Unterwegs mit Inkontinenz

Blasenschwäche: Checkliste für den Urlaub

Lange Autofahrten, ein plötzlicher Stau oder hygienisch fragwürdige Toiletten: Urlaubsreisen können sich für Menschen mit Harninkontinenz oder überaktiver Blase zum Alptraum entwickeln. Gute Planung inklusive Urlaubscheckliste und schlimmstenfalls ein wenig selbstbewusste Gelassenheit schaffen Abhilfe.

Paar im Urlaub
Mit guter Vorbereitung steht dem Reisen auch bei Blasenschwäche nichts im Wege.
(c) Jeremy Maude

Kaum ein Mensch mit Blasenschwäche, der eine solche Situation noch nicht erlebt hätte: Eine lange Autofahrt, das Ziel ist nahe, die Blase meldet sich zwar schon, doch noch ist alles im Griff. Da bildet sich auf einmal ein Stau – und plötzlich werden Minuten zu Stunden. Wenn alles schief läuft, wird der Druck am Ende zu groß und das Wasser kann nicht mehr gehalten werden, es kommt zum Einnässen.

Es gibt Betroffene, die keine längeren Reisen mehr unternehmen oder sich – in schweren Fällen – kaum noch aus dem Haus trauen. Doch das muss nicht so sein! Konsequente Behandlung und der Einsatz von Hilfsmitteln können Menschen mit Inkontinenz trotz ihrer Erkrankung mobil halten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Blasenschwäche ausschöpfen

Viele Betroffene wissen, wie lange sie ohne Toilettengang durchhalten können und richten ihre Lebensführung nach diesem Intervall aus. Sie stellen sicher, dass sie in regelmäßigen Abständen Wasser lassen können oder treffen mit Hilfsmitteln wie Inkontinenzeinlagen (Vorlagen), Pants oder Windeln Vorsorge, damit es nicht zu unangenehmen Zwischenfällen kommt. In schweren Fällen resignieren jedoch auch manche Betroffenen und lassen ihr Leben vollständig von der Inkontinenz oder der Angst davor bestimmen.

Diese Reaktion ist verständlich, sollte jedoch kein dauerhafter Zustand sein. Denn die Medizin hält neben verschiedenen Behandlungsmethoden auch ein breites Spektrum an Hilfsmitteln bereit, die es den Betroffenen ermöglichen, am Alltagsleben teilzunehmen, ohne ständig alle Gedanken auf die Blasenschwäche oder Inkontinenz richten zu müssen.

Bei Kontinenzproblemen sollten insbesondere das Beckenbodentraining und Blasentraining sehr ernst genommen werden, denn eine trainierte Blase bedeutet größere Freiheiten. Mit dem Arzt und dem Sanitätshaus kann besprochen werden, welche Hilfsmittel für die jeweilige Lebenssituation am besten geeignet sind. Bei medikamentöser Behandlung sollte die regelmäßige Einnahme der Mittel beachtet werden.

Inkontinenzeinlagen immer dabei: Vorbereitung ist das A und O

Ist die Blasenschwäche bekannt und es stehen längere Fahrten ohne Toilettenzugang an, rückt eine gute Vorbereitung in den Vordergrund. Die Betroffenen sollten abwägen, welcher Aufwand angesichts ihres Inkontinenzrisikos angemessen ist. So mag es für einige Menschen übertrieben erscheinen, für die Fahrt zur Arbeit Inkontinenzeinlagen, Pants, Gummihöschen, Windeln oder Katheter einzusetzen, selbst wenn es im Berufsverkehr gelegentlich zu Staus kommt. Bei der Urlaubsreise kann diese Vorsorge unverzichtbar sein, um entspannt anzukommen.

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Allgemein gilt: Möglichst unmittelbar vor Fahrtantritt sollte die Blase noch einmal entleert werden. Auch während einer Reise kann es empfehlenswert sein, jede Gelegenheit zum Toilettenbesuch zu nutzen – selbst wenn gerade kein Harndrang besteht. Ein guter Tipp ist es, zur Sicherheit auf jede Fahrt eine Windel mitzunehmen.

Wichtig für die Anreise: eine schnell erreichbare Toilette. Planen Sie bei längeren Autofahrten bewusst Pausen auf Raststätten mit Toiletten ein. Dabei hilft Ihnen eine zuverlässige Autokarte. Reisen Sie mit dem Flieger an? Dann bestehen Sie bei der Reservierung auf einen Platz nahe der Toilette, am besten am Gang. Bei Busreisen sollten Sie in Erfahrung bringen, ob der Bus eine Toilette besitzt und wie viele Reisende sich diese teilen werden.

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke ist Pflicht

Klären Sie mit Ihrem Apotheker, ob es die üblichen Inkontinenzartikel an Ihrem Urlaubsort gibt. Sind Sie wegen Blasenschwäche auf Medikamente angewiesen? Denken Sie an einen Urlaubsvorrat. Verteilen Sie diesen je nach Bedarf auf das Handgepäck, falls Ihr Gepäck verspätet ankommt (bei Flugreisen). Eine gut ausgestattete Reiseapotheke ist bei Inkontinenz Gold wert.

Denken Sie an Medikamente gegen Harnwegsinfektion und gegen Durchfall. Auch wenn gerade keine Toilette nicht in Aussicht ist: immer genügend trinken! Schränken Sie Ihre Trinkmenge nicht ein, damit Sie sich Toilettengänge sparen. Gerade in warmen Ländern und bei körperlicher Aktivität braucht der Körper mehr Flüssigkeit. Bekommt er sie nicht, drohen schwere Kreislaufprobleme bis hin zum Kollaps.

Gerade bei Reisen ins Ausland lässt sich vorab nicht immer klären, ob die benötigten Hilfsmittel am Zielort erhältlich sind. Im Zweifelsfall ist es dann ratsam, den Bedarf für die gesamte Reisedauer von zu Hause mitzubringen, um sicherzustellen, dass der Urlaub nicht mit der verzweifelten Jagd nach Hygieneartikeln zugebracht werden muss.

Schwimmen bei Blasenschwäche

Vor allem im Sommer fällt es schwer, wegen einer Blasenschwäche aufs Schwimmen zu verzichten. Unser Tipp: Um das Badevergnügen zu genießen, schauen Sie, wo in der Nähe des Schwimmbeckens oder der Badestelle die Toiletten sind. Mittlerweile gibt es bei Inkontinenz spezielle Badebekleidung mit einem eingearbeiteten Slip. Verwenden Sie ruhig zusätzlich eine Einwegbinde. Generell muss auch bei Harninkontinenz auf Sport nicht verzichtet werden. In diesem Artikel erfahren Sie mehr darüber.

Unterkühlungen – hervorgerufen durch nasse Badesachen oder bauchfreie Mode – schwächen die Abwehrkräfte des Körpers. Die Infektionsanfälligkeit steigt. Keimen gelingt es damit leicht, in den Körper einzudringen. Sie erhöhen das Risiko einer Harnwegsinfektion, die Inkontinenz verstärken kann.

Blasenschwäche: Checkliste für den Urlaub

Je besser geplant der Urlaub ist, desto sorgenfreier wird er. Diese Checkliste fasst alle wichtigen Vorbereitungen zusammen:

  • Wie wichtig ist es, dass ständig eine Toilette in der Nähe ist? Braucht man das stille Örtchen häufig, sind Reiseländer mit gutem Hygiene-Standard zu empfehlen. Doch auch bei leichteren Formen von Blasenschwäche ist es ratsam, sich über die sanitären Zustände im Urlaubsland zu informieren.

  • Auch während der Reise muss es möglich sein, schnell eine Toilette zu erreichen. Bei längeren Autofahrten lassen sich Pausen mit Karten planen, auf denen Raststätten verzeichnet sind. Bei einer Flugreise empfiehlt es sich, Sitzplätze in Nähe der Toilette zu reservieren – besonders geeignet sind Plätze am Gang. Wer eine Busreise plant, fragt am besten, ob es im Bus eine Toilette gibt und wie viele Reisende sich diese teilen müssen.

  • Auch genügend Kleingeld für die Toilette gehört in die Tasche. Das spart eine Menge Zeit, wenn es die Blase besonders eilig hat.

  • Ins Reise-Handgepäck gehören Inkontinenzeinlagen und Ersatz-Unterwäsche. Auch ein Einmalwaschlappen leistet gute Dienste. Das gilt übrigens auch für Ausflüge am Urlaubsort selbst.

  • Ob es die gewohnten Inkontinenzartikel am Urlaubsort gibt und wie die Produkte dort heißen, lässt sich am besten noch zu Hause gemeinsam mit einem Apotheker klären.

  • Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, braucht ebenfalls genügend Vorrat für den Urlaub. Eine kleine Reserve im Handgepäck ist sinnvoll für den Fall, dass sich die Koffer verspäten.

  • Apropos Blasenentzündung: unbedingt an angemessene Kleidung denken. Auch in warmen Ländern können die Abende kühl werden.

  • Eine gut ausgestattete Reiseapotheke lindert vor Ort viele Beschwerden, die sich anderenfalls zu einem echten Problem auswachsen könnten. Durchfall etwa ist gerade bei Harninkontinenz kein idealer Reisebegleiter.

  • Im Urlaub genügend trinken: Es liegt nahe, die Trinkmenge einzuschränken, um seltener auf die Toilette zu müssen. Doch dies ist auch bei Blasenschwäche keine gute Idee. Denn in warmen Ländern und bei körperlicher Aktivität braucht der Körper mehr Flüssigkeit. Vermeiden sollte man besonders vor Ausflügen und am Abend harntreibende Getränke wie Mineralwasser mit Kohlensäure, Kaffee oder schwarzen Tee.

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Und wenn doch einmal etwas schief geht?

Viele Menschen mit Blasenschwäche haben schon einmal erlebt, dass trotz aller Vorkehrungen jede Hilfe zu spät kam – womöglich noch in der Öffentlichkeit. Eine solche Situation ist ihnen dann sehr peinlich. Doch sie ist auch kein Grund, "im Erdboden zu versinken". Denn mehr Erwachsene, als gemeinhin bekannt, haben Blasenprobleme und waren selbst schon einmal von einem entsprechenden Malheur betroffen.

Toiletten lassen sich nun einmal nicht herbeizaubern, und nicht immer können alle Eventualitäten bedacht werden. Es gilt dann abzuwägen, wie am besten mit der Misere umgegangen werden kann. Vielleicht ist es tragbarer, öffentlich oder halböffentlich Wasser zu lassen, als den restlichen Tag in eingenässter Kleidung verbringen zu müssen? Viele Menschen werden auch zur Hilfe bereit sein, etwa als Sichtschutz, wenn das Problem offen angesprochen wird. Denn es gibt niemanden, der die Not von Harndrang nicht kennt. Und wem dabei etwas in die Hose geht, der weiß zumindest, dass er mit dieser Erfahrung nicht allein ist.

Sieben sanfte Hilfen für eine starke Blase

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. Juni 2016
Durch:
Quellen: Nach Informationen von MedlinePlus („urinary incontinence“); Coyne, K.S.; et al. "We have to stop again?!": The impact of overactive bladder on family members. Neurourol Urodyn. 2009; 28: 969-75; Frick, A.C.; et al. Mixed urinary incontinence: greater impact on quality of life. J Urol. 2009 Aug; 182: 596-600; sowie Betroffenentipps aus dem Lifeline-Forum Harninkontinenz (http://www.special-harninkontinenz.de/harninkontinenz/forum/actionViewBoard.html?board=45&page=1&tpp=20&tpp=20 )

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