Blasenschwäche und Inkontinenz

Harnwegsinfekt vorbeugen: So bleibt die Blase gesund

Eine Blasenentzündung (Zystitis) kann Harninkontinenz fördern und andere ernste Folgen haben. Bewusstes Trinken, warme Kleidung und richtiges Verhalten nach dem Sex schützen vor Harnwegsinfektionen.

Gruppe junger Menschen im Sonnenuntergang
Nasse Badekleidung begünstigt Blasenentzündungen.

Das Herz hüpft, die Augen strahlen und die Mundwinkel kennen nur eine Richtung: nach oben. Frisch Verliebte genügen einander völlig und kommen aus dem Bett kaum heraus. Doch dem Zauber der ersten Nächte folgt für Frauen oft ein schmerzhaftes Erwachen – auf der Toilette, beim Wasserlassen. Mediziner haben diesen ständigen Druck auf der Blase und das Brennen beim Urinieren "Flitterwochen-Zystitis" getauft. Diese Art von Blasenentzündung entsteht nämlich, weil Krankheitskeime durch ständigen Sex geradezu einmassiert werden.

Unterkühlung bereitet Harnwegsinfekt den Weg

Aber Harnwegsinfekte können auch andere Auslöser haben: Im Sommer setzen sich Frauen der Gefahr aus, eine chronische Harnwegsinfektion zu entwickeln. Die heißen Temperaturen verführen dazu, bauchfreie Mode zu tragen. Das Schwimmbad lädt zum Baden ein, doch dem Schwimmen sollte man die nassen Badesachen so schnell wie möglich wechseln. Sonst droht eine Unterkühlung und die "setzt die Abwehr des Körpers herunter", erklärt die Urologin Daniela Schultz-Lampel. Die Infektionsanfälligkeit steigt, Keimen gelingt es leichter, in den Körper einzudringen und erhöhen das Risiko einer Harnwegsinfektion.

In der Regel entsteht eine Blasenentzündung durch Darmbakterien, die in die Harnröhre wandern. Bei Mädchen und Frauen ist die Harnröhre deutlich kürzer und der Weg für die Erreger nicht so weit. "Inzwischen weiß man, dass es auch eine Veranlagung in der Schleimhaut der Blase gibt", sagt die Ärztin. "Sie kann dafür verantwortlich sein, wenn Blasenentzündungen immer wieder auftreten."

Frauen plagen Blasenentzündungen häufiger als Männer

Frauen haben bei Harnwegsinfekten insgesamt das Nachsehen – etwa die Hälfte der weiblichen Bevölkerung hat mindestens einmal im Leben damit zu tun. Dafür gibt vor allem es zwei Gründe: Zum einem mündet die Harnröhre bei Frauen in unmittelbarer Nähe zum Darmausgang und zur Scheide, zum anderen ist sie deutlich kürzer als bei Männern und die Erreger haben es nicht so weit. In der Regel entsteht eine Blasenentzündung durch Darmbakterien, die in die Harnröhre wandern. Von da aus kann es aber noch weitergehen. Breiten sich die Keime ungehindert aus, ist eine Entzündung des Nierenbeckens eine wahrscheinliche Folge. Das ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, schon deshalb sollte eine Blasenentzündung immer ernst genommen und behandelt werden.

Harnwegsinfekt äußert sich durch ständigen Harndrang

Eine Blasenentzündung äußert sich vor allem durch den ständigen Drang, auf die Toilette zu müssen – selbst wenn die Blase gerade entleert wurde. Dazu kommen Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen. Der Urin hat eine dunkelgelbe Farbe und riecht unter Umständen übel. Schultz-Lampel rät: "Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte viel trinken."

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Denn Trinken spült die Harnwege. Gut geeignet: Mineralwasser sowie Blasen- und Nierentees. Sie enthalten Pflanzen wie Brennessel, Birke, Schachtelhalm oder Wacholder. Diese regen die Niere an, viel Harn zu produzieren. Bewährt hat sich ebenso Tee aus Bärentraubenblättern. Er desinfiziert und bekämpft Bakterien. Nicht so gut wirken schwarzer Tee, Kaffee und Alkohol – sie reizen unter Umständen die Blase.

Suchen Sie Ihren Arzt auf, wenn sich die Blasenentzündung nach zwei Tagen Behandlung nicht merklich bessert. Breiten sich die Keime weiter aus, steht womöglich eine Entzündung des Nierenbeckens bevor. Schmerzen in der Nierengegend, hohes Fieber und schweres Krankheitsgefühl sind Zeichen dafür.

Wenn Kinder sich eine Blasenentzündung geholt haben, gehen Sie am besten mit ihnen zum Arzt. Sie sollten "Drei bis fünf Tage mit Antibiotika behandelt werden", sagt die Urologin. Ansonsten gilt: Den Unterleib warm halten, viel trinken und sich Ruhe gönnen.

Scheidenpilz kann in die Blase wandern

Wenn eine bakterielle Blasenentzündung ausscheidet, da Antibiotika nicht wirken, könnte ein Scheidenpilz hinter der Blasenschwäche steckt. Ob sich ein Scheidenpilz hinter einer Blasenschwäche verbirgt, lässt sich relativ leicht feststellen. Wenn die Frau über Brennen und Jucken im Intimbereich sowie über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr klagt, spricht dies für Pilzinfektion. Auch starker, etwas klumpiger, Buttermilch-ähnlicher Ausfluss ist ein deutlicher Hinweis. Endgültige Gewissheit können eine Urinkultur und ein Scheidenabstrich liefern.

Ist eine Blasenschwäche durch eine Candida-Infektion verursacht, muss vor allem der Vaginalpilz behandelt werden. Da der Pilz sich nicht nur in der Scheide befindet, reicht eine lokale Therapie mit Zäpfchen und Salben nicht aus, sagt Heinz Kölbl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Patientin braucht eine systemische Therapie, das heißt: ein Anti-Mykotikum in Tablettenform, damit auch die Pilze in der Blase beseitigt werden. Wichtig ist außerdem, viel Mineralwasser oder Früchtetee zu trinken, um die Pilze aus der Blase zu spülen.

Harnwegsinfektion gezielt vorbeugen

Damit die Harnwege gesund bleiben, kann man einiges tun. Sechs Tipps für den Alltag:

1. Warm halten

Unterkühlung vermindert die Abwehrkraft des Körpers. Keime haben es dann leichter einzudringen und eine Infektion zu entfachen. Daher besonders Unterleib und Füße immer warm halten. Um sich im Sommer nicht zu verkühlen, nasse Badesachen nach dem Schwimmen sofort ausziehen und Hüfthosen ebenso wie bauchfreie Tops meiden. Im Winter sind dicke Unterwäsche und Socken sowie gefütterte Stiefel ratsam. Sind Schuhe und Kleidung nass geworden, heißt das Gebot der Stunde: auf direktem Wege nach Hause gehen und ins warme Bad steigen.

2. Abwehr stärken

Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung stärkt das Immunsystem und schützt vor Infektionen. Auch Sport, regelmäßige Saunagänge und Wechselduschen kurbeln die Abwehrkräfte an. Weiter wichtig sind Ruhe und Ausgeglichenheit, denn Stress schwächt den köpereigenen Schutz. Vitamin C säuert den Harn und verhindert dadurch die Ansiedelung von Bakterien. Dabei hat sich vor allem Preiselbeersaft bewährt: Das Getränk senkt das Risiko, an einer Blasenentzündung zu erkranken, um rund 40 Prozent. US-Forscher der Rutgers Universität New Jersey haben gezeigt: Preiselbeeren enthalten Substanzen, die verhindern, dass sich E. coli-Bakterien an den Zellen des Harntrakts festsetzen. E. coli-Bakterien stammen aus dem Darm und sind häufigste Erreger von Blasenentzündungen.

3. Viel trinken

1,5 bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag sollte jeder trinken, um seine Harnwege gut zu spülen und Keime auszuscheiden, bevor sie Probleme machen. Experten empfehlen Wasser, Mineralwasser oder ungesüßte Tees. Wer weiß, dass er zu Blasenentzündungen neigt, ist mit Preiselbeerensaft gut beraten. Er kann eine Erkrankung nachweislich verhindern, indem er das Andocken der Bakterien an die Blasenwand und ein Ausbreiten verhindert.

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4. Richtig säubern

Nach dem Stuhlgang immer von vorn nach hinten wischen, damit keine Bakterien aus dem Darm in die Genitalzone gelangen. Übertriebene Intimhygiene sollte man vermeiden: Seife, Duschgels und Intimsprays zerstören den natürlichen Schutz von Haut und Scheide und schwächen so die Abwehr von Krankheitskeimen. Lauwarmes Wasser reicht im Allgemeinen zum Waschen aus. Männer sollten ihren Penis täglich bis zur Kranzfurche der Eichel reinigen. Waschlappen und Handtücher oft wechseln, um Keimen kein Reservoir zu bieten.

5. Klug Sex haben

Um zu verhindern, dass Bakterien durch Geschlechtsverkehr in die Harnwege gelangen, sollten Frauen nach dem Sex Wasser lassen. Das spült Keime heraus. Urologen empfehlen, Verhütungsmittel wie ein Diaphragma oder Spermizide zu meiden. Sie können das natürliche Gleichgewicht in der Scheide derart stören, dass Bakterien gut gedeihen und so auch Harnwegsinfekte begünstigen können.

6. Toilettengänge nicht zu lange hinauszögern

Den Gang auf die Toilette sollte man nicht aufschieben, sondern die Blase regelmäßig entleeren. Das befördert Krankheitskeime schnell aus Körper und verhindert, dass sie sich ansammeln können. Sitzen Sie auf der Toilette immer aufrecht, so wird die Blase komplett geleert.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2016
Durch: sist
Quellen: Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Urologie, des Berufsverbandes der Deutschen Urologen und der Urologin Professor Dr. Daniela Schultz-Lampel

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