Sakralnerven-Stimulation

Implantat ermöglicht Blasenkontrolle

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Ein Blasenschrittmacher kann ein Schritt zu einer Teilnahme am normalen Leben sein.
Getty Images/Polka Dot RF

Ein Schrittmacher ist eine Option für Menschen mit überaktiver Blase, denen Medikamente und Operationen keine Linderung bringen. Das kleine implantierte Gerät stimuliert die Nerven, die die Harnblase steuern.

Hilfe bei überaktiver Blase

Hildegard Weise* geht wieder aus dem Haus, sogar zum Joggen. Jahrelang hatte sie sich wegen ihrer Blasenschwäche mehr und mehr zurückgezogen. Keine Therapie, kein Medikament, keine Operation konnte ihr helfen. Erst ein Blasenschrittmacher brachte Besserung und ermöglicht es Hildegard Weise, ein normales Leben zu führen.

Noch ist diese Inkontinenz-Therapie wenig bekannt: Nur rund 300 Blasenschrittmacher implantieren Ärzte derzeit pro Jahr in Deutschland. Dabei könnte der kleine Impulsgeber mindestens 10.000 Patienten pro Jahr helfen, schätzt Prof. Dr. Burkhard von Heyden von den SLK-Kliniken in Bad Friedrichshall, Baden-Württemberg. Andere Experten sprechen sogar von 50.000 bis 100.000 Patienten in Deutschland. Von einem Blasenschrittmacher können Menschen mit überaktiver Blase profitieren, da die Methode unwillkürlichen Urinverlust ebenso mindert wie den plötzlichen oder häufigen Drang, zur Toilette zu müssen. "Außerdem wird das Gerät von Chirurgen erfolgreich bei Patienten mit Stuhlinkontinenz und chronischer Verstopfung eingesetzt", sagt von Heyden.

Die genaue Wirkweise ist unbekannt

Ein Blasenschrittmacher funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein Herzschrittmacher: Er sendet permanent schwache elektrische Impulse. Mit ihrer Hilfe dirigiert der Blasenschrittmacher diejenigen Nervenfasern, die Befehle zwischen Gehirn und Blase als elektrische Signale senden, und verhindert, dass ungewollt Harn oder Stuhl abgeht. Das geschieht über das Rückenmark. "Doch wie es genau funktioniert, wissen wir nicht. Die Sakralnerven, die die Blase steuern, führen jeweils zirka 60.000 einzelne Nervenfasern", gibt Urologe von Heyden zu bedenken. Durch die Stimulation arbeiten die Nerven dann so, wie sie es von Natur aus tun würden.

Erst ein Probelauf, dann die Implantation

Ein Blasenschrittmacher ist rund vier Mal fünf Zentimeter groß und knapp acht Millimeter flach. Bevor das Gerät in den Körper implantiert wird, findet eine Probestimulation statt, die mehrere Tage bis Wochen dauern kann. Dazu platziert der Arzt eine Elektrode in die Nähe der Sakralnerven im Kreuzbein - die Methode heißt daher auch sakrale Neurostimulation. Dann verbindet er die Elektrode mit dem Impulsgerät. Während des Tests trägt der Patient den Schrittmacher außerhalb des Körpers an einem Gürtel. Erst wenn sich die Therapie als erfolgreich erweist, implantiert der Arzt den Blasenschrittmacher dauerhaft unter die Haut. Die meisten Patienten tragen das Gerät im Gesäß, alternativ kann es auch in der unteren Bauchgegend eingesetzt werden.

Batterie muss nach einigen Jahren getauscht werden

Strom bekommt das Implantat aus einer kleinen Batterie. Je nach Verbrauch hält sie etwa fünf bis neun Jahre, dann muss sie ausgetauscht werden. Das geschieht bei einem kleinen operativen Eingriff, der knapp 15 Minuten dauert. Von den elektrischen Impulsen des Implantats merken die Patienten nur wenig. So berichtet Hildegard Weise lediglich von einem leichten Kribbeln in der Vagina, wenn sich der Schrittmacher einschaltet.

Der Arzt programmiert die Stimulationswerte des Blasenschrittmachers jeweils individuell. Der Patient erhält dann eine "Fernbedienung", um seinen Blasenschrittmacher zu steuern. Damit kann er das Gerät an- oder ausschalten und - falls nötig - die Stärke der Impulse innerhalb definierter Grenzen verändern. * Name geändert

Autor: Martina Janning
Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2009
Quellen: Nach Informationen von Prof. Dr. Burkhard von Heyden, Urologe und Chefarzt an den SLK-Kliniken in Bad Friedrichshall, Medtronic und Aktion Meditech

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