Wenn unbemerkt der Atem stockt

Schlafapnoe begünstigt Bettnässen

Kinder, bei denen im Schlaf der Atem aussetzt, machen öfters ins Bett als ihre Altersgenossen. Eltern fällt die Schlafapnoe, erkennbar an längeren Atempausen, oft nicht auf. Sie sollten vor allem dann genauer hinsehen, wenn sich nasse Bettlaken häufen.

Zwei Kinder schlafen im Bett
Schlafstörungen wie Schlafapnoe können Bettnässen bei Kindern fördern.
(c) Stockbyte

Wenn ein Kind nachts ins Bett macht, kann das mit einer Schlafstörung zu tun haben – besonders wenn der Sprössling zu viele Pfunde auf den Rippen hat. Denn übergewichtige Kinder leiden viermal so oft an Atemaussetzern im Schlaf, medizinisch obstruktive Schlafapnoe genannt, als normalgewichtige Altersgenossen.

Den Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Bettnässen konnten US-Forscher nachweisen: Bei nachts einnässenden Kindern tritt etwa fünfmal häufiger Schlafapnoe auf, stellten die Wissenschaftler bereits im Jahr 2009 in einer Studie an rund 300 Kindern im Alter von 5 bis 15 Jahren fest.

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Wie viele Jungen und Mädchen an Schlafapnoe leiden, ist nicht ganz klar – die Dunkelziffer ist wohl sehr hoch. Bei Kleinkindern seien etwa drei Prozent betroffen, sagt der Kinderarzt und Schlafexperte Alfred Wiater. Insgesamt schätzen Schlafforscher die Zahl der Kinder mit Schlafapnoe auf sieben bis acht Prozent.

Das Tückische: Menschen merken es nicht, dass ihr Atem im Schlaf stockt. Eltern sollten daher aufmerksam beobachten, ob ihr Nachwuchs tagsüber müde ist – oder überdreht. Denn "insbesondere jüngere Kinder versuchen, gegen die Müdigkeit durch hyperaktives Verhalten anzukämpfen. Oft sind auch emotionale Probleme wie Ängste und depressive Verstimmungen zu beobachten", erklärt Wiater.

Kinder mit Schlafapnoe wachen nicht auf, wenn sie zur Toilette müssen

Ein weiterer Hinweis auf Schlafapnoe ist Schnarchen. Denn auf den Atemstillstand folgt ein tiefes Einatmen, das die verengten Atemwege öffnet und als Schnarchgeräusch zu hören ist. Gründe für das Schnarchen und die Schlafapnoe können Übergewicht, häufige Infektionen im Rachenraum oder ein zu kleiner Kiefer sein. Meistens sind bei Kindern aber vergrößerte Mandeln oder Polypen (Rachenmandeln) schuld. Denn wenn die Muskelspannung des Gaumens im Schlaf nachlässt, können vergrößerte Mandeln oder Polypen nach hinten rutschen und das Atem erschweren.

Dass Kinder mit Schlafapnoe öfter ins Bett nässen, erklären Schlafforscher unter anderem damit, dass sie schwerer aufwachen, wenn sie auf die Toilette müssen. Die Atempausen im Schlaf können mit einem Sauerstoffmangel einhergehen, der zu einer verstärkten Herzbelastung führt, berichtet Experte Wiater. Eine mögliche Folge ist, dass der Körper das Ausscheiden von Urin fördert. Auch Erwachsene mit Schlafapnoe leiden oft an verstärktem Harndrang in der Nacht. Kinder haben jedoch eine höhere Weckschwelle und durch die Atemaussetzer sind sie müder als gute Schläfer und wachen noch schwerer auf.

Schlafapnoe: Atemmaske oder Mandelverkleinerung helfen

Um Bettnässen durch Schlafapnoe in den Griff zu bekommen, muss erst einmal die Schlafstörung behandelt werden. Eltern sollten sich damit an ihren Kinderarzt wenden. Der überweist den kleinen Patienten gegebenenfalls in ein Kinderschlaflabor. Dort können die Mediziner genau messen, wie lang die Atempausen sind, ob der kleine Patient genug Sauerstoff erhält und wie oft er nachts aufwacht.

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Die Therapie der Schlafapnoe hängt von der jeweiligen Ursache ab. Übergewichtige Kinder sollten abnehmen. Falls ein zu kleiner Kiefer die oberen Atemwege verengt, kann beispielsweise eine Atemtherapiemaske helfen. Sie wird über einen Schlauch mit einem Atemtherapiegerät verbunden, das den Luftdruck erhöht und für eine regelmäßige Atmung im Schlaf sorgt.

Vergrößerte Mandeln lassen sich mit einem Laser verkleinern und Polypen durch eine Operation entfernen. "Studien zeigen, dass Kinder nach solchen Eingriffen besser trocken werden", sagt Urologin Daniela Schultz-Lampel.

Wenn Fünfjährige nachts einnässen, ist das normal

Falls ein Kind weiterhin im Schlaf einnässt, obwohl die Schlafapnoe beseitigt ist, kann es sinnvoll sein, urologische Ursachen abzuklären. Viele Eltern haben jedoch falsche Vorstellungen, wann ein Kind nachts trocken sein sollte. Bettnässen gilt bis zum fünften Lebensjahr als völlig normal unter Medizinern. Auch ein verspätetes Trockenwerden ist keine Ausnahme – zehn Prozent der Siebenjährigen machen nachts ins Bett.

Meistens hat nächtliches Einnässen einen organischen Hintergrund. "Die Hauptursache ist eine Reifeverzögerung verschiedener Körpersysteme, die die Ausreifung und Kontrolle der Blase steuern", erklärt Professorin Schultz-Lampel. Beispiele: Das Gehirn hemmt die Blase noch nicht richtig. Die Harnblase ist noch nicht in der Lage, ausreichend Urin zu speichern. Der Körper produziert nachts zu viel Harn. Zudem sei Bettnässen oft genetisch bedingt, sagt Schultz-Lampel.

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