Tipps für die Selbsthilfe

Nierensteine: Vorbeugen ist besser als Behandlung

Wann jemand mit Nierensteinen zum Arzt muss? Diese Frage stellt sich so nicht: Viele wissen gar nicht, dass sie Nierensteine haben - bis diese anfangen zu wandern. Dann wollen sie sofort zu einem Doktor.

Mann trinkt Wasser
Viel Trinken beugt Nierensteinen vor.
(c) Stockbyte

Menschen, die das einmal erlebt haben, überbieten sich in ihren Schilderungen der Qualen. Sogar Geburtsschmerzen sollen dagegen verblassen. Ein Urologe erklärte es seinen Patienten so: "Was Sie da spüren, ist eine Kolik. In 30 Minuten bieten Sie mir Ihr Auto, in einer Stunde Ihr Haus und heute Nachmittag noch Ihre Frau dazu, wenn ich bloß dafür sorge, dass die Schmerzen aufhören."

Schmerzen beim Wasserlassen: Symptome für Nierensteine

Wo ein Patient einen Nierenstein spürt, hängt ganz davon ab, wo der sich befindet manche schmerzt es im Rücken, andere im rechten Unterbauch oder, wenn der Stein tief sitzt, in den Hoden beziehungsweise Schamlippen. Wie stark die Beschwerden sind, hängt von der Größe des Steins ab. Kleine Exemplare verursachen lediglich einen stechenden Schmerz beim Wasserlassen, schon bei linsengroßen Steinen kann es aber zu stundenlangen Nierenkoliken kommen. Zusätzlich zu den Krämpfen wird Betroffenen beim akuten Steinabgang oft übel, manche müssen sich erbrechen, einige bekommen Blähungen und Durchfall.

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Nierensteine bestehen in den Regel aus Mineralsalzen, die der Urin nicht mehr auflösen kann. Warum sie sich zusammenballen, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Theorie ist, dass die Mineralsalze bei zu hoher Konzentration kleine Kristalle bilden, die sich dann vergrößern. Harnwegsinfekte oder ein Urinstau können das Wachstum antreiben, aber auch eine eiweiß- und fettreiche Ernährung, falsches Trinkverhalten und Erkrankungen des Stoffwechsels.

Fast 80 Prozent aller Nierensteine bestehen aus Kalzium. Sie bilden sich oft erst in der zweiten Lebenshälfte, wenn die Knochen beginnen, Kalzium abzubauen. Der normale Weg ist, das die Nieren das Mineralsalz ausscheiden. Hat jemand aber einen sehr konzentrierten Urin, besteht die Gefahr, dass sich Nierensteine bilden. Falls sie Beschwerden bereiten und nicht von selbst abgehen, muss ein Arzt sie ausschwemmen. Dazu zertrümmert er diese mit Stoßwellen, Ultraschall oder Laser und gibt Medikamente, die die Nieren spülen, Krämpfe lindern und Entzündungen verhindern.

Schlummertrunk gegen Nierensteine

Schätzungen zufolge haben etwa fünf Prozent der Deutschen Nierensteine. Da Männer doppelt so häufig wie Frauen betroffen sind, sollten sie besonders gut vorbeugen vor allem, wenn sie schon mal Nierensteine hatten. Das wirksamste Mittel, um Mineralsalzen keine Chance zum Zusammenklumpen zu geben, ist Flüssigkeit: Jeder sollte täglich zwischen zwei und drei Liter trinken, im Sommer, nach der Sauna oder anderen Schweiß treibenden Tätigkeiten eher mehr. Wichtig ist auch die Tageszeit.

Die meisten Menschen trinken tagsüber viel und abends wenig, um nachts nicht auf die Toilette gehen zu müssen. Ganz falsch! So konzentriert sich der Urin in der Nacht und kann die Mineralsalze nicht mehr ausreichend auflösen. Sich also ruhig vor dem Zubettgehen noch ein Gläschen gönnen am besten Wasser und Kräuter- oder Früchtetees. Steingeplagten empfehlen Urologen, dem Wasser Zitronensaft zuzufügen, um eine Kristallisierung zu unterbinden. Gegebenfalls verordnen Ärzte zusätzlich Medikamente mit durchspülendem Effekt. Bei Alkohol gilt Vorsicht, da er dem Körper Flüssigkeit entzieht. Eindeutiges Indiz: der Nachdurst nach einer ausschweifenden Party. Menschen, die schon mal Nierensteine hatten, sollten etwa zwei Liter Urin am Tag ausscheiden, sagen Experten. Also, sicherheitshalber mal nachmessen.

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Kalzium schützt vor Nierensteinen

Grundsätzlich schützt fett- und eiweißarmes Essen vor Nierensteinen. Anfällige Menschen sollten auch den Konsum von Süßem und Backwaren aus Weißmehl einschränken und Salz eher sparsam verwenden, raten Urologen. Vorsicht bei Lebensmitteln, die dem Körper zusätzlich Wasser entziehen wie Spargel und Rhabarber. Ob ein Patient eine spezielle Diät einhalten soll, muss sein behandelnder Arzt entscheiden abhängig von der Art des Nierensteins.

Bis vor einigen Jahren verboten Mediziner Patienten mit Kalziumsteinen, Milch, Käse und andere Nahrungsmittel mit hohem Kalziumgehalt. Inzwischen haben Wissenschaftler der Universität Mannheim herausgefunden, dass vor allem die so genannte Oxalsäure Nierensteine entstehen lässt. Diese kann Kalzium schon im Darm binden, bevor sie die Nieren erreicht. Somit schützt Kalzium sogar vor Nierensteinen. Um diesen Effekt hervorzurufen, reichen 800 bis 1.000 mg Kalzium am Tag, sagen die Experten. Zum Vergleich: Ein Glas Milch, 45 g Edamer und 200 g Brokkoli enthalten rund 850 mg Kalzium.

Bewegung hält Nierensteine fern

Ein oft vernachlässigter Punkt im Kampf gegen Nierensteine: Jede Entzündung der Blase oder Harnwege sollte gut auskuriert werden. Harnwegsinfekte können das Entstehen von Steinen begünstigen; und Nierensteine Infekte verursachen. Schließlich sollte jeder, ob mit oder ohne Steinerfahrung, für ausreichend Bewegung in seinem Leben sorgen. Das hält fit, beugt Beschwerden vor und bewirkt, dass Nierensteine ausgeschieden werden, bevor sie so groß werden, dass sie Koliken verursachen können.

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