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Geeignete Bewegung

Blasenschwäche und Sport: Joggen trotz Inkontinenz?

Urinverlust beim Joggen? Wer unter einer Blasenschwäche leidet, kann solche Beschwerden beim Sport durchaus bemerken. Trotzdem sollten Sie nicht gänzlich auf Bewegung verzichten. Wir verraten, welcher Sport bei Inkontinenz guttut.

Mann und Frau gehen Joggen
© GettyImages/Martin Novak

Sport bei Blasenschwäche ist für viele Betroffene ein heikles Thema. Kein Wunder, denn wer unter einer Harninkontinenz leidet, kann beim Hüpfen oder Laufen tatsächlich Urin verlieren. Die gute Nachricht: Es gibt Sportarten, die den Beckenboden entlasten oder stärken und damit sogar die Beschwerden einer Blasenschwäche verbessern. Sportlich aktiv zu bleiben, lohnt sich daher gleich mehrfach: Denn regelmäßige Bewegung beugt zusätzlich Übergewicht vor, hält Herz und Hirn fit.

Artikelinhalte im Überblick:

Beckenbodentraining: Sechs Übungen bei Harninkontinenz

Blasenschwäche beim Sport – was nun?

Generell ist es keine Seltenheit, dass eine Blasenschwäche gerade beim Sport in Erscheinung tritt, denn jetzt wird der Beckenboden vermehrt beansprucht. Ist er nicht stark genug, äußerst sich dies durch einen ungewollten Urinverlust. Besonders die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) meldet sich unter diesen Umständen. Hier kann der unwillkürliche Harnabgang auch schon beim Husten oder Niesen auftreten, da ein erhöhter Druck im Bauchraum entsteht, dem der geschwächte Verschlussmechanismus der Blase nicht mehr standhalten kann. Athletinnen und Athleten, die exzessiv Sport treiben, haben ebenfalls mit solchen Symptomen zu kämpfen.

Auch wenn der Beckenboden zum Beispiel aufgrund von Schwangerschaft und Geburt erst wieder zu seiner alten Form zurückfinden muss, kann sich dies durch eine Inkontinenz beim Sport bemerkbar machen. Um bleibenden Beschwerden vorzubeugen, ist das Rückbildungstraining daher ausgesprochen wichtig und sollte keinesfalls ausgelassen werden. Bei Männern können die Beschwerden zum Beispiel nach einer Prostata-Operation auftreten.

Wer bei sich selbst eine Blasenschwäche feststellt und auf den geliebten Sport nicht verzichten möchte, sollte sich zunächst ärztlich beraten lassen. Eine ärztliche Untersuchung ist erforderlich, um den Ursachen der Harninkontinenz auf den Grund zu gehen und sie entsprechend zu behandeln. Hierbei kann auch der Schweregrad der Blasenschwäche eingeschätzt werden und es lässt sich beurteilen, ob der bisher betriebene Sport in vernünftiger Dosierung weiterhin möglich ist.

Sport bei Blasenschwäche: Welches Training?

Grundsätzlich sind bei Blasenschwäche alle Sportarten zu empfehlen, die den Beckenboden stärken – wie Yoga oder Pilates. Außerdem sind Sportarten wie Schwimmen oder Aquafitness gut geeignet, weil der Beckenboden dabei entlastet wird. Ungünstig bei Harninkontinenz sind Sportarten, die mit Hüpfen, Springen, Aufprallbewegungen oder vielen Starts und Stopps verbunden sind.

Geeignete Sportarten bei Inkontinenz:

  • Schwimmen
  • Aquafitness
  • Radfahren
  • Wandern
  • Gehen
  • Walking
  • Crosstrainer
  • Yoga
  • Pilates
  • Gymnastik
  • eventuell Joggen

Ungeeignete Sportarten bei Inkontinenz:

  • Tennis
  • Squash
  • Karate
  • Fußball
  • Volleyball
  • Handball
  • High Intensity Training (HIIT)
  • eventuell Joggen

Allerdings gilt hier: Ob eine Sportart wirklich komplett ungeeignet ist, richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild und bedarf einer ärztlichen Absprache. Bei einer leichten Blasenschwäche kann es zum Beispiel durchaus erlaubt sein, in moderatem Tempo auf einem weichen Untergrund zu joggen, wenn zusätzlich regelmäßiges Beckenbodentraining erfolgt. Außerdem lassen sich die Bedingungen häufig etwas beckenbodenfreundlicher gestalten: Volleyball spielen auf einem Sandplatz, Schuhwerk mit einer guten Dämpfung beim Joggen, Low-Impact-Aerobic, bei dem immer ein Fuß am Boden bleibt.

In extremen Fällen – vor allem wenn es zur Absenkung innerer Organe wie Gebärmutter oder Blase gekommen ist – sollte jede sportliche Aktivität erst dann ausgeführt werden, wenn die ärztliche Erlaubnis erteilt wurde. In solchen Fällen kann sich zum Beispiel bereits das Training der geraden Bauchmuskeln negativ auf den Beckenboden auswirken und ist daher zu vermeiden. In speziellen Beckenbodenzentren kann ein individueller Therapieplan erstellt werden.

Beckenbodentraining als Sport bei Blasenschwäche

Bewusst etwas für seinen Beckenboden zu tun, ist in den meisten Fällen der Blasenschwäche empfehlenswert – und lohnt sich für Jung und Alt! Das gezielte Beckenbodentraining kann je nach Diagnose verordnet werden und wird in diesen Fällen von der Krankenkasse übernommen. Trainiert wird unter Anleitung von geschultem Personal etwa in physiotherapeutischen Praxen. Auch Fitnessstudios oder Volkshochschulen bieten Kurse an, in denen dem Beckenboden die volle Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Harninkontinenz-Beschwerden lassen sich durch das Training verbessern und einer Verschlimmerung der Symptome kann dadurch effektiv vorgebeugt werden. Wichtig ist, die Übungen regelmäßig zu absolvieren. Neben der Kursteilnahme empfiehlt sich daher ein tägliches Training zu Hause. Das geht sogar ganz einfach bei typischen Alltagstätigkeiten wie beim Heben, Hinsetzen, Aufstehen oder Tretengehen: Hierbei sollte der Beckenboden stets bewusst angespannt werden. Auch beim Zähneputzen, in der U-Bahn oder beim Telefonieren kann man den Beckenboden durch mehrmaliges Anspannen und Entspannen nebenbei kräftigen. Voraussetzung ist, dass zuvor die Grundkenntnisse erworben wurden, wie genau sich die Muskulatur überhaupt aktivieren lässt. Denn viele Frauen und Männer müssen erst einmal ein Bewusstsein für ihren Beckenboden erlangen.

Inkontinenzhilfsmittel beim Sport

Die Scham davor, bei sportlichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit oder gar in einer Gruppe plötzlich Urin zu verlieren, ist groß. Doch auch mit Inkontinenz-Beschwerden muss man sich nicht scheuen. Es gibt viele Inkontinenzprodukte, die für solche Fälle eine zusätzliche Sicherheit bieten. Bestimmte, optisch diskrete Einlagen saugen den Urin zuverlässig auf. Auffangsysteme für Männer können zum Beispiel beim Radfahren oder Golfen getragen werden, auch für den Schwimmsport gibt es entsprechende Lösungen.

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