Folgen eines Diabetes mellitus

Harninkontinenz bei Diabetes

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Harninkontinenz ist eine der häufigsten Folgen von Altersdiabetes.
(c) Stockbyte

Der Diabetes mellitus Typ 2 tritt häufig bei älteren Menschen auf, so sind etwa 20 Prozent der Menschen zwischen 60 und 70 Jahren betroffen. Er wird daher oft auch „Alterdiabetes“ genannt, obwohl diese Bezeichnung nicht korrekt ist.

Im Laufe der Zeit können sich bei Diabetes Folgeerkrankungen einstellen, zu denen beispielsweise Komplikationen im Herz-Kreislauf-System, Nervenstörungen Augen- oder Nierenerkrankungen, aber auch Funktionsstörungen der Harnblase gehören. Die Harninkontinenz gilt als eine der häufigsten Diabetesfolgen.

Diabetes kann die Nerven schädigen

Wie Erkrankungen der Harnwege bei Diabetes mellitus entstehen, ist noch nicht ganz klar. Wissenschaftler vermuten, dass die Zuckerkrankheit, besonders bei schlecht eingestelltem Diabetes, auf Dauer die Nerven schädigen kann. In der Folge stellen sich Störungen etwa des Harndrangempfindens ein. Der Betroffene merkt seine Blase erst, wenn sie stark gefüllt ist. Die ständige „Überfüllung“ der Harnblase dehnt sie massiv, was bei längerem Bestehen unter Umständen die Muskulatur schädigt. Der Betroffene kann infolge dessen, seine Blase nicht mehr vollständig entleeren, schließlich „läuft“ die Blase „über“ – es entsteht eine Überlaufinkontinenz. Die genannten diabetesbedingten Störungen der Harnblasenfunktion bezeichnen Mediziner als diabetische Zystopathie. Sie kommt bei ungefähr 50 Prozent der Diabetiker vor und oft bestehen weitere Nervenstörungen.

Blasenmuskel zu aktiv

Daneben kann der Blasenmuskel auch überaktiv sein (überaktive Blase). Daraus folgende Symptome sind etwa ein verstärkter Harndrang und häufiges Wasserlassen - auch in der Nacht. Dahinter steht offenbar eine Störung in der Steuerzentrale des Menschen – des Gehirns. So haben viele Diabetiker mit überaktiver Blase auch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die viele kleine Infarkte (abgestorbenes Gewebe aufgrund der Unterbrechung der Blutzufuhr) verursachen können. Diese werden von den Betroffenen oft nicht bemerkt, lassen sich aber in radiologischen Untersuchungen (Magnetresonanztomographie) nachweisen. Allerdings tragen auch andere Ursachen, die nicht durch den Diabetes verursacht sind, zur Entstehung einer überaktiven Blase bei.

Weiterhin kann eine Belastungsinkontinenz auftreten, die vor allem Frauen mit Diabetes mellitus betrifft. Als Ursachen hierfür kommen unter anderem eine Schwäche des Beckenbodens oder des Schließmuskels infrage.

Weitere Nervenschädigungen möglich

Zwischen drei Viertel und allen Menschen mit diabetischer Zystopathie haben gleichzeitig eine diabetische Polyneuropathie. Dabei handelt es sich um Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit, die sich von den Füßen über die Beine ausbreiten können, Hände und Arme sind seltener betroffen. Mögliche Folgen sind Muskelschwächen bis hin zu Lähmungen und Abbau der Muskulatur. Auch abnehmende Denkleistung oder Magen-Darm-Beschwerden, etwa Verstopfungen, können auf diabetesbedingte Schäden von Nerven und Gehirn hinweisen.

Welche Symptome sind möglich?

Die diabetische Zystopathie ruft verschiedene Beschwerden hervor, allerdings treten zu Beginn beziehungsweise in frühen Stadien keine oder nur wenige Symptome auf. Im Verlauf können sich unter anderem seltenere Toilettengänge, größere Mengen beim Wasserlassen, schwächerer Harnstrahl und ungewollter Harnverlust als Beschwerden einer Überlaufinkontinenz einstellen. Bei einer überaktiven Blase sind zum Beispiel nicht zu unterdrückender Harndrang oder gehäuftes Wasserlassen mögliche Symptome.

Den Ärzten stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um eine diabetische Zystopathie zu erkennen und zu behandeln. Die Therapie sollte so früh wie möglich einsetzen, damit schwerwiegende Folgen eingedämmt oder vermieden werden können. Daher bietet es sich an, bei Diabetikern auch die Harnblasenfunktion regelmäßig zu untersuchen. Das gilt besonders dann, wenn zum Beispiel bereits Symptome einer Polyneuropathie vorliegen.

Sieben sanfte Hilfen für eine starke Blase
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    Bärentraubenblätter

    Die ledrigen Blätter der Heilpflanze Bärentraube enthalten einen hochwirksamen Stoff: Arbutin. Diese natürliche Substanz bekämpft Bakterien und wird deshalb häufig als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet. Als Tee, aber auch in Form von Tabletten und Dragees mit dem hochdosierten Arbutin, sind Bärentraubenblätter eine effektive Hilfe bei Entzündungen der Blase. Besonders gut wirken Bärentraubenblätter, wenn Sie wenig Süßes und Eiweiß gegessen haben. Denn die Wirkung der Heilpflanze entfaltet sich am besten in alkalischem Urin. Süßes und Eiweiß machen den Urin jedoch sauer und Zubereitungen aus der Bärentraube wirken dann nicht so effektiv.

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    Goldrute

    Bei Reizblase, Blasenentzündung und zur Durchspülung der Darmwege hat sich Goldrute seit Jahrhunderten bewährt. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass die Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine und ätherischen Öle der Goldrute – vor allem des Krauts – hochpotente Substanzen sind. Sie lösen Krämpfe, bremsen Entzündungen, lindern Schmerzen, regen die Urinbildung an und aktivieren die Abwehrkräfte an. Goldrute gibt es als Tee, aber auch in konzentrierter Form als Tabletten.

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    Schachtelhalm

    Die Heilpflanze Schachtelhalm ist auch unter der Bezeichnung Zinnkraut bekannt. Die Sprossen seiner Grashalme enthalten Flavonoide, die auf sanfte Weise die Urinbildung anregen. Die Harnwege werden dadurch gut durchspült, Bakterien werden rasch aus dem Körper befördert und haben kaum eine Chance, sich in der Blase anzusiedeln und zu vermehren.

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    Birkenblätter

    Vor allem die Blätter der Moor- und der Hängebirke enthalten Biosubstanzen, die die Nierenaktivität anregen. Die gesteigerte Urinproduktion führt dazu, dass die Harnwege und die Blase gut durchspült werden und Bakterien sich nicht mehr vermehren können. Birkenblätter gibt es als Teezubereitung und kombiniert mit anderen blasenwirksamen Pflanzenstoffen – etwa Goldrute und Schachtelhalm – als Medikament.

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    Kapuzinerkresse

    Sowohl die Blätter als auch die Blüten der Kapuzinerkresse enthalten Senfölglykoside und Vitamin C. Die Glykoside wirken wie ein natürliches Antibiotikum, bekämpfen Bakterien in den ableitenden Harnwegen. Die Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse wirken jedoch nicht nur in Niere, Blase und Harnwegen, sondern auch in den Bronchien – sind also ebenfalls sinnvoll bei Erkältungen und Husten. Kapuzinerkresse-Zubereitungen gibt es meist in Kombination mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen.

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    Cranberries

    Die amerikanische Moosbeere (Cranberry) enthält eine große Menge von Antioxidanzien, darunter vor allem Proanthocyanidine. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zellschützende Eigenschaften haben. Studien haben gezeigt, dass Cranberrysaft die Blasenschleimhaut gegen Bakterien stark machten kann. Allerdings muss der Saft dazu über einen längeren Zeitraum getrunken werden. Ebenso wirksam könnte jedoch Preisel- oder Heidelbeersaft sein.

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    Kürbis

    Nicht nur das Kürbisfleisch ist gesund. Es liefert jede Menge Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Kalium sowie die Vitamine A, C und E. Die Kerne vom Kürbis enthalten ein hochpotentes Öl mit dem Hauptwirkstoff Phytosterol. Er lindert Prostatabeschwerden, kann das Prostatawachstum sogar bremsen und stärkt die Blase. Sie können geröstete Kürbiskerne knabbern, aber auch Dragees, Tabletten oder Granulat mit hochdosierten Kürbiskernextrakt einnehmen.

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Autor: aks
Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2011
Quellen: Mair, D.; Madersbacher, H.: Diabetes mellitus und Harninkontinenz. Früherkennung kann Sekundärschäden vermeiden. In: procure 09 (2010), S. 24-28 Wiedemann, A.; Füsgen, I.: Der Diabetiker in der urologischen Praxis – eine besondere Risikogruppe für LUTS? Ergebnisse der Wittener Diabeteserhebung an 4.071 Typ-2-Diabetikern. In: Urologe 2 (2010), S. 238-244

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