Diagnostik bei Blasenschwäche

Blasenspiegelung und Uroflowmetrie: Die wichtigsten Untersuchungen bei Inkontinenz

Blasenspiegelung, Uroflowmetrie, Blasendruckmessung – so heißen Methoden, mit denen Ärzte Harninkontinenz diagnostizieren. Die Namen der Untersuchungen klingen befremdlich, doch Grund zum Fürchten besteht nicht.

Arzt vor dem Laptop
Zur Diagnose von Harninkontinenz gibt es etliche Verfahren, die in der Regel völlig schmerzfrei sind.
Klaus Tiedge Fotografie

Viele Menschen tun sich schwer, wegen ihrer Blasenschwäche einen Urologen aufzusuchen. Zum einen schämen sie sich, ihre intimsten Körperzonen herzeigen und über sie sprechen zu müssen. Zum anderen befürchten sie, dass die Untersuchungen unangenehm oder sogar schmerzhaft sind. Doch diese Sorge ist unbegründet. Die Diagnose einer Harninkontinenz verursacht in der Regel keine Schmerzen. Deshalb sollten Sie sich ein Herz fassen und Ihre Scham überwinden. Lassen Sie einen Arzt die genaue Ursache Ihrer Inkontinenz ermitteln. So kann er die Therapie darauf abstimmen und Ihre Beschwerden bessern.

Anamnese und körperliche Untersuchungen bei Blasenschwäche

Zunächst wird der Urologe mit Ihnen sprechen. Er lässt sich Ihre Beschwerden ausführlich schildern und fragt nach anderen Erkrankungen. Danach untersucht der Doktor Ihren Körper. Er wird sich Ihren Unterleib genau ansehen und abtasten. Um auszuschließen, dass eine Entzündung schuld ist an dem unfreiwilligen Harnabgang müssen Sie sicher eine Urinprobe abgeben, die dann in einem Labor analysiert wird. Vermutlich bittet Sie der Urologe einen Inkontinenz-Fragebogen auszufüllen und über zwei bis drei Tage ein Miktionsprotokoll zu führen, in dem Sie Ihre Trinkgewohnheiten, Toilettengänge und Ihre Beschwerden notieren.

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Um die Ursache Ihrer Blasenprobleme zu finden, kann der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durchführen. Welche er wählt, hängt vom Einzelfall ab. Damit Sie wissen, was sich hinter den Diagnoseverfahren verbirgt, haben wir die gebräuchlichsten Methoden zusammengestellt:

Ultraschall (Sonografie)

Die Untersuchung ist gut geeignet, um krankhaften Veränderungen beispielsweise an den Nieren, am Harnleiter, an der Harnblase oder den Hoden auf die Spur zu kommen. Bei einer Sonografie setzt der Arzt einen Ultraschallkopf dort auf die Haut, wo sich das Organ befindet, das er untersuchen will. Zuvor bestreicht er den Ultraschallkopf mit einem Kontaktgel, um die Bildübertragung zu verbessern. Das Ultraschallgerät macht Fotos von den betreffenden Stellen im Körperinneren und druckt sie aus.

Restharnbestimmung

Mit ihr kann der Mediziner die Menge Harn feststellen, die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt. Normalerweise entleert sich die Blase beim Urinieren fast vollständig. Restharn ist ein Zeichen für eine Entleerungsstörung der Blase. Die Restharnbestimmung erfolgt meistens per Ultraschall unmittelbar nach dem Wasserlassen.

Urodynamik

Zu den urodynamischen Untersuchungen zählen die Harnflussmessung (Uroflowmetrie), die Blasendruckmessung (Zystomanometrie) und die Messung des Urethradruckprofils (Druck in der Harnröhre).

Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie, Harnflussmessung)

Die Uroflowmetrie ist für den Patienten die unkomplizierteste Untersuchung, denn der Arzt braucht dafür keinen Blasenkatheter zu legen. Wichtig für die Uroflowmetrie ist allerdings eine gut gefüllte Blase - anderenfalls hat die Untersuchung wenig Aussagekraft. Erst wenn der Patient starken Harndrang verspürt, wird der Arzt ihn also auffordern, in ein spezielles Untersuchungsgerät Wasser zu lassen. Die Apparatur stellt in einer Flusskurve grafisch dar, wie viel Harn bei der Blasenentleerung pro Sekunde durch die Harnröhre fließt. Normalerweise sind das mehr als 15 Milliliter pro Sekunde. Weniger als 10 Milliliter pro Sekunde können ein Hinweis sein, dass die Harnröhre verengt ist – etwa infolge einer Prostatavergrößerung.

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Blasendruckmessung (Zystometrie, Zystomanometrie)

Eine der wichtigsten Untersuchungen bei Harninkontinenz ist die Zystomanometrie. Sie gibt Aufschluss, wie dehnungsfähig die Wand der Harnblase ist, wie viel Harn sie fasst und ob der Schließmuskel funktioniert.Für dieses Verfahren ist allerdings ein Blasenkatheter notwendig, da der Arzt die Blase systematisch mit lauwarmer Kochsalzlösung füllt. Während dieses Vorgangs misst er immer wieder die Druckwerte in der Blase. Dies geschieht mittels Elektroden, die der Patient vor der Untersuchung zwischen Anus und Genitalbereich mit Pflastern angelegt bekommt. Für die Zystomanometrie ist auch ein Katheter im Enddarm notwendig, denn der Arzt muss auch dieser Region messen, um Druck von außerhalb auf die Harnblase auszuschließen.

Harnröhrendruckprofil (Urethradruckprofil, Sphinkterometrie)

Damit lässt sich feststellen, ob die Muskulatur der Harnröhre ausreichend Druck erzeugt, um die Harnröhre richtig zu verschließen. Die Untersuchung erfolgt mit einem dünnen Spezialschlauch (Katheter), den der Doktor in die Harnröhre schiebt. Der Katheter enthält zwei Sensoren, die beim langsamen Herausziehen an verschiedenen Stellen der Harnröhre den Druck messen.

Blasenspiegelung (Zystoskopie)

Dabei führt der Arzt ein dünnes, schlauch- oder röhrenförmiges Instrument (Zystoskop) in die Harnröhre ein. Er benutzt hierbei ein Gleitgel, das den Patienten örtlich betäubt. Eine Blasenspiegelung kann zeigen, ob die Innenwand der Blase krankhaft verändert ist, weil der Patient z.B. an einer Entzündung, an Blutungen oder Blasensteinen leidet.

Elektromyografie des Beckenbodens

Die Methode misst die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur und des Blasenschließmuskels. Dazu werden spezielle Elektroden verwendet, die meist auf den Körper aufgeklebt werden. Eine Elektromyografie gibt auch Aufschluss darüber, wie gut der Patient die Muskeln im Beckenboden kontrollieren kann.

Röntgen

Eine Röntgenaufnahme kann den Weg des Urins von den Nieren bis zur Blase zeigen und Behinderungen aufdecken. Für die Untersuchung muss der Arzt dem Patienten ein Kontrastmittel spritzen.

Videourodynamik

Hierbei werden während der Urodynamik zusätzlich Röntgenaufnahmen der Blase gemacht, um die Füllung und Entleerung der Blase sichtbar zu machen.

Teamarbeit bei Harninkontinenz

Welche Ärzte und Therapeuten können an der Behandlung der Harninkontinenz beteiligt sein? Zu den Ärzten gehören zum Beispiel Urogynäkologen, Urologen und/oder Neurologen. Urogynäkologen sind Frauenärzte, die sich auf Krankheiten der Harnwege bei Frauen, vor allem der Blasenschwäche, spezialisiert haben. Andere beteiligte Spezialisten sind beispielsweise Sexualmediziner, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Psychotherapeuten.

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Gelingt es, die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen gut aufeinander abzustimmen, kann das für den Patienten viele Vorteile bieten. Sie profitieren von der Fachkenntnis der einzelnen Spezialisten sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie.

Die Teamarbeit bereitet den Betroffenen unter Umständen aber auch Probleme. Diese können letztlich dazu führen, dass die Patienten unzufrieden sind. So müssen sie oft neue Therapeuten kennen lernen oder mehrmals erläutern, welche Symptome sie haben und was sie erwarten. Daneben kann es schwer fallen, immer wieder ähnliche Fragen gestellt zu bekommen und sie zu beantworten. Möglicherweise gelingt es auch nicht, zwischen Patienten und Therapeuten ein vertrauliches und persönliches Verhältnis aufzubauen, was jedoch eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist. Mancher Patient erlebt die Behandlung als unpersönlich und nicht an seine Bedürfnisse angepasst.

Nichtsdestotrotz überwiegen die Vorteile einer interdisziplinären Zusammenarbeit, wenn die Arbeit der einzelnen Spezialisten gut aufeinander abgestimmt ist und die Interessen des Patienten gewahrt sind. So sollte eine Person dafür verantwortlich sein, nicht nur beteiligte Ärzte und andere Therapeuten, sondern auch Einrichtungen wie Praxen und Kliniken zu koordinieren. Auf diesem Wege können Patienten eine den aktuellen Erkenntnissen und dem Stand der Wissenschaft entsprechende Therapie erhalten.

Alltagstipps bei Blasenschwäche

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Juni 2016
Durch: sist

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