenz durch imperativen (plötzlichen, nicht beherrschbaren) Stuhldrang ankündigen. Das ist beispielsweise bei Betroffenen von Reizdarmsyndrom oder einer fortgeschrittenen Colitis ulcerosa der Fall. Es ist aber auch möglich, dass gerade der ausbleibende Stuhldrang – durch eine Fehlfunktion der Sensoren im Darm – für das Einkoten verantwortlich ist.

Stuhlinkontinenz kann verschiedenste Ursachen haben

Experten unterscheiden Stuhlinkontinenz

nach Stadien:

  • Teilinkontinenz 1. Grades: Stuhlschmieren bei Belastung oder Diarrhö
  • Teilinkontinenz 2. Grades: Winde und dünner Stuhl können nicht gehalten werden
  • Totalinkontinenz: völliger Kontrollverlust über den Stuhlgang

oder nach Formen:

  • primäre Stuhlinkontinenz (Neuralinkontinenz): bei Krankheiten wie Spina bifida, Morbus Hirschsprung (Stuhl staut sich und erweitert den Dickdarm), Bandscheibenvorfall, Querschnittslähmung, Demenz, Hirntumor, Multipler Sklerose, Diabetes

  • sensorische Stuhlinkontinenz: Dysfunktion der Sensoren im Analkanal und Rektum, der Stuhldrang geht verloren (zum Beispiel durch Hämorrhoiden, Anal- und Rektumprolaps oder gynäkologische Operationen oder Eingriffe am Enddarm)

  • muskuläre Stuhlinkontinenz: Verletzung oder altersbedingte Schwächung des Schließmuskels (beispielsweise Pfählungsverletzung, Dammriss, Analfistel) und speziell des Beckenbodens (zum Beispiel durch Schwangerschaft und Geburt)

  • reservoirbedingte Stuhlinkontinenz, bei der die Speicherfunktion des Rektums vermindert ist (zum Beispiel beim Kurzdarmsyndrom)

  • psychische Stuhlinkontinenz, zum Beispiel als Folge einer Psychose oder Enkopresis (Einkoten bei Kindern, die bereits sauber waren)

Waffen gegen Stuhlinkontinenz

Therapie der Stuhlinkontinenz: am besten Ursachen beheben

Bei Problemen mit Stuhlinkontinenz sollte man den Arztbesuch keinesfalls scheuen. "Wenden Sie sich an einen Arzt, der Proktologie betreibt", rät der Urologe Rainer Schikore. Das kann ein Internist, Chirurg, Urologe oder Dermatologe mit entsprechender Fachausbildung sein. Die Behandlung der Stuhlinkontinenz wird an der Ursache ausgerichtet. Folgende Therapiemaßnahmen sind denkbar:  

  • Beheben der Grunderkrankung
  • Rekonstruktion der sensorischen oder motorischen Kontinenz, zum Beispiel durch Operationen
  • künstlicher Darmausgang
  • Schließmuskeltraining: Biofeedback, Beckenbodentraining (auch postoperativ sinnvoll)
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    Mit Blasentraining lässt sich eine Reizblase in den Griff bekommen. Auch bestimmte Formen der Harninkontinenz bessern sich oft deutlich oder verschwinden sogar ganz.

Zudem ist ein Ernährungs- und Toilettentagebuch sinnvoll. So wird festgestellt, ob bestimmte Lebensmittel die Stuhlinkontinenz fördern und mit welchen Ernährungs- und Toilettengewohnheiten der Stuhlgang am besten reguliert werden kann.

Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz

Ist es nicht möglich, die Stuhlinkontinenz zu beheben, erleichtern Hilfsmittel den Alltag – ein überraschendes Malheur wird so verhindert. Der Analtampon, zum Beispiel aus Schaumstoff, wird ins Rektum eingeführt und entfaltet nach ein paar Sekunden seine volle Größe. Es kann bis zu 24 Stunden getragen werden und kommt sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern zum Einsatz. Bei Darminfektionen, Diarrhö und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa sollten Analtampons allerdings nicht verwendet werden.

Weitere Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz:

Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz können vom Arzt verschrieben werden, die Kosten übernimmt dann die gesetzliche Krankenkasse.

Beckenbodenübungen zum Mitmachen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Juni 2016
Quellen: Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch, de Gruyter, 266. Auflage

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