Lieber Yoga als Tennis

Sport ist auch mit Blasenschwäche möglich

Sport kann den Beckenboden belasten, ihn aber auch stärken. Deshalb gilt grundsätzlich: Auch bei Blasenschwäche ist Sport empfehlenswert, konsequentes Beckenbodentraining sogar ein Muss. Welches Training bei Inkontinenz richtig gut tut und welche Sportarten man besser meiden sollte.

Älteres Paar beim Schwimmen
Schwimmen, aber auch Radfahren oder Wandern eignen sich gut als Sport bei Blasenschwäche.
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Bewegung trainiert Herz und Kreislauf, hält jung und hebt die Laune. Doch manchmal ist es gerade der Sport, der eine Blasenschwäche zutage fördert: Beim Laufen oder Springen geht plötzlich unkontrolliert Urin ab. Wer das schon einmal erlebt hat, der fragt sich natürlich: Kann ich diese Sportart überhaupt noch treiben? Und tatsächlich: Sportliche Aktivität kann Inkontinenz sogar fördern. "Es ist ein Vorurteil, dass eine trainierte Frau nicht inkontinent wird", sagt Professorin Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenz-Zentrums Villingen-Schwenningen. Es gebe Bewegungen, die eine Blasenschwäche begünstigen und verschlimmern.

Joggen und Tennis sind bei Blasenschwäche ungeeignet

Grundsätzlich sind bei Blasenschwäche alle Sportarten zu empfehlen, die den Beckenboden stärken oder ihn zumindest entlasten. Dazu zählen Schwimmen, Radfahren (vor allem auf ebener Strecke), Wandern, Gehen und die flottere Variante Walking, Yoga, Bauch-Beine-Po-Trainings und andere Gymnastik. Apropos Gymnastik: Beim Training der Bauchmuskeln sollte immer darauf geachtet werden, gleichzeitig die Muskulatur des Beckenbodens anzuspannen. Besser geht das natürlich, wenn die Beckenbodenmuskulatur bereits gekräftigt ist. Wie man den Beckenboden trainiert, erfahren Sie hier.

Ungünstig bei Harninkontinenz sind Sportarten, die mit Hüpfen, Springen, Aufprallbewegungen oder vielen Starts und Stopps verbunden sind. Von Tennis, Squash, High-impact-Aerobic, Karate, aber auch vom Joggen raten Inkontinenz-Experten daher ab.

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    Mit Blasentraining lässt sich eine Reizblase in den Griff bekommen. Auch bestimmte Formen der Harninkontinenz bessern sich oft deutlich oder verschwinden sogar ganz.

Sportlerinnen leiden oft an Inkontinenz

Dass manche Sportarten Inkontinenz nicht bessern, sondern im Gegenteil fördern, belegt eine dänische Untersuchung. Wissenschaftler der Kopenhagener Universität befragten dabei 291 Leistungssportlerinnen zu dem Thema. Sie kamen zu dem Schluss, dass Inkontinenz bei Athletinnen und Tänzerinnen ein verbreitetes Phänomen ist. Es zeigte sich, dass 51,9% der Befragten von Blasenschwäche geplagt wurden. 43% verloren beim Sport unkontrolliert Urin, 42% auch sonst.

Doch während nur 0,8% der Frauen im Alltag regelmäßig einnässten, waren es beim Sport immerhin 9,6%. Besonders betroffen waren Turnerinnen (56%), gefolgt von Balletttänzerinnen (43%) und Aerobic-Fans (40%). Die Studie entlarvt überdies eine weitere gängige Ansicht als falsch. Inkontinenz ist keine Frage des Alters, wie viele meinen. Die befragten Sportlerinnen waren im Schnitt erst 22,8 Jahre alt.

Auf einen weichen Untergrund und gedämpfte Sportschuhe achten

Wer bei sich eine Blasenschwäche feststellt und auf den geliebten Sport nicht verzichten möchte, der sollte sich zunächst mit einem Arzt beraten. Der kann den Schweregrad der Blasenschwäche einschätzen und beurteilen, ob der bisher betriebene Sport in vernünftiger Dosierung weiterhin möglich ist.

Natürlich sollte die Beckenbodenmuskulatur besonders dann konsequent kräftigt werden, wenn ihr auch mal "Unvernünftiges" zugemutet wird. Außerdem sollte auf geeignete Bedingungen beim Sport geachtet werden: Ein Sandplatz ist zum Tennisspielen besser als ein Hartplatz, gut gedämpftes Schuhwerk empfiehlt sich ebenso beim Joggen und bei der Aerobic. Aber auch alternative Sportarten sollten geprüft werden: Vielleicht macht Walken einem genauso viel Spaß wie Joggen oder statt High-impact-Aerobic kann es bei Inkontinenz auch das weniger schwungvolle Low-impact-Aerobic sein, bei dem immer ein Fuß auf dem Boden bleibt.

Ein kräftiger Beckenboden bessert Inkontinenz

Zum sportlichen Grundprogramm bei Blasenschwäche, vor allem bei der Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz), gehört ein konsequentes Beckenbodentraining. Spezielle Übungen kräftigen dieses Muskelgeflecht. Das hat sich besonders bei inkontinenten Männern, zum Beispiel nach Entfernung der Prostata, und bei Belastungsinkontinenz bewährt. Letztere trifft häufig Frauen, deren Beckenboden etwa durch Schwangerschaften erschlafft ist. Viele Volkshochschulen und Sportvereine bieten spezielle Beckenbodenkurse an. Sie haben den Vorteil, dass die Teilnehmer lernen, die Übungen auch wirklich richtig ausführen. Doch auch für das Üben zu Hause gibt es inzwischen gut illustrierte Ratgeber. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Übungen gegen die Blasenschwäche regelmäßig absolviert werden – am besten 15 Minuten täglich.

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    Auch bei männlicher Inkontinenz kann der Beckenboden eine Rolle spielen. Zum Glück lässt er sich durch gezielte Übungen kräftigen.

Yoga hilft gegen Blasenschwäche

Yoga hilft auf verschiedene Weise bei Harninkontinenz. Eine Studie hat gezeigt, dass nicht nur der Beckenboden gestärkt, sondern durch die Entspannung auch Belastungsinkontinenz belindert wird. "Yoga nutzen viele Menschen, um Achtsamkeit zu erlernen, zur Entspannung und gegen Angst sowie Stress", sagt Alison Huang von der Universität San Francisco. "Es hilft jedoch auch gegen chronische Schmerzen – und jetzt hat sich herausgestellt, dass es außerdem gegen Inkontinenz helfen könnte."

Die Wissenschaftlerin führte eine Studie mit Frauen durch, die alle älter als 40 Jahre waren und an Harninkontinenz litten. Ein Teil der Probandinnen absolvierte ein sechswöchiges Yoga-Training, die Kontrollgruppe nicht. Vor und nach dem Training wurden alle Teilnehmerinnen ausführlich über ihre Beschwerden befragt. Es zeigte sich deutlich, dass sich die Blasenprobleme bei jenen, die Yoga gemacht hatten, wesentlich gebessert hatten: Ihre Beschwerden in diesem Bereich hatten um 70 Prozent abgenommen, in der Kontrollgruppe dagegen nicht. Vor allem Belastungsinkontinenz war deutlich reduziert geworden.

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