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Warnzeichen erkennen

Urinfarbe: Was bedeuten Aussehen und Geruch?

Gesunder Urin ist gewöhnlich transparent, wasserklar bis dunkelgelb. Seine Beschaffenheit kann variieren – je nach Flüssigkeitsaufnahme und Ernährung. Auch Medikamente und Krankheiten beeinflussen Aussehen und Geruch des Harns. Rötlicher, sehr dunkler oder trüber Urin sollte ärztlich abgeklärt werden.

Blut im Urin
Blut im Urin sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um ernste Ursachen auszuschließen.
© iStock.com/rupp

Harn sieht nicht immer gleich aus: Morgens ist er meist dunkler, während er den restlichen Tag über klarer ist. Die gelbliche Farbe, die Urin in der Regel hat, entsteht unter anderem durch Abbauprodukte des roten Blutfarbstoffs. Je gelber der Urin ist, desto höher konzentriert liegen diese sogenannten Urochrome im Urin vor: Die Konzentration und damit auch die Farbe verändert sich je nach Trinkmenge.

Morgenurin ist meist dunkelgelb und stark konzentriert, da während des Schlafs keine Flüssigkeit aufgenommen wird. Er eignet sich deshalb besonders gut für diagnostische Zwecke.

Artikelinhalte im Überblick:

Urin: Farbe und Geruch sind Indikator für Gesundheit

Urinfarbe: Veränderungen nicht immer ein Grund zur Sorge

"Es gibt eine relativ hohe Variationsbreite in der Farbe des Urins. Alles von wasserklar bis dunkelgelb gilt als normal und ist abhängig von der Trinkmenge", erklärt Wolfgang Bühmann, Facharzt für Urologie. Vom Geschlecht hängen Farbe und Geruch des Urins nicht ab: "Der Stoffwechsel von Männern und Frauen funktioniert gleich." Allerdings können sich Unterschiede in der Ernährung oder dem Trinkverhalten auswirken.  

Man muss sich also keine Sorgen machen, wenn der Urin unterschiedliche Farben annimmt – "es sei denn, er hat ganz deutliche Farbveränderungen wie braun, rötlich, orange, blau oder grün", sagt Bühmann. In solchen Fällen sollte man den Arzt aufsuchen, denn es könnten ernsthafte Krankheiten und Infektionen dahinterstecken.

Tabelle: Was bedeutet diese Urinfarbe?

Bemerkt man Veränderungen in der Farbe des Urins, kommt es dennoch leicht zu Unsicherheit: Ist das noch normal oder sollte ärztlicher Rat eingeholt werden? Das bedeuten die jeweiligen Farben:

  • Dunkelgelber bis orangefarbener Urin: Urin von oranger Farbe entsteht, wenn man zu wenig getrunken hat, die Konzentration des Harnfarbstoffs also recht hoch ist. Es sind aber auch ernstere Ursachen möglich: "Wenn der Gallenfarbstoff Bilirubin im Urin auftaucht, dann kann eine Störung des Gallenabflusses oder eine Lebererkrankung verantwortlich sein. Dann wird der Urin orange, manchmal auch braun", sagt der Experte. Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-B-Präparate können sich auf die Farbe des Harns auswirken. Dann wird er mitunter neongelb bis grünlich, was jedoch harmlos ist.

  • Rötlicher bis rotbrauner Urin: Zwar färben auch bestimmte Lebensmittel wie Blaubeeren oder Rote Bete den Urin pink bis rötlich. Jedoch: "Eine rötliche Farbe lässt prinzipiell an Blut denken und ist Anlass, einen Arzt aufzusuchen, um die nicht harmlosen Ursachen auszuschließen", rät Bühmann.

  • Brauner, dunkler Urin: Eine Braunfärbung des Harns kann auf Lebererkrankungen hindeuten und sollte daher ernst genommen werden.

  • Blauer oder grüner Urin: Manche genetischen Krankheiten oder eine Bakterieninfektion können zu blauem oder grünem Urin führen. "Möglicherweise stecken auch Medikamente dahinter", sagt Urologe Bühmann.

Geruch, Trübung und Beschaffenheit: Weitere Warnzeichen für Erkrankungen

Nicht nur die Farbe des Harns kann Hinweise auf bestimmte Krankheiten oder den allgemeinen Gesundheitszustand geben, auch Konsistenz und Geruch können wichtige Indizien bei der Diagnostik sein.

Trüber Urin: ärztliche Abklärung ratsam

"Trüber Urin lässt immer darauf schließen, dass Feststoffe enthalten sind", so Bühmann. Das können Eiweißpartikel, etwa Fibrin aus der Blase, oder Abbauprodukte von Bakterien sein. "Diese Substanzen gehören grundsätzlich nicht in den Urin. Daher sollten eine Trübung oder Flocken im Urin immer Anlass geben, ihn untersuchen zu lassen." Mitunter stecke eine Infektion oder Stoffwechselerkrankung dahinter. Handelt es sich nicht um frischen Harn, kann eine Trübung darauf zurückzuführen sein, dass mit dem Erkalten Salze und Kristalle ausgefallen sind.

Schaumiger Urin

"Bildet sich beim Entleeren in der Toilette Schaum auf dem Harn, kann eine Nierenerkrankung dahinterstecken", sagt Bühmann. Es sei aber auch ein harmloser wasserbindender Effekt im Urin denkbar.

Fettschicht auf dem Urin

Wird Fett mit dem Urin ausgeschieden (Lipidurie), kann das auf Schädigungen des Nierenkörperchens zurückgehen. Es handelt sich mitunter aber auch um Rückstände von Zäpfchen und Salben, schreibt Josefine Neuendorf, Dozentin für Labordiagnostik, in ihrem Buch "Das Urinsediment".

Wenn Urin streng riecht

Der Uringeruch variiert wie die Farbe entsprechend seiner Konzentration, die vor allem von der Trinkmenge abhängt. Auch Lebensmittel, allen voran Spargel, hinterlassen bei vielen Menschen eine spezifische Duftnote: Dann fehlt ein Enzym, das die im Spargel enthaltene Asparagusinsäure abbaut. "Das ist nicht krankhaft, sondern gibt sich wieder, wenn der Spargel beziehungsweise die Asparagusinsäure ausgeschieden ist", beruhigt Experte Bühmann. Andere Lebensmittel beziehungsweise Produkte, etwa Tropenfrüchte, Gewürze oder Vitaminpräparate können einen aromatischen, schokoladigen Uringeruch auslösen, so Labordiagnostikerin Neuendorf.

Riecht Harn sehr streng oder unangenehm, deutet das auf Abbauprodukte von Bakterien oder Substanzen aus dem Stoffwechsel hin, die wiederum Zeichen für Krankheiten sein können. "Dann sollte man den Urin im Zweifelsfall untersuchen lassen", rät Bühmann. Eitergeruch, der meist mit grünem oder dickflüssigem Harn einhergeht, gehört ebenfalls sofort ärztlich abgeklärt.

Trüber, dunkler oder übelriechender Urin: Wie wird Harn untersucht?

Um ernsthafte Ursachen auszuschließen, wird der Urin zunächst mit einem Teststreifen untersucht. "Nierenspezialisten wie Urologen und Nephrologen analysieren den Urin auch unter dem Mikroskop auf Bestandteile, die nicht hineingehören, etwa weiße oder rote Blutkörperchen sowie Bakterien", erklärt Bühmann. Zudem kann es sinnvoll sein, die Urinkonzentration zu messen. Dazu wird der Urin 24 Stunden lang in einem dafür vorgesehenen Behältnis gesammelt. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Filterleistung der Niere ziehen.

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