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Operation nicht immer nötig

Gebärmuttersenkung: Was hilft bei Harninkontinenz?

Unwillkürlicher Urinverlust und ein Druckgefühl nach unten können Symptome einer Gebärmuttersenkung sein. Was Sie in einem solchen Fall gegen die Harninkontinenz tun können.

Frau mit Gebärmuttersenkung bei der Frauenärztin
Eine Harninkontinenz aufgrund einer Gebärmuttersenkung kann behandelt werden.
© Getty Images/Westend61

Der Stützapparat des kleinen Beckens aus elastischen Bändern und Muskeln ist dafür zuständig, die Organe im Genitalbereich an Ort und Stelle zu halten: Wird er geschwächt, drohen sie nach unten abzusinken. Die Folge kann eine Gebärmuttersenkung sein. Doch auch Scheide, Blase oder Mastdarm können tiefer nach unten treten.

Artikelinhalte im Überblick:

Harninkontinenz: Welche Formen gibt es?

Was ist eine Gebärmuttersenkung?

Bei einer Gebärmuttersenkung, in der medizinischen Fachsprache als Descensus uteri bezeichnet, tritt die Gebärmutter (Uterus) tiefer. Das heißt, die inneren Organe verlagern sich nach unten. Häufig tritt dabei auch die Scheide tiefer (vordere und/oder hintere Scheidenwand). Diese sogenannte Scheidensenkung wird als Descensus vaginae bezeichnet.

Im Extremfall sinkt die Gebärmutter so weit ab, dass sie teilweise oder ganz aus der Scheide herausragt und von außen sichtbar ist. In einem solchen Fall handelt es sich um einen Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps).

Das Absinken der Organe im kleinen Becken (Descensus genitalis) wird in vier Schweregrade eingeteilt:

  • Grad I: Absenkung innerhalb der Scheide

  • Grad II: Absenkung erreicht den Scheideneingang

  • Grad III: Absenkung reicht jenseits des Scheideneingangs

  • Grad IV: kompletter Vorfall von Gebärmutter und Scheide (Totalprolaps)

Ursachen für eine Gebärmuttersenkung: Was steckt dahinter?

In der Regel ist eine Beckenbodenschwäche für die Gebärmuttersenkung verantwortlich. Sie entsteht zum Beispiel, weil das Bindegewebe und die Muskeln des Beckenbodens durch eine andauernde Belastung geschwächt werden. Ihre Kraft reicht dann nicht mehr aus, um die Organe an ihrem Platz zu halten. Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die eine Schwächung des Beckenbodens begünstigen und somit zu einer Gebärmuttersenkung führen können. Häufig liegt eine Kombination von mehreren Faktoren vor.

Risikofaktoren für eine Gebärmuttersenkung auf einen Blick:

  • Starkes Übergewicht (Adipositas): Muss der Beckenboden auf Dauer zu viel Gewicht tragen, wird er schwächer und die Entstehung einer Gebärmuttersenkung wird begünstigt.

  • Schwere körperliche Arbeit oder Überanstrengung: Durch das ständige (und/oder falsche) Heben von schweren Lasten wird die Beckenbodenmuskulatur überbeansprucht.

  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft muss der Beckenboden dem Gewicht des Babys standhalten – das belastet ihn zusätzlich.

  • Belastungen und Verletzungen während der Geburt: Auch die Geburt selbst stellt ein Risiko für einen schwachen Beckenboden dar. Denn durch das Pressen ist er bei einer vaginalen Geburt einer großen Belastung ausgesetzt. Zahlreiche vaginale Entbindungen erhöhen das Risiko für Gebärmuttersenkung und -vorfall.

  • Fehlende Rückbildung: Sowohl für Frauen, die spontan entbinden, als auch für Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt bekommen, ist die Rückbildung wichtig, damit der Beckenboden erstarkt und einer Gebärmuttersenkung vorgebeugt wird. Vernachlässigt man die Rückbildung, besteht das Risiko, dass der Beckenboden auch nach Schwangerschaft und Geburt weiterhin schwach bleibt.

  • Bindegewebsschwäche: Eine Bindegewebsschwäche kann angeboren sein oder das Bindegewebe verliert durch den allgemeinen Alterungsprozess mit fortschreitendem Lebensalter an Festigkeit. Auch die hormonellen Veränderungen in oder nach den Wechseljahren können eine Gebärmuttersenkung begünstigen.

  • Chronische Belastungen: Leidet man über viele Jahre hinweg an chronischem Husten oder chronischer Verstopfung kann der Beckenboden dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Denn beim Husten oder Pressen wird ständig Druck auf den Beckenboden ausgeübt.

Symptome: Wie äußert sich eine Gebärmuttersenkung?

Eine leichte Gebärmuttersenkung kommt vor allem nach Schwangerschaft und Geburt sowie im höheren Alter vor. In vielen Fällen stellen solche leichten Senkungen keine Beschwerden dar.

Entwickelt sich eine Gebärmuttersenkung schleichend weiter und äußert sie sich dann durch entsprechende Beschwerden, ist das erste wahrnehmbare Zeichen oft der unfreiwillige Urinverlust beim Husten, Niesen, Heben oder Springen. Bei einem Gebärmuttervorfall sind die Beschwerden meist deutlich ausgeprägt.

Mögliche Symptome einer Gebärmuttersenkung:

  • Unterbauchschmerzen, zum Beispiel Ziehen im Unterbauch
  • Gefühl von Druck nach unten – vor allem beim Stehen oder Laufen
  • Kreuz- und Unterleibsschmerzen, zum Beispiel beim Heben
  • vermehrter Harndrang
  • unwillkürlicher Harnverlust
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Zusätzliche Symptome eines Gebärmuttervorfalls:

  • Fremdkörpergefühl in der Scheide
  • Ausfluss und Blutungen

Je nachdem, welche Organe von der Absenkung betroffen sind, können weitere Symptome auftreten. Ist die Blase tiefer getreten, kann es zu Problemen beim Wasserlassen kommen – wie etwa einem Harnverhalt. Das bedeutet: Die Blase ist blockiert und der Urin kann nicht oder nur unvollständig abgelassen werden. Infolgedessen können gehäuft Harnwegsinfekte auftreten. Sinkt der Mastdarm mit ab, sind Probleme beim Stuhlgang möglich – etwa eine unvollständige Entleerung des Darms.

Diagnose: Kann man eine Gebärmuttersenkung ertasten?

Eine Gebärmuttersenkung, die keine Beschwerden verursacht, wird oft nur zufällig bei einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt.

Besteht der Verdacht auf eine Gebärmuttersenkung, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Organabsenkung zu beurteilen: Die Gebärmuttersenkung kann bei einer gynäkologischen Untersuchung ertastet werden, es kann ein vaginaler Ultraschall oder eine Scheidenspiegelung durchgeführt werden.

Je nach Ausmaß der Absenkung und nach Ausprägung der Beschwerden, können weitere Diagnoseverfahren hilfreich sein. So kann zum Beispiel ein sogenannter Husten-Stresstest erfolgen. Er dient dazu, eine Belastungsinkontinenz festzustellen: Geht beim Husten unwillkürlich Urin ab, bestätigt sich der Verdacht. Bei einer Restharnbestimmung wird beurteilt, ob nach dem Wasserlassen noch Urin in der Blase verbleibt und möglicherweise eine Blasenentleerungsstörung vorliegt.

Beckenbodentraining: Sechs Übungen bei Harninkontinenz

Behandlung der Gebärmuttersenkung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Die Gebärmuttersenkung ist nicht immer behandlungsbedürftig. Bei leichten Senkungen wird meist zu Beckenbodentraining geraten, um einer weiteren Absenkung und möglichen Beschwerden vorzubeugen. Eine leichte Senkung in den ersten Wochen nach einer Geburt geht in der Regel wieder zurück. Ältere Frauen, die unter Harninkontinenz leiden, scheuen sich häufig, sich mit ihren Beschwerden in ärztliche Behandlung zu begeben. Es besteht jedoch kein Grund zur Scham! Auch im Alter kann eine Beckenbodenschwäche in vielen Fällen konservativ behandelt werden.

Eine operative Therapie erfolgt nur, wenn Symptome vorliegen und ein Leidensdruck besteht, der nicht anders gelindert werden kann. Wie genau die Therapie aussieht, richtet sich zudem nach dem individuellen Fall – zum Beispiel in Abhängigkeit von den vorliegenden Risikofaktoren, dem Lebensalter oder einem bestehenden Kinderwunsch. Die Behandlung kann in einem spezialisierten Beckenboden-Zentrum erfolgen.

Behandlungsmethoden der Gebärmuttersenkung im Überblick:

  • Beckenbodentraining: Bei geringen Senkungsgraden hat sich ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur als wirksam erwiesen. Dadurch können das Fortschreiten der Gebärmuttersenkung verhindert und die Symptome einer Harninkontinenz gemindert werden – oder sie verschwinden gar vollständig.

  • Scheidenpessar: Ein Scheidenpessar wird eingesetzt, um die Organe zu stabilisieren. Es gibt die Pessare in verschiedenen Ausführungen – zum Beispiel als Würfel, Ring oder Schale. Je nach Modell kann man sie eigenständig einsetzen oder sie werden in der ärztlichen Praxis angepasst, dort eingesetzt und alle sechs bis acht Wochen gewechselt. Scheidenpessare kommen bei einer Gebärmuttersenkung etwa dann infrage, wenn (noch) keine Operation erwünscht ist – zum Beispiel, weil die Familienplanung nicht abgeschlossen ist oder aufgrund von Komplikationsrisiken im hohen Alter.

  • Operation bei schwerer Gebärmuttersenkung: Ziel einer Operation ist es, die Organe wieder an ihren Platz zu heben und sie dort zu stabilisieren. Dazu gibt es unterschiedliche Operationsmethoden, bei denen Eigengewebe oder synthetische Kunststoff-Netze als Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Welche Methode die richtige ist, hängt vom individuellen Fall ab. Infrage kommt zum Beispiel eine Scheidenplastik (operative Straffung), eine Sakrokolpopexie (Vernähung eines Netzes, das wie eine Hängematte eingespannt wird) oder eine sakrospinale Fixation (Befestigung der Scheide an einem Band des Beckens). Möglich sind Operationen durch die Scheide, über einen Bauchschnitt oder per Bauchspiegelung (Laparoskopie). Die Erfolgsaussichten zur Linderung der Beschwerden sind bei solchen Eingriffen gut, wie bei jeder Operation können Komplikationen auftreten – zum Beispiel eine Verletzung der Blase. Die Gebärmutter muss bei einer Operation in der Regel nicht entfernt werden. Trotzdem wird meist erst nach der abgeschlossenen Kinderplanung zu einer operativen Therapie geraten.

Nach jeder Behandlungsmethode besteht die Gefahr einer erneuten Gebärmuttersenkung. Um das Rückfallrisiko zu minimieren, sollten die Risikofaktoren so gut wie möglich beseitigt und der Beckenboden regelmäßig trainiert werden.

Gebärmuttersenkung vorbeugen: Wie kann man sie verhindern?

Einer Gebärmuttersenkung beugt man am besten vor, indem man seine persönlichen Risikofaktoren reduziert. Außerdem ist regelmäßiges Beckenbodentraining wichtig, ebenso die Vermeidung von unnötigen Belastungen des Beckenbodens im Alltag. Darauf sollten Sie achten:

  • Heben: Mit geradem Rücken die Beine beugen und in die Knie gehen, den schweren Gegenstand nahe am Körper nach oben führen und dafür die Kraft aus den Beinen nutzen – der Rücken bleibt gerade. Den Beckenboden aktiv anspannen.

  • Husten und Niesen: Beim Husten und Niesen den Kopf zur Seite nach hinten drehen, damit kein Druck auf den Beckenboden entsteht.

  • Toilettengang: Bei der Stuhlentleerung starkes Pressen vermeiden. Am besten hält man den Stuhl durch eine gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung weich, sodass erst gar kein heftiges Pressen erforderlich ist.

  • Beckenbodentraining: Die Muskulatur des Beckenbodens lässt sich durch gezielte Übungen stärken. Physiotherapie-Praxen bieten entsprechende Kurse an. Gegebenenfalls können Vaginalkonen für den Anfang sinnvoll sein, um ein stärkeres Bewusstsein für seinen Beckenboden zu entwickeln. Aber auch bei Alltagstätigkeiten wie dem Aufstehen von einem Stuhl oder dem Gang die Treppe hinauf, kann und sollte der Beckenboden aktiv zum Einsatz kommen.

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